Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs “Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā” – AL-KHALIQ – Der Schöpfer – AL-BARI‘ – Der Hersteller – AL-MUSAWWIR – Der Gestalter Teil 11/13

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
[The Holy Quran, Surah Isra 17:110] PicLink

Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem AlMaqsad AlAsna Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
HIER der LINK zur PDF Druckversion dieser Übersetzung aller Namen …
Hier noch der LINK zu meinem Vortrag zum Leben und Wirken von Imam Abu Hamid.

BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AL-KHALIQ – Der Schöpfer
AL-BARI‘ – Der Hersteller
AL-MUSAWWIR – Der Gestalter

Man mag denken, dass diese Namen Synonyme sind und Ableitungen vom Schöpfungsakt und vom ins Dasein bringen darstellen. Doch dies ist keine zwingende Wahrheit. (Tatsache ist,) alles, was aus Nichtsein ins Dasein tritt, bedarf zuerst einer Planungsstufe; zweitens, eines gemäß dieses Plans ins Dasein bringen und drittens die Gestaltung der erschaffenen Materie. Gott, der Höchst Erhabene ist der Schöpfer insofern Er der Eine ist der plant und bestimmt; Er ist der Hersteller in dem Ausmaß in dem Er erfindet und ins Dasein bringt; und Er ist der Gestalter hinsichtlich der Tatsache, dass Er die Formen Seiner Erfindungen in bestmöglicher Art und Weise anordnet.

Man könnte sagen, dass diese Handlungsabfolge an einen Hausbau erinnert, der eines Planers bedarf, der die Anzahl der Ziegel, der Balken und die Grundstücksgröße festlegt, von der Anzahl der Gebäude und deren Dimensionen ganz abgesehen.
Diese Arbeit liegt in der Verantwortung des Architekten, der all dies skizziert und ausgestaltet.

Danach braucht es einen Baumeister, welcher die Verantwortung für die nun tatsächlich errichteten Gebäude übernimmt. Im nächsten Schritt braucht es den Ausgestalter, um die Farben aufzutragen und so deren Aussehen zu bestimmen. Die Verantwortung dafür liegt bei jemand anderem als bei dem Erbauer. Dies ist die normale Vorgangsweise bei der Errichtung eines Gebäudes. Dennoch trifft dies nicht für Gott, den Höchst Erhaben zu. In allen Fällen ist Er der Planende, der Erbauer und der Ausgestalter. Deshalb ist Er der Schöpfer, Hersteller und Gestalter.
Ein Beispiel Seiner Arbeiten ist der Mensch, eines von Gottes Geschöpfen. Verschiedene Dinge sind für seine Existenz erforderlich. Zuerst muss die Substanz bestimmt werden, aus welcher er bestehen soll. Dies ist natürlich ein mit bestimmten Eigenschaften ausgestatteter Körper. Selbstverständlich muss es diesen Körper zuerst geben, damit er mit diesen Eigenschaften ausgestattet werden kann, wie es auch verschiedene Werkzeuge braucht, um ein Haus zu bauen. Darüber hinaus kann die menschliche physische Konstitution nicht ohne eine Mischung aus Wasser und Erde taugen. Denn Erde alleine ist unelastisch und kann nicht gefaltet oder gebogen werden, um Bewegung zu ermöglichen. Natürlich ist Wasser absolut flüssig und kann aus sich nicht zusammenhalten, noch eine feste Form einnehmen. Daher muss die starre, trockene mit der flüssigen, flexiblen Materie in einer ausgewogenen Weise zusammengebracht werden. Das Ergebnis wird Lehm genannt. Nun muss kochende Hitze hinzugefügt werden, damit diese Mischung aus Wasser und Erde sich verfestigt und nicht auseinanderbricht. Dies deshalb, weil der Mensch ja nicht nur aus reinem Lehm geformt wurde, sondern eher aus etwas, was zusammengebacken wurde, wie dies der Fall bei Tongefäßen ist. Tonware besteht aus Lehm, dem der Formbarkeit halber noch Wasser hinzugefügt wird und dann erhält diese Mischung im Feuer ihre Festigkeit. Desweiteren bedarf es für den Menschen ein genau bestimmtes Mengenverhältnis von Wasser und Lehm. Das heißt, wären die Mengen zu gering, kämen keine menschlichen Handlungen zustande. Die Handlungen wären eher auf dem Niveau von Ameisen und Engerlingen, die vom Wind zerstreut und leicht zerstört werden können. Andererseits braucht es auch nicht ein Übermaß an Lehm, welches sein tatsächliches Bedürfnis überschreitet. Vielmehr braucht der Mensch eine korrekte Menge – nicht zuwenig, nicht zuviel – und diese Menge ist nur Gott bekannt. Diese Tatsache ist natürlich die wichtigste bei der Planung.

