Archiv der Kategorie: Qur’an & Hadith

„Genug der Vorurteile! Selber im Koran lesen. – Frauen lesen den Koran“

KUG-Themenabend:
Zusammenfassung: Charlotte CORRODI & Fazilet SENGÜN

„Genug der Vorurteile! Selber im Koran lesen. – Frauen lesen den Koran“

Am letzten Freitag lud die Katholische Uni-Gemeinde Basel mit Sozan Rasuli und Irina Bossart ein zu einem Themenabend über weibliche Lesensarten des Korans.

Zur Einleitung stellten sie uns kurz den Koran, seine Themenkomplexe und Grundbotschaft vor. Die beiden Vortragenden verstehen den Koran als ein spirituelles Buch, welches an frühere Offenbarungen anschliesst und jedoch gleichzeitig auch eigene Akzente setzt. Er soll uns dabei unterstützen, unser Leben auf Gott auszurichten, um innere Vollkommenheit zu erstreben und moralisch zu handeln.

In einem ersten Teil erfuhren wir danach mehr über die Koranexegese (=Koraninterpretation) und Koranhermeneutik (=verwendete Methoden zur Interpretation). Obschon es bereits eine lange Tradition der Koranexegese gibt, liegen erst ab dem 20. Jahrhundert Interpretationen von Frauen (z.B. Zaynab Al-Gazali oder Aischa Ab Dar-Rahman) vor. Bezüglich der Koranhermeneutik war es interessant zu erfahren, wie viele teils sehr unterschiedliche Methoden verwendet werden und dass viele verschiedene Lesearten des Korans autorisiert sind. Es wurde uns dabei vor Augen geführt, dass nach einer Islamischen Sichtweise verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehen können – was ja in der westlichen Sichtweise seit Descartes nicht der Fall ist. Und wir wurden mit Sure 39,18 dazu aufgemuntert „den Koran in bester Absicht zu interpretieren“.

In einem zweiten Teil erfuhren wir mehr über das Thema des Islamischen Feminismus. Zu den Zielen von Islamischen Feministen/Feministinnen zählen eine gendergerechte Gesellschaft, die Wiedererlangung des vom Koran gegebenen Frauenrechts und dass zwischen Religion (Islam) und patriarchalischen Traditionen unterschieden wird. Je nach Ursprungsland ergeben sich natürlich noch andere spezifischere Themen an denen sie arbeiten. Als zwei grosse Islamische Feministinnen wurden uns Amina Wadud und Asma Barlas vorgestellt.

In einem dritten und abschliessenden Teil diskutierten die beiden Vortragenden mit uns noch ein paar Koranstellen, die oft negativ auf Frauen interpretiert werden. Es war sehr spannend zu sehen, dass diese Stellen teils je nach Koranübersetzung respektive je nachdem ob man die umliegenden Verse mit einbezogen hatte, eine gänzlich andere Bedeutung erhalten konnten.

Alles in Allem war es ein spannender, theologisch theoretisch angehauchter Abend, an dem wir so einiges über Koraninterpretationen von Frauen lernen durften.

„Genug der Vorurteile! Selber im Koran lesen. – Frauen lesen den Koran“ (Basel, 7.11.14)

Grundbotschaften des Koran: Der Koran handelt von der Rede von Gott, religiösen Ritualen, ethischen Prinzipien, narrativen Passagen, eschatologischen Passagen. à geistlich spirituelles Buch mit dem Grundanliegen, dass die Menschen das Leben nach Gott ausrichten um innere Vollkommenheit zu erlangen und moralisch gut handeln mit dem Ziel „mit heilem Herzen zu Gott zurückzukehren (26:89)“

Koranexegese
Weibliche Tafsire von

  • Zaynab al Gazali (1917-2005), Kairo, vertritt konservative Auslegung
  • Aischa Abd Al-Rahman (1913-1998), Kairo, Ansatz = Koran ist ein literarisches Werk und dementsprechende Auslegung.

Klassische Methoden der Koranexegese

  1. Vers für Vers interpretieren
  2. Verschiedene Kommentatoren von früheren Zeiten zitieren
  3. Sprachliche Auslegung und eigene Interpretation

Durch das Studieren der Originalsprache des Koran wird klar, dass der Text viel Spielraum zur Auslegung gibt, was im Westen seit Descartes (etwas ist richtig à alles andere ist falsch) nicht immer verständlich ist. Reformtheologen bedienen sich der Unterscheidung zwischen universellen Prinzipien und gesellschaftlichen Situationen (spezifisch z.B. Erbrecht) und die Methode des Idschtihads (keine blinde Nachahmung des Bestehenden).Besprechung der Verse: (4:34-35), (24:31-32), (33:53), (33:59), (40:40)

