Archiv für den Monat Juli 2014

Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden

 

Statement

Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden:

Muslime und Juden setzen sich gemeinsam für Frieden im Nahen Osten und für Respekt in der Schweiz ein.

 

In der Schweiz treffen sich im Rahmen des Programms „Respect“ seit drei Jahren Hunderte von muslimischen und jüdischen Menschen, um gegenseitig Vorurteile ab- und Brücken aufzubauen. Wenn jedoch Spannungen hochkommen und die Gewalt in Israel/Palästina die Schlagzeilen beherrscht, braucht es nur wenige extreme Stimmen, um auch das Zusammenleben hier zu vergiften. Das ist leider Mitte Juli 2014 in Zusammenhang mit einer Demonstration in Zürich im Internet passiert – darüber wurde in den Medien breit berichtet.

Am wichtigsten ist: Wir plädieren für einen gerechten und sicheren Frieden für die palästinensischen und israelischen Gemeinschaften. Es stehen weder jüdische Extremisten exemplarisch für das Judentum noch muslimische Extremisten für den Islam. Der Krieg und die Gewalt müssen gestoppt werden und faire Lösungen sollen mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft verbindlich umgesetzt werden. Wir begrüssen friedliche Bemühungen dafür in der Schweiz und anderswo.

Und hier in der Schweiz: Die vernünftigen Köpfe der muslimischen sowie der jüdischen Gemeinschaften müssen sich zu Wort melden und sich klar von Gewalt und Hetze distanzieren. Wer sein Entsetzen zum Ausdruck bringen will, sollte vermeiden, diskriminierende oder gewaltstiftende Wörter zu verwenden. Sowohl Muslim- als auch Judenfeindlichkeit sind leider verbreitet – auch hier in der Schweiz – und diese beiden Formen von Hass müssen überwunden werden. Sie gefährden das Zusammenleben und erschweren die Friedensbemühungen. Man darf und sollte sachliche Kritik gegenüber den Entscheidungstragenden beider Seiten anbringen, jedoch dürfen Drohungen oder Angriffe auf unsere Mitmenschen in der Schweiz keinen Platz haben und können überhaupt nicht geduldet werden.

Als Muslime und Juden, als Musliminnen und Jüdinnen in der Schweiz nehmen wir Stellung für Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit sowie gegen Gewalt, Drohungen und Hetze.

 

Namen der Unterstützenden
Imam Sakib Halilovic (Bosnische Moschee Schlieren),
Rabbiner Jehoschua Ahrens (ICZ)
Ron Halbright (NCBI),
M.M. Hanel (GSIW),
Albert Herz,
Mexhit Ademi,
Ramazan Özgü

Um Ihren Namen einzufügen, bitte ein Mail an respect@ncbi.ch schicken.
NCBI Kontakt: Ron Halbright 076 490 10 50

 

RAMADAN – Ansprache von Farhad AFSHAR (KIOS)

Salam – Ramadan Mubarak,
Friede und gesegneter Ramadan

SEDAGHAT im Ramadan

Ansprache von Farhad AFSHAR KIOS bei einem IFTAR der BMK am 6.7.2014

Ramadan ist der Monat der Sedaghat – der Aufrichtigkeit. Die Gebote des Ramadan unterscheiden sich von allen anderen Geboten dadurch, dass sie auf Freiwilligkeit und moralischer Einsicht beruhen. Niemand ist gezwungen zu Fasten, keine Aufsicht steht hinter den Gläubigen und kontrolliert ob sie nicht im Geheimen rauchen, trinken oder essen. Jeder und jede versucht, so gut es geht, den eigenen Ansprüchen zu genügen. Der Ramadan ist eine Zeit der Besinnlichkeit und der Selbstdisziplin, eine Zeit der Auseinandersetzung mit den eigenen Begehrlichkeiten.

Die Selbstbeschränkung ist aber nur ein Bereich des Friedensmonats, die andere Dimension des Ramadans ist die Anteilnahme am Leben der Familie, der Freunde, der Nachbaren und der Gemeinde.

Das bedeutet der Ramadan ist der Monat der Spiritualität, er ist die Zeit der Empathie: Die Muslime fasten freiwilligum sich in die Situation von Menschen zu versetzten, die gezwungen sind zu hungern. Es ist die Zeit deraktiven Anteilnahme, der Zuwendung, der Bemühung die Bürde unglücklicher Mitmenschen zu lindern.

Ramadan ist auch die Zeit des Friedens. Die Ethik des Ramadans beruht auf Sedaghat – der Aufrichtigkeit. Um der Sedagat, dieser Aufrichtigkeit zu entsprechen, darf ich nun meine folgenden Worte selbstkritisch an uns selbst, an die Muslime, richten.

Es genügt moralisch nicht, wenn wir im Ramadan nur die Fastenregeln einhalten, unsere Gebete verrichten und karitativ tätig sind und dabei das Hauptgebot des Islams übersehen – die Verpflichtung zum Frieden. Wenn wir uns bemühen, angesichts des Ramadans, dem Anspruch der Aufrichtigkeit zu genügen, der erstrebten Sedaghat zu entsprechen, dann müssen wir uns eingestehen, dass unsere schweizerischen Freunde, wie auch unsere Kritiker, Recht haben, wenn sie uns fragen:

Was ist mit den schrecklichen Ausschreitungen, den Exzessen und dem Terror in islamischen Ländern?

Vielleicht genügt es als Antwort an die Medien, und es ist auch politisch korrekt zu sagen, wir Muslime leben in der Schweiz und nicht im Ausland. Diese Aussage genügt aber nicht unserem eigenem Anspruch an Sedaghat, es entspricht nicht der Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber.

Wir wissen, die zentrale Sehnsucht der Muslime im Ramadan ist der Frieden, dafür beten wir jeden Tag. Jedoch ist es ungenügend nur zu fasten, zu beten und zu spenden, ohne uns auch zu vergegenwärtigen und uns einzugestehen- dass Menschen im Namen des Islams grauenhafte Verbrechen begehen – im Namen