Hinsichtlich der Planung dieser Dinge und der Erschaffung in Übereinstimmung mit dieser Planung ist Er Al-Khaliq. Hinsichtlich der tatsächlichen Erschaffung, dem Akt etwas aus Nichtexistenz in die Existenz zu bringen, ist Er Al-Bari. Der Akt nur der Erschaffung ist eine Sache, doch etwas zu erschaffen aufgrund eines vorbereiteten Planes ist eine ganz andere Sache. Diesen Unterschied zu begreifen ist für den wesentlich, der Schwierigkeiten hat den Akt der Erschaffung primär auf das Planungsstadium zurückzuführen, auch wenn es dafür philologische Unterstützung gibt, da die Araber eine versierte Person Erschaffer (khaliq) nennen, der seine Arbeit auf Grund der Vorbereitung durch eine andere plant. Daher spricht der Dichter, „Gewiss hast du geschnitten, was du gemessen (khalaqtu) hast, doch manche Leute messen und schneiden doch nicht.“

Der Name Al-Musawwir ist Gottes Name in der Hinsicht, dass Er die Formen der Dinge in bestmöglicher Art arrangiert und ihnen die bestmögliche Gestalt gibt. Dieser Name ist eine Charakteristik, um Aktivität auszudrücken. Dessen wirkliche Natur kennt nur der, welche die Welt der Formen ganz allgemein kennt und dann auch im Detail. Denn die ganze Welt ist wie eine Person, die aus verschiedenen Gliedmaßen besteht, die harmonische zusammenwirken, um ein für sie erforderliches Ziel zu erreichen. Die Glieder und Teile ihres Körpers finden ihre Gegenstücke in der Welt der Himmel, der Sterne und der Erde, um nicht das Wasser, die Luft und andere Materie zu vergessen. Die verschiedenen Teile ihres Körpers sind perfekt angeordnet. Wenn diese Anordnung irgendwie verändert wird, wird er unweigerlich sein Funktionieren einbüßen. Die Glieder und Organe die für den oberen Teil des Körpers gedacht sind, müssen auch im oberen Teil platziert sein, und jene, welche für den unteren Teil angelegt sind, müssen dort vorgefunden werden.

Vielleicht kann man hier eine Parallele zu einem Maurer finden, der die Steine unten hinlegt und das Holz darüber, eine Vorgangsweise, die über eine bloße Gewohnheit hinausgeht, weil dies natürlich die einzige Art und Wiese ist, wie man einer Mauer Stabilität verleiht; denn wenn man die Anordnung umkehrte, erhielte man eine Mauer, die keineswegs stabil und dauerhaft wäre.

Gleicherweise müssen wir die Notwendigkeit der Position der Sterne in der Höhe und der Erde darunter und aller wichtigen Teile der Welt verstehen.

Wenn wir beginnen wollten, alle wichtigen Teile dieser Welt aufzuzählen und zu beschreiben, danach die Bedeutung ihrer Anordnung zu erklären, fielen unsere Ausführungen wohl ziemlich lange aus. Der dessen Wissen um die detaillierte Beschreibung der Dinge umfänglicher ist, hat ein weiteres Verständnis von der Bedeutung des Namens Al-Musawwir.