Ziele des Islamischen Feminismus (wobei zwischen islamischer und muslimischer Feminismus unterschieden wird) sind die Schaffung einer gendergerechten Gesellschaft, Unterscheidung der Religion von patriarchalischen Traditionen und das länderspezifische Arbeiten an frauenbezogenen Themen wie z.B weibliche Richterinnen in Ägypten, oder Gleichstellung von Mann und Frau im Iran. Dabei arbeiten die FeministInnen mit der Grundhaltung: Der Koran selbst steht ausser Zweifel und das Streichen von Passagen wird nicht durchgeführt. Die Strategie beruht sich auf die Neuinterpretation der Schriften; die Aufdeckung der Machtstrukturen; Rechtsgutachten erhalten; auf Protagonistinnen hinweisen und nicht-muslimische Verbündete suchen.

Bei der modernen Koranexegese werden für die Analyse 6 Punkte herbeigezogen, wie zum Beispiel die Verwendung des aufgeklärten Rationalismus; wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Koran hervorheben; literaturwissenschaftliche Auslegung; historisch-kritische Auslegung, thematische Interpretation.

WIDER den WIDERSINN der ABROGATION im QUR’AN

DIE ABROGATION im ISLAM

Muhammad Michael HANEL, Feb./März 2014

Für jene, welche sich mit Islam und den aus seiner reinen Quelle hervorgegangenen verschiedenen Strömungen ernsthaft befasst haben, könnte, ja sollte es einsichtig werden, dass das Konzept der ABROGATION eine fürchterliche, der menschlichen Seele, der niederen Nafs (an-nafs al-ammara) durchaus inne liegenden Destruktivität entfesselt hat. Eine Zerstörungskraft, die aufgrund der dadurch freiwerdenden, fanatisch umgesetzten Willkür Schaden an der Menschen Religiosität, Geist, Gemüt, Kultur, gesellschaftlicher, individueller Sicherheit, … in unermesslichem Umfang anrichtet.

Ein nachhaltiger Schaden, der gleicherweise Muslime wie Nicht-Muslime betrifft.

Unter Abrogation verlautet Wikipedia: http://de.ask.com/wiki/Abrogation_%28Islam%29?lang=de&o=2802&ad=doubleDownan=apnap=ask.com (vom Lateinischen abrogare: abschaffen, nasch, arabisch ‏نسخ‎, DMG nasḫ, Aufhebung) wird in dem hier behandelnden Kontext in der islamischen Rechtswissenschaft die Aufhebung einer normativen Bestimmung des Korans verstanden.

Also die Abrogationslehre behauptet, ein Vers des Qur’an wird durch einen anderen aufgehoben, in seiner Bedeutung sozusagen vernichtet, für null und nicht erklärt. Oder anders gesagt, ein Vers stünde einem anderen an Vorzüglichkeit vor, ja verweist diesen anderen in die Bedeutungslosigkeit – audhu bil’Lah (da sei Gott vor)!

Auch wenn ich die diesbezüglichen Anmerkungen, die Fußnoten (eingerückte kursive Abschnitte oder grüne Schrift) von Muhammad ASAD Koranübersetzung, die unten aufgeführt sind als ausreichend erachte, diesem völlig unangebrachten, desintegrativen, unlogischen Konzept die Berechtigung nach Anerkennung zu nehmen, will ich dennoch meine Gedanken dazu nicht verhehlen.

Für diesbezügliche Nachfragen und Diskussionen stehe ich über dieses Medium gerne zu Verfügung.

2: 106
Jede Botschaft, die Wir annullieren oder der Vergessenheit preisgeben, ersetzen Wir mit einer besseren oder gleichen.

Wisst ihr nicht, dass Gott die Macht hat, alles zu wollen?

Dies ist der zentrale Vers, welcher als Eckstein für die Abrogationstheorie herangezogen wird.
Es folgt nun die Begründung der Absurdität dieses Anspruchs durch Muhammad ASAD.

