Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs „Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā“ – AL-QUDDUS – Der Allerheiligste EINE – Teil 5

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
[The Holy Quran, Surah Isra 17:110] PicLink

Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der  Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

   Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
   Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem  AlMaqsad AlAsna  Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
Hier noch der LINK zu meinem Vortrag zum Leben und Wirken von Imam Abu Hamid.

BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AL-QUDDUS
Der Allerheiligste Eine

Der Allerheiligste Eine ist jener, welcher über jeglicher Beschreibung steht, welche menschlicher Wahrnehmung, Vorstellung und Einbildung zugänglich wäre oder das innerste Bewusstsein durchdringen könnte, um derart ein Verständnis von Ihm zu erlangen oder einen Widerhall davon festzustellen. Ich sage nicht einfach, dass Er frei von allem Fehl und Mangel ist, denn solche zu erwähnen, wäre geradezu gleich einem Bruch jeglichen Anstands. Denn gewiss geziemt es sich nicht vom König eines Landes zu sprechen und zu sagen, „Er ist kein Tuchweber,“ oder „kein Kupferschmied“, da doch die Verneinung einer Sache in gewissem Sinn des Wortes, beinahe das mögliche Vorhandensein dieser Sache suggeriert, womit durch diese Verneinung und die gleichzeitige unterschwellige Unterstellung eine Mangelhaftigkeit zum Ausdruck gebracht wird.

Vielmehr möchte ich sagen, dass Der Allerheiligste Eine von allen Eigenschaften der Vollkommenheit frei ist, welche sich die Mehrheit der Menschen unter diesem Begriff vorzustellen vermögen. Dies deshalb, weil der Mensch zuallererst sich selbst betrachtet, um sich mit seinen eigenen Eigenschaften vertraut zu machen und dabei erkennt, dass nur wenige perfekt sind. Die an sich selbst wahrgenom-mene Vollkommenheit ist von seinem Wissen, Sehen, Hören, Willen, seiner Wahl und Kraft abhängig. In Verbundenheit mit diesen Fähigkeiten meint er, diese wären mit Vollkommenheit zu bezeichnen.

Diese Selbstbetrachtung offenbaren allerdings auch Bereiche der Unvollkommen-heit in Hinblick auf seine Unwissenheit, Unfähigkeit, Blind-, Taub,- und Stummheit und für diese Eigenschaften verwendet er den Begriff Unvollkommenheit. Das Ziel des Menschen Lobpreisung und Charakterisierung Gottes, des Höchsterhabenen ist daher, Ihn in der Begrifflichkeit seiner eigenen Vollkommenheit darzustellen, wie seines eigenen Wissens, Einsicht, Rede oder seiner Macht und Rede, wobei er Ihm gleichzeitig die Eigenschaften seiner eigenen Unvollkommenheit vorenthält.

Doch Gott, Der Höchsterhabene ist völlig frei von aller, an des Menschen Voll-kommenheit anlehnender Beschreibung, ganz so, wie er auch von der, an die menschliche Unvollkommenheit anlehnende Beschreibung frei ist. Gott, Der Höchsterhabene ist frei und erhaben über alle Eigenschaften, die man auch nur irgendwie dem Menschen zuschreiben könnte und jenseits alledem, was diesen ähnlich wäre. Auch wenn es eine besondere Erlaubnis gibt, diese (Namen) zu gebrauchen und es auch in Ordnung ist (dies zu tun), kann die Mehrzahl dieser Eigenschaften nicht Gott, Dem Höchsterhabenen zugeschrieben werden. Doch dies versteht ihr bereits aus dem vierten Teil der Einleitung und muss daher hier nicht wiederholt werden.

Eine Ermahnung:
Der Mensch ist in dem Maße heilig, in dem er seinen Willen und sein Wissen läutert. Was sein Wissen betrifft, sollte er es hinsichtlich aller Dinge der Wahr-nehmung läutern, gegenüber allen Dingen, welche über die Sinne oder auch Einbildung wahrgenommen werden und solcher Wahrnehmungen, die er mit dem Tierreich teilt. Vielmehr sollte sich die Beschäftigung seiner Überlegungen und seines Wissens auf solche Dinge richten, die (entweder) über der sinnlichen Begreiflichkeit, ihr ferne oder unerreicht liegen. In der Tat sollte er sein inneres Sein von allen Dingen sinnlicher Wahrnehmung und Vorstellung befreien und eine solche Form des Wissens erlangen, dass er, selbst wenn es all seiner sinnlichen  Wahrnehmungs- und Vorstellungsinstru­menten beraubt wäre, es doch noch ein nobles, universelle, göttliches Wissen bliebe, welches dem ewigen und immer-währenden verbunden bliebe und nicht dem persönlichen (Wissen), welches doch der Änderung und dem Wechsel unterworfen ist.

Was seinen Willen betrifft, sollte er ihn frei von alldem machen, was unter des Menschen Glück verstanden wird, denn letztlich ist dieses auf die Vergnügungen der Leidenschaft zu reduzieren, wie Zorn, Essen, Heirat, Bekleidung, Gefühle, Betrachtung von Dingen, … und die Überreste dieser Genüsse mögen durch die sinnliche Wahrnehmung und das Verlangen des Herzen bekommen werden. Eher soll er Gott alleine ersehnen. Vergnügliches Wohlbefinden wird er nur in Gott finden. Sein einzig wirkliches Verlangen soll sein Treffen mit Gott sein und nur in der Nähe Gottes wird er seine Glückseligkeit erleben. Wenn ihm das Paradies und all dessen Freuden angeboten würden, berührten sie ihn nicht. Mit nichts wäre er im Haus zufrieden, es sei denn mit dem Herrn des Hauses. Kurz gesagt, alle seine sinnlichen und geistigen Wahrnehmungen werden mit dem Tierreich geteilt. Und wenn dies stimmt, ist es ein Muss, dass er über dieses hinausgeht und in jene Gefilde vorstößt, welche die besonderen, dem Menschen bestimmte Eigenschaf-ten sind. Begehrlichkeiten menschlicher Befriedigung kennt das Tierreich auch. Daher ist es erforderlich, sich von diesen zu befreien. Die Würde des Suchenden ist entsprechend der Würde des Gesuchten. Wer sich mit dem befasst, was den Bauch füllt, wird erkennen, dass dieses dem Wert entspricht, was den Bauch auch wieder verlässt. Doch der, dessen Streben auf nichts gerichtet ist, denn auf Gott, wird einen Rang einnehmen, welcher dem des Angestrebten angemessen[1] ist.

Jener, der sein Wissen über die Stufe der reinen Sinneswahrnehmung und Vorstellung hebt und seinen Willen jenem widmet, welches über das Begehren des Gelüsts und seiner Neigungen hinausgeht, der ist wahrlich in die Fülle des Reichs der Heiligkeit eingetreten.


[1] Kommentar Hanel:
In diesem Zusammenhang darf nochmals daran erinnert werden, dass nichts und niemand mit dem „Rang“ Gottes zu vergleichen ist oder angemessen, proportional oder entsprechend wäre. Was m.E. hier zum Ausdruck gebracht werden soll ist, dass der Rang dessen, dessen Streben auf den EWIGEN, EINEN Gott, ALLAH ausgerichtet ist, ebenfalls unbeschreiblich ist, da dieser Rang und die sich daraus ergebende Glückseligkeit  sich nicht mit den Vorstellungen und der Glückseligkeit jenes Befindens vergleichen oder mit Worten beschreiben lassen, welche sich auf jene Bereiche beziehen, die mit dem Tierreich geteilt werden.
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