Dieses Anordnen und Formen ist in Verbindung mit jedem einzelnen Ding dieser Welt zu finden, sei es in der Größe einer Ameise oder eines Atoms. Tatsächlich sogar in jedem einzelnen Glied einer Ameise. Es bräuchte vieler Worte, um das Auge, das kleinste Organ der Lebewesen zu beschreiben. Wenn jemand die Schichten, deren Form, deren Ausdehnung, seine Farben und die Weisheit die darin liegt nicht kennt, kennt nicht wirklich die Form des Auges, sondern nur sehr wenig Allgemeines über dessen musawwir. Gleiches kann über alles im Pflanzen- und Tierreich gesagt werden; tatsächlich von jedem Teil einer Pflanze oder eines Tieres. 

Eine Ermahnung:
Des Menschen Anteil an diesem Namen liegt in der Aneignung des Wissens über die Form all dessen was existiert, sowohl hinsichtlich der Gestalt und deren (innerer) Anordnung, auf dass er die Zusammenstellung dieser Welt wahrhaftig versteht und geradewegs durch Ansehen begreift. Im weiteren, dass er vom (Konzept des) Ganzen zum (Wissen über das) Detail herabsteigt, um zu einer umfassenden Sicht über die menschliche Form zu gelangen.[1] Er wird seinem Körper und seinen Gliedmaßen besondere Aufmerksam-keit zuwenden, damit er ihre Ausführung, Anzahl, ihren Aufbau und die Weisheit die sie in ihrer Schöpfung und Anordnung offenbaren. Dann wird er einen umfassenden Blick auf seine moralischen (ma’nawiyya) Eigenschaften werfen und auf seine noble (ma’ani) Natur, welche (die Handlungen) seine(r) Wahrneh-mungen und seinen Willen beflügeln. Auf gleiche Weise macht er sich auf das ihm bestmögliche mit der äußeren und inneren Form des Pflanzen- und Tierreichs vertraut und so wird er weitermachen, bis er in seinem Herzen (Geist) das Konzept, das Wesen (nafs) und die Form des Ganzen erfasst. All dies wird aus dem Wissen über die Formen körperlicher Dinge erreicht. Dieses (Wissen) ist gering im Vergleich zum Wissen über die Ordnung geistiger Wesen, welches das Wissen über die Engel und deren Rangordnung und auch die Rolle, welche ihnen hinsichtlich der Machtbefugnis zur Kontrolle über die Himmel und Sterne gegeben ist, einschließt. Die Autorität dieser Wesen reicht auch an die Herzen der Menschen und drückt sich durch Führung und Anleitung aus, von ihrer Befugnis über das Reich der Gedanken, ganz abgesehen von ihrer Macht gegenüber dem Tierreich über die Instinkte, welche die Wesen zum passendsten Ort führt, um ihre physischen Bedürfnisse zu befriedigen. Dies also ist des Menschen Anteil an diesem Namen; nämlich der Erwerb der kognitiven, über die Erkenntnis wahrgenommenen Form, welche der existentiellen Form entspricht.

Wissen im Geist ist eine Form, welche der Form der bekannten Dinge entspricht. Gottes Wissen über die Formen ist die Ursache für die Existenz der einzelnen (Dinge). Desweiteren sind die Formen, die in den einzelnen Dingen vorhanden sind, die Ursache für das Erscheinen der erkenntnisbasierten Formen im Geist des Menschen. Auf gleiche Weise erwirbt er das Wissen über die Bedeutung des Namens al-Musawwir, welcher einer der Namen Gottes ist. Durch die Aneignung dieser Formen in sich selbst, wird er einem musawwir gleich, wenn auch nur in metaphorischem Sinn. Denn diese Form tritt in ihm selbst nur durch eine Schöpfung Gottes und Seine Verursachung hervor, um es exakt auszudrücken, und nicht durch des Menschen Bemühungen. Doch dem Menschen ist es, sich weiterhin zu bemühen, sich sozusagen dem Strom von Gottes Gnaden auszusetzen. Denn ganz gewiss gilt:
„Gott ändert nicht den Zustand eines Volkes wenn sie nicht (zuvor) ändern, was in ihren Herzen ist“.
Und auch sagte der Prophet (saws): „Gewiss hält der Herr Geschenke der Gnade für euch zu euren Lebzeiten bereit, so setzt euch ihnen unbedingt aus.“ [2]