„Das Prinzip welches in diesem Abschnitt niedergelegt ist – in Bezug auf den Ersatz weiterer biblischer Verbreitung durch den Qur’an – war Ursache für weit verbreitete, irrtümliche Interpretation durch muslimische Theologen. Das Wort ayah („Botschaft“) welches hier Verwendung findet, wird auch gebraucht um einen „Vers“ des Qur’an zu bezeichnen (denn jeder dieser Verse beinhaltet eine Botschaft). Diese beschränkte Bedeutung des Wortes ayah im Auge, haben einige Gelehrte von obigem Abschnitt geschlossen, dass bestimmte Abschnitte des Qur’an durch Gottes Befehl „aufgehoben“ wurden, bevor die Offenbarung des Qur’an abgeschlossen war. Abgesehen von der Seltsamkeit dieser Unterstellung – der den Gedanken an einen menschlichen Autor hervorruft, der nach einigem Nachdenken zum Korrekturstift greift und einen Abschnitt seines Manuskripts durch einen anderen ersetzt – gibt es keine einzige verlässliche Überlieferung, dass der Prophet jemals erklärt hätte, dass ein Vers des Qur’an durch einen anderen „aufgehoben“ wäre. Dieser so genannten „Lehre der Aufhebung“ mag die Unfähigkeit einiger früher Kommentatoren zugrunde liegen, einen Abschnitt des Qur’an mit einem anderen in Übereinstimmung zu bringen: eine Schwierigkeit die dadurch überwunden wurde, einen in Frage kommenden Vers als „aufgehoben“ zu erklären. Dieses wider­sprüch­liche Vorgehen erklärt auch, warum es zwischen den Verfechtern der „Lehre der Aufhebung“ keine Einstimmigkeit darüber gibt, wie viele oder welche Verse der Aufhebung zuzuschreiben wären; und darüber hinaus gibt es keine Einhelligkeit darüber, ob die zugeschriebene Aufhebung sich auf die vollständige Eliminierung des Verses aus dem qur’anischen Kontext bezieht oder nur auf die spezifische Vorschreibung oder Feststellung im betreffenden Vers. Kurz gesagt, die „Lehre der Aufhebung“ hat keinerlei historische Grundlage und muss zurückgewiesen werden. Andererseits löst sich die offenkundige Schwierigkeit in der Interpretation obigen qur’anischen Abschnitts sofort auf, wenn der Begriff ayah richtigerweise als „Botschaft“ verstanden wird, und wenn wir diesen Vers in Zusammenhang mit dem vorangegangen lesen, der ja festhält, dass die Juden und Christen jede Offenbarung ablehnen, welche jene der Bibel ablöst: denn, wenn so gelesen wird, bezieht sich die Aufhebung auf die früheren göttlichen Botschaften und nicht auf irgendeinen Teil des Qur’an selbst.“ (Hervorhebungen Hanel)

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Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs „Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā“ – AL-JABBAR – und – AL-MUTAKABBIR – Teil 9/10

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
[The Holy Quran, Surah Isra 17:110] PicLink

Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der  Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

   Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
   Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”  

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem  AlMaqsad AlAsna  Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
HIER der LINK zur PDF Druckversion dieser Übersetzung aller Namen …
Hier noch der LINK zu meinem Vortrag zum Leben und Wirken von Imam Abu Hamid.

BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AL-JABBAR
Der Seine Geschöpfe unter Seinen Willen zwingt

AL-JABBAR ist der Eine, dessen Wille gegenüber allem und jedem zwangsweise zur Umsetzung kommt, wohingegen der Wille von nichts und niemandem Zwang Ihm gegenüber auszuüben in der Lage ist. Er ist der Eine, dessen Zugriff nichts und niemand sich zu entziehen vermag, doch der Menschen Zugriff vermag nicht seine unzugängliche Gegenwart erfassen. Der absolute Al-Jabbar ist Gott, der Höchst Erhabene. Gewiss zwingt er jeden, doch niemand zwingt Ihn. Es gibt keine Person in dieser Welt, die Seiner Macht und Unzugänglichkeit entspricht.

Eine Ermahnung:
Unter den Menschen ist Al-Jabbar jener, der sich aus der Lage eines Gefolgsmannes erhoben hat und die Position erreicht hat, dass man ihm folgt. Er ist einzigartig in seinem Rang insofern, als er durch seine Art und Weise die Menschen zwingt, ihm hinsichtlich seines Betragens und Lebensführung zu folgen. Er nützt der Menschheit, doch er zieht keinen Vorteil aus der Menschheit. Er beeinflusst sie, doch sie beeinflussen ihn nicht. Er gebietet anderen die Gefolgschaft, folgt jedoch anderen nicht. Niemand trifft solch eine Person, ohne sich dabei selbst zu vergessen und zu jenen zu gehören, die sich nach Al-Jabbar sehen, ohne dabei auf sich selbst zu achten. Niemand kann auch nur im Geringsten darauf hoffen, ihn zu einem Abhängigen oder Gefolgsmann zu machen. Das Oberhaupt der Menschheit hat als einziger diese Charakterisierung erfüllt – möge Gottes Segen und Friede auf ihm sein. Er sagte: „Wäre Moses am Leben, so könnte er nicht anders, denn mir zu folgen. Denn ich bin das Oberhaupt der Kinder Adams – und das sage ich ohne Prahlerei.“

AL-MUTAKABBIR
Der Höchste an Stolz und Größe

AL-MUTAKABBIR ist der, welcher alles im Vergleich zu seinem eigenen Wesen niedrig ansieht. Er erachtet Majestät und Ruhm niemand anderem zugehörig als ihm selbst. Er sieht auf die anderen, wie Könige auf ihre Untergebenen blicken. Wenn diese Beschreibung wahr ist, so ist dies Stolz im wahrsten Sinne des Wortes; und wer sich so beträgt ist bestimmt eine stolze Person. Und diese Zuschreibung in absolutem Sinne ist undenkbar, außer in Hinblick auf Gott, dem Höchst Erhabenen.
Jedenfalls ist diese Selbstverherrlichung und Selbsterhöhung, so sie falsch ist, tadelnswert. Jener, der meint, dass Größe und Ruhm nur ihm alleine unter Ausschluss aller anderen gehörten, muss wissen, dass diese Einschätzung falsch ist und seine Meinung wertlos. Die Wahrheit in dieser Sache ist, dass diese beiden Eigenschaften einzig und alleine Gott, dem Höchst Erhabenen zugehören.

Eine Ermahnung:
Unter den Menschen ist der Al-Mutakabbir, der zurückhaltend und ein „Gnostiker“ (al ‚arif) ist. Die Bedeutung der Zurückhaltung des „Gnostikers“ ist, dass er frei von erschaffenen Dingen ist, die sein Herz besetzen könnten. Er fühlt sich erhaben über alle Dinge, außer über die Höchst erhabene Wahrheit, sodass er sowohl auf diese Welt, wie auf die kommende in Geringschätzung blickt. Er ist derjenige, der sich darüber erhaben fühlt, von diesen beiden – von der Höchsten Wahrheit – abgelenkt zu werden.
Die Zurückhaltung von einem „Nicht-Gnostiker“ ist nur ein Handel und ein Tausch, für welche er erhofft, die Vergnügen des kommenden Lebens zu erkaufen, indem er die Vergnügen dieser Welt aufgibt. Er gibt eine Sache heute in der Hoffnung auf, sie um ein Vielfaches im Jenseits zurückzubekommen. Das ist gewiss ein Termingeschäft (salam) und Handel. Der vom Appetit nach Nahrung und Heirat versklavt ist, ist verachtenswert, auch wenn diese (Vergnügen) andauernd sind. Jedenfalls ist Al-Mutakabbir jenem Appetit und dem Anteil verächtlich gegenüber, an welchem das tierische Königreich auch nur erdenklichen Anteil hat.


Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs „Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā“ – AL-MUHAYMIN – Der Beschützer und Behüter – Teil 8

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
[The Holy Quran, Surah Isra 17:110] PicLink

Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der  Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

   Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
   Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”  

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem  AlMaqsad AlAsna  Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
HIER der LINK zur PDF Version dieser Übersetzung aller Namen soweit …

Hier noch der LINK zu meinem Vortrag zum Leben und Wirken von Imam Abu Hamid.

BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AL-MUHAYMIN
Der Beschützer und Behüter

Die Bedeutung dieses Begriffs in Hinblick auf Gott, den Höchst Erhabenen ist, dass Er die Handlungen, das Auskommen und die Lebensdauer Seiner Geschöpfe hervorbringt. Viel mehr noch bringt er diese durch das Instrumentarium Seines Wissens, Kontrolle und Bewahrens hervor. Jeder der Überblick über das Wesen einer Sache hat und sie gleichermaßen kontrolliert und bewahrt, ist deren Überwacher und Behüter. Diese Überwachung entspringt dem Wissen, der Kontrolle perfekter Macht und der geistigen Bewahrung. Jener, in dem diese Eigenschaften vereint sind, wird Muhaymin genannt. Doch es gibt niemanden, der all diese Fähigkeiten in vollkommener Weise in sich vereint, außer Gott. Deshalb heißt es in den alten Aufzeich­nungen, dass dies einer der Namen Gottes ist.

Eine Ermahnung:
Jener Mensch wird Muhaymin genannt, der seinen Lebenslauf deshalb ordentlich beobachtet, um dessen Tiefen und Geheimnisse zu erfassen, der dessen verschiedene Bedingungen und Charakteristika kontrol­liert und zusätzlich sich um dessen Erhalt in Übereinstimmung mit dessen Erschaffung kümmert – wenn sein Überblick und Kontrolle die Möglichkeit der Existenz berücksichtigt, da es möglich ist, dass es einen gleichen gibt in Hinblick auf Perfektion und Kostbarkeit. Das dringende Erfordernis nach diesen liegt in der Tatsache, dass sie jeder für alles und ganz gewiss für seine Existenz, deren Fortdauer und Eigenschaften braucht. Diese (absoluten Fähigkeiten der Kontrolle) gibt es aber bei niemandem, außer bei Gott dem Höchst Erhabenen. Denn wir haben erklärt, dass niemand Gott den Höchst Erhabenen wirklich kennt, außer Gott Selbst. Er ist der wirklich absolut Unvergleichliche und Eine und niemand ist Ihm hinsichtlich dieses Namens vergleichbar.