Was Al-Khaliq und Al-Bari betrifft, so kann der Mensch nicht hoffen, diese beiden Namen zu durchdringen, ohne sich einer Art weitläufiger figurativer Beschreibung zu bedienen. Der Grund dafür liegt darin, dass Erschaffung und Entstehung auf den Gebrauch von auf Wissen begründeter Macht zurückgeht. Gott, der Höchst Erhabene hat das Wissen und die Macht für den Menschen erschaffen. Der Mensch hat (daher) ein Mittel diese Macht in dem Maße zu erreichen, wie es seinem Planen und Wissen entspricht. Alle existierenden Dinge sind in jene unterteilt, welche in keinerlei Hinsicht vom Vermögen des Menschen abhängen, wie die Himmel, die Sterne, die Erde, das Tier- und Pflanzenreich und anderes; und in jene, deren Auftreten vom Vermögen des Menschen abhängen. Dies sind die Werke, welche durch die Taten der Menschen entstehen und hergestellt werden, die verschiedenen Formen der Verwaltung, der Anbetung und verschiedenste Bemühungen und Anstrengungen der einen oder anderen Art.

Wenn es der Mensch (wirklich) schafft einen Grad des Erfolgs in seinem inneren Kampf durch ständige Praxis und Selbstbeherrschung zu erringen, und gleichzeitig sich selbst und andere zu führen, erlangt er einen Rang in welchem er einzigartig unter den Menschen ist, indem er Dinge entdeckt, die zuvor noch nicht entdeckt wurden; und wenn er es auch gleichzeitig schafft bestimmte Dinge zu tun und andere dazu zu veranlassen diese zu begehren, dann ist er wie eine Person, die etwas erschafft, das es zuvor noch nicht gab.

Man sagt, dass die Person welche Schach erfunden hat, jene Person ist, die das Spiel erfunden und erdacht hat, etwas erfunden hat, das es zuvor noch nicht gab, auch wenn solche Erfindung keinen wirklichen Wert hat oder lobenswert ist. Dies gilt auch in Hinblick auf religiöse Übungen, Kämpfe und Anstrengungen der einen oder anderen Art, Vorgansweisen und die verschiedenen Handwerkskünste, welche die Quelle mannigfachen Segens sind, die Art und Weise wie manche Leute von anderen lernen. Unweigerlich sind sie bis zum ersten Entwickler und Erfinder zurückzuverfolgen, und über diesen Erfinder kann man sagen, dass er diese Formen erdacht hat. Al-Khaliq ist der eine, der sie plante, sodass es möglich ist, ihm diesen Namen metaphorisch zuzuweisen.

Unter den Namen Gottes gibt es einige, welche metaphorisch auf den Menschen überschrieben werden können – tatsächlich ist dies die Mehrzahl der Namen; und es gibt einige, die wahrhaftig dem Menschen zugehören und Gott nur metaphorisch zugeschrieben werden, wie dies der Fall mit As-Sabur und As-Shakur ist. Es ist nicht korrekt, wenn wir das Teilen anerkennen, welches hinsichtlich einiger dieser Namen besteht und die Unterschiede die wir gerade erwähnt haben vernachlässigen.

[1] Das Konzept der ganzheitlichen Weltsicht ist hier lange vor unserer Zeit vorweggenommen und auch mit der alten hermetischen Weisheit verknüpft: „Wie oben so auch unten, wie unten, so auch oben“; MMH

[2] Qur’an 13:11


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