Eine Ermahnung:
Al ‚Aziz unter den Menschen ist jener, dessen die Diener Gottes, des Höchst Erhabenen hinsichtlich ihrer wichtigsten Ziele, nämlich das nächste Leben und ewigliche Glückseligkeit bedürfen. Diese Ziele zu erreichen ist gewiss selten, da ihr Erlangen schwer ist. Jene unter den Menschen, welche andere anleiten diese Ziele zu erreichen, bilden den Rang der Propheten – die Segen Gottes über ihnen. Jene, die während ihres Lebens einmalig sind, sich dem Rang der Propheten anzunähern, sind die Kalifen und Gelehrten, die Erben der Propheten. Jedem von ihnen wurde Verantwortung, die Leichtigkeit diese zu erfüllen und zu verteilen ihrem Rang und ihren Bemühungen die Menschen rechtzuleiten, entsprechend verliehen.

Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs „Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā“ – AL-MU’MIN – Der Urheber von Schutz & Sicherheit – Teil 7

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
[The Holy Quran, Surah Isra 17:110] PicLink

Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der  Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

   Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
   Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”  

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem  AlMaqsad AlAsna  Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
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BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AL-MU’MIN
Der Urheber von Sicherheit und Schutz

AL-MU’MIN – Der Urheber von Sicherheit und Schutz ist jener, dem Sicherheit und Schutz hinsichtlich der Tatsache zugeschrieben werden, dass er jenes zu Verfügung stellt, welches diese beiden realisiert und dadurch die Wege zur Furcht versperrt. Das Konzept der Sicherheit  bekommt nur an einem Ort der Furcht primäre Bedeutung – und es gibt keine wirkliche Furcht, außer dort wo es die Möglichkeit der Nicht-Existenz, des Wunsches und der Zerstörung gibt. Dass einer Sicherheit und Schutz in absolutem Sinne zu Verfügung stellte, ist unvorstellbar, außer diese kämen von Ihm, also von Gott, dem Höchst Erhabenen.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass eine blinde Person sich vor Verletzung im Ausmaß ihrer Blindheit fürchtet; doch ein gesundes Auge gibt ihr ein gewisses Maß an Sicherheit. Das gilt auch für den Einarmigen, der sich vor dem Übel fürchtet, welches nur von beiden Armen abgewendet werden kann, wobei ihm andererseits die eine Hand Schutz gewährt. Dies gilt für alle Sinne und Gliedmaßen. Der Urheber von Schutz und Sicherheit erschuf, formte, unterstützt und stärkt sie.
Wollen wir uns vorstellen, dass ein Mensch von seinen Feinden gesucht wird und nach seiner Gefangennahme in eine Zelle eingesperrt wird, in welcher er seine Gliedmaßen nicht gebrauchen kann. Doch selbst wenn er sie gebrauchen könnte, so hat er keine Waffen, und wenn er Waffen hätte, könnte er sie nicht zum Einsatz bringen; selbst wenn Truppen unter seinem Kommando stünden, könnte er nicht sicher sagen, ob sie nicht besiegt werden würden. Um diese Gedanken fortzuführen, kann er auch nicht auf eine Festung für seinen Schutz zurückgreifen. Doch nun beginnt jemand sich dieses Menschen Schwäche anzunehmen. Er stärkt ihn, indem er ihm Truppen und Waffen zu Verfügung stellt und eine unüberwindliche Festung um ihn herum errichtet. Auf diese Weise sorgt er für angemessen Schutz und genügend Sicherheit und wird daher würdig, ein Mu’min genannt zu werden.

Von Natur aus, ist der Mensch von innen heraus anfällig gegenüber Krankheit, Hunger und Durst und von außen her gegenüber den Gefahren des Verbrennens, Ertrinkens, physischer Verletzung und Ermordung. Der einzige der ihn vor diesen Gefahren bewahrt ist jener, welcher die entsprechenden Mittel gegen Krankheit, Hunger und Durst zu Verfügung stellt, Gliedmaßen die seinen Körper beschützen und die fünf Sinne, die ihm als Spione vor drohenden Gefahren warnen.
Darüber hinaus besteht seine größte Furcht vor der ewigen Verdammnis im Jenseits. Nichts kann ihn davor bewahren außer sein Einheitsbekenntnis. Gott, der Höchst Erhabene ist der Eine, der ihn dazu leitet und ihn es zu wünschen veranlasst, wenn Er spricht: „Es gibt keinen Gott außer Gott, das ist Meine Festung. Und wer Meine Festung betritt, ist sicher vor meiner Strafe.“[1] Keine Sicherheit gibt es in der Welt, außer jene, welche durch die von Gott alleinig geschaffenen Ursachen erreicht wird, und Er alleine weist den Weg zu deren Gebrauch.

„Unser Herr ist Er, der allem seine Natur verlieh und es daraufhin rechtleitete.“[2] Wahrlich, Er alleine ist absoluter Mu’min.“

Eine Ermahnung:
Des Menschen Anteil an dieser Charakterisierung liegt in der Tatsache, dass die ganze Menschheit an seiner (des Muslims) Seite sicher ist. Ja, jede ängstliche Seele sollte sogar auf seine Hilfe hoffen und darauf zurückgreifen, um jegliche Selbstzerstörung hinsichtlich religiöser und auch säkularer Angelegenheiten abzuwehren; gemäß dem Ausspruch des Gesandten Gottes (saws), der sagte, „Jeder der an Gott und den Jüngsten Tag glaubt, dessen Nachbar ist sicher vor dessen Übel.“[3] Jener unter den Menschen ist des Namens Al-Mu’min am würdigsten, der den Menschen vor der Strafe Gottes bewahrt, indem er ihn auf den Pfad Gottes weist und ihm einen Ausweg zeigt. Darum bitten die Propheten und Theologen. Daher sagte der Prophet (saws): „Wahrlich, ihr eilt gleich Motten dem Feuer entgegen, doch ich halte Euch davor zurück.“[4]

Eine Warnung und eine Ermahnung:
Vielleicht sagt ihr: „In Wirklichkeit ist Furcht von Gott. Tatsächlich gibt es niemanden, der Furcht verursacht außer Gott Selbst. Er ist der Eine, der Seine Diener zur Furcht veranlasst und die Ursachen der Furcht erschuf. Wie kann Ihm dann Sicherheit zugeschrieben werden?“ Deine Antwort ist, dass sowohl Furcht und Sicherheit ihren Ursprung bei Ihm haben. Er erschafft die Ursachen der Furcht und der Sicherheit zur gleichen Zeit. Sein Sein als Ursache der Furcht, hindert nicht Sein gleichzeitiges Sein als Ursache der Sicherheit zu sein, genauso wie Sein Sein als Der, welcher demütigt, nicht Seinem Sein entgegensteht, jemanden zu erhöhen. Vielmehr ist Er sowohl der Eine, der erhöht und der Eine, der erniedrigt. Gleicherweise ist Er sowohl der Urheber der Sicherheit, als auch der Eine, der Furcht veranlasst. Doch im Besonderen ist Al-Mu’min in die Aufzählung der Namen inkludiert, wohingegen Al-Mukhawwif (der Eine, der Furcht verursacht) ausgeschlossen ist.


[1] Hadith Qudsi
[2] Qur’an 20:50
[3] Muslim, Kap. Iman
[4] Al Buhari, Riqaq S. 26


Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs „Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā“ – AS-SALAM – Der EINWANDFREIE – Teil 6

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
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Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der  Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

   Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
   Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem  AlMaqsad AlAsna  Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
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BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AS-SALAM
Der Einwandfreie

 AS-SALAM ist der Eine, dessen Wesen frei von Unvollkommenheit ist, seine Eigenschaften lassen jede Spur der Mangelhaftigkeit vermissen und seinen Handlungen fehlt jegliches Böses. Deshalb gibt es keinen vollkom­menen, unbeeinträchtigten Zustand existentiellen Seins, außer jenen, welcher von Ihm zugeschrieben wird und von ihm kommt. Ohne zu zweifeln musst du verstehen, dass die Handlungen Gottes frei von allem Bösen sind; das bedeutet, frei von Bösem, welches um seinetwillen begehrt wird und nicht eines größeren Gut wegen, welches daraus resultiert. Und es gibt kein Böses, wie wir es hier beschrieben haben.

Eine Ermahnung:
Jener, der zu Gott mit reinem Herzen kommt, ist der, dessen Herzen frei von Betrug, Hass, Neid und dem Bedürfnis nach Bösem ist, dessen Glieder frei von Sünde und verbotenen Dingen sind und dessen Eigen­schaften keinesfalls umzudrehen oder zu verkehren sind. Unter den Menschen ist jener der Einwandfreie, dessen Beschreibung einen der absoluten und wahren Fehlerfreiheit nahebringen, die einfach durch niemanden anderen erreicht werden kann. Wenn ich zu dir von der Umkehr seiner  Eigenschaften spreche, dann rede ich von der Möglichkeit, dass sein Intellekt ein Gefangener seiner Leidenschaften und seines Zornes wird, wo doch vielmehr das Gegenteil wahr ist, dass nämlich Gier und Zorn dem Intellekt untergeordnet sind und ihm zu gehorchen haben. Wenn diese Wahrheit umgedreht wird, dann erfolgt unweigerlich ein Rückfall. Es gibt keine Einwandfreiheit, wenn der Herrscher beherrscht wird und der König zum Diener wird.
Niemand wird mit den Begriffen Einwandfreiheit und Islam bezeichnet, außer jener, vor dessen Hand und Zunge die Muslime sicher sind. Wie kann jemand, der nicht sicher vor sich selbst ist, als einwandfrei und islamisch bezeichnet werden?

Die SCHÖNSTEN NAMEN ALLAHs „Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā“ – AL-QUDDUS – Der Allerheiligste EINE – Teil 5

Allahs Schönste Namen

“Say: “Call upon Allah, or call upon Rahman: by whatever name ye call upon Him, (it is well): for to Him belong the Most Beautiful Names…”
[The Holy Quran, Surah Isra 17:110] PicLink

Eines der wichtigsten Lektionen die es im ISLAM zu erlernen gibt, ist wohl die Kenntnis der  Asmāʾu ’llāhi ’l-ḥusnā ‚ der schönsten Namen oder Eigenschaften Gottes – ALLAHs.

In einem Hadith von Abū Hurayra (603–681), einem Gefährten des Propheten Muhammad (saws), wird überliefert:

Wahrlich, Gott hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt, geht ins Paradies.“ – Saḥīḥ des Buḫārī, Band 3, Kapitel 50, Nr. 894

Zählt man alle im Qur’an genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. So wird z. B. auch Allah selbst in manchen Listen mitgezählt, in anderen aber nicht.

An einer solch einer Listen habe ich bereits selbst gearbeitet und gemäß meiner Übersetzung von Muhammad ASADs Koran diese Eigenschaften zu erläutern versucht.

   Versuch der Erläuterung der “99 Schönsten Namen Gottes”HANEL 5/2012
   Verse aus dem Qur’an zu den “Schönsten Namen Gottes”

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und beabsichtige die Erläuterungen von Imam al-Ghazâlî (Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî) aus seinem  AlMaqsad AlAsna  Fi Sharh Asma‘ Allah Al-Husna vorzustellen.
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BISMILLAHI ar-RAHMANI ar-RAHIM

AL-QUDDUS
Der Allerheiligste Eine

Der Allerheiligste Eine ist jener, welcher über jeglicher Beschreibung steht, welche menschlicher Wahrnehmung, Vorstellung und Einbildung zugänglich wäre oder das innerste Bewusstsein durchdringen könnte, um derart ein Verständnis von Ihm zu erlangen oder einen Widerhall davon festzustellen. Ich sage nicht einfach, dass Er frei von allem Fehl und Mangel ist, denn solche zu erwähnen, wäre geradezu gleich einem Bruch jeglichen Anstands. Denn gewiss geziemt es sich nicht vom König eines Landes zu sprechen und zu sagen, „Er ist kein Tuchweber,“ oder „kein Kupferschmied“, da doch die Verneinung einer Sache in gewissem Sinn des Wortes, beinahe das mögliche Vorhandensein dieser Sache suggeriert, womit durch diese Verneinung und die gleichzeitige unterschwellige Unterstellung eine Mangelhaftigkeit zum Ausdruck gebracht wird.

Vielmehr möchte ich sagen, dass Der Allerheiligste Eine von allen Eigenschaften der Vollkommenheit frei ist, welche sich die Mehrheit der Menschen unter diesem Begriff vorzustellen vermögen. Dies deshalb, weil der Mensch zuallererst sich selbst betrachtet, um sich mit seinen eigenen Eigenschaften vertraut zu machen und dabei erkennt, dass nur wenige perfekt sind. Die an sich selbst wahrgenom-mene Vollkommenheit ist von seinem Wissen, Sehen, Hören, Willen, seiner Wahl und Kraft abhängig. In Verbundenheit mit diesen Fähigkeiten meint er, diese wären mit Vollkommenheit zu bezeichnen.

Diese Selbstbetrachtung offenbaren allerdings auch Bereiche der Unvollkommen-heit in Hinblick auf seine Unwissenheit, Unfähigkeit, Blind-, Taub,- und Stummheit und für diese Eigenschaften verwendet er den Begriff Unvollkommenheit. Das Ziel des Menschen Lobpreisung und Charakterisierung Gottes, des Höchsterhabenen ist daher, Ihn in der Begrifflichkeit seiner eigenen Vollkommenheit darzustellen, wie seines eigenen Wissens, Einsicht, Rede oder seiner Macht und Rede, wobei er Ihm gleichzeitig die Eigenschaften seiner eigenen Unvollkommenheit vorenthält.

Doch Gott, Der Höchsterhabene ist völlig frei von aller, an des Menschen Voll-kommenheit anlehnender Beschreibung, ganz so, wie er auch von der, an die menschliche Unvollkommenheit anlehnende Beschreibung frei ist. Gott, Der Höchsterhabene ist frei und erhaben über alle Eigenschaften, die man auch nur irgendwie dem Menschen zuschreiben könnte und jenseits alledem, was diesen ähnlich wäre. Auch wenn es eine besondere Erlaubnis gibt, diese (Namen) zu gebrauchen und es auch in Ordnung ist (dies zu tun), kann die Mehrzahl dieser Eigenschaften nicht Gott, Dem Höchsterhabenen zugeschrieben werden. Doch dies versteht ihr bereits aus dem vierten Teil der Einleitung und muss daher hier nicht wiederholt werden.

Eine Ermahnung:
Der Mensch ist in dem Maße heilig, in dem er seinen Willen und sein Wissen läutert. Was sein Wissen betrifft, sollte er es hinsichtlich aller Dinge der Wahr-nehmung läutern, gegenüber allen Dingen, welche über die Sinne oder auch Einbildung wahrgenommen werden und solcher Wahrnehmungen, die er mit dem Tierreich teilt. Vielmehr sollte sich die Beschäftigung seiner Überlegungen und seines Wissens auf solche Dinge richten, die (entweder) über der sinnlichen Begreiflichkeit, ihr ferne oder unerreicht liegen. In der Tat sollte er sein inneres Sein von allen Dingen sinnlicher Wahrnehmung und Vorstellung befreien und eine solche Form des Wissens erlangen, dass er, selbst wenn es all seiner sinnlichen  Wahrnehmungs- und Vorstellungsinstru­menten beraubt wäre, es doch noch ein nobles, universelle, göttliches Wissen bliebe, welches dem ewigen und immer-währenden verbunden bliebe und nicht dem persönlichen (Wissen), welches doch der Änderung und dem Wechsel unterworfen ist.

Was seinen Willen betrifft, sollte er ihn frei von alldem machen, was unter des Menschen Glück verstanden wird, denn letztlich ist dieses auf die Vergnügungen der Leidenschaft zu reduzieren, wie Zorn, Essen, Heirat, Bekleidung, Gefühle, Betrachtung von Dingen, … und die Überreste dieser Genüsse mögen durch die sinnliche Wahrnehmung und das Verlangen des Herzen bekommen werden. Eher soll er Gott alleine ersehnen. Vergnügliches Wohlbefinden wird er nur in Gott finden. Sein einzig wirkliches Verlangen soll sein Treffen mit Gott sein und nur in der Nähe Gottes wird er seine Glückseligkeit erleben. Wenn ihm das Paradies und all dessen Freuden angeboten würden, berührten sie ihn nicht. Mit nichts wäre er im Haus zufrieden, es sei denn mit dem Herrn des Hauses. Kurz gesagt, alle seine sinnlichen und geistigen Wahrnehmungen werden mit dem Tierreich geteilt. Und wenn dies stimmt, ist es ein Muss, dass er über dieses hinausgeht und in jene Gefilde vorstößt, welche die besonderen, dem Menschen bestimmte Eigenschaf-ten sind. Begehrlichkeiten menschlicher Befriedigung kennt das Tierreich auch. Daher ist es erforderlich, sich von diesen zu befreien. Die Würde des Suchenden ist entsprechend der Würde des Gesuchten. Wer sich mit dem befasst, was den Bauch füllt, wird erkennen, dass dieses dem Wert entspricht, was den Bauch auch wieder verlässt. Doch der, dessen Streben auf nichts gerichtet ist, denn auf Gott, wird einen Rang einnehmen, welcher dem des Angestrebten angemessen[1] ist.

Jener, der sein Wissen über die Stufe der reinen Sinneswahrnehmung und Vorstellung hebt und seinen Willen jenem widmet, welches über das Begehren des Gelüsts und seiner Neigungen hinausgeht, der ist wahrlich in die Fülle des Reichs der Heiligkeit eingetreten.


[1] Kommentar Hanel:
In diesem Zusammenhang darf nochmals daran erinnert werden, dass nichts und niemand mit dem „Rang“ Gottes zu vergleichen ist oder angemessen, proportional oder entsprechend wäre. Was m.E. hier zum Ausdruck gebracht werden soll ist, dass der Rang dessen, dessen Streben auf den EWIGEN, EINEN Gott, ALLAH ausgerichtet ist, ebenfalls unbeschreiblich ist, da dieser Rang und die sich daraus ergebende Glückseligkeit  sich nicht mit den Vorstellungen und der Glückseligkeit jenes Befindens vergleichen oder mit Worten beschreiben lassen, welche sich auf jene Bereiche beziehen, die mit dem Tierreich geteilt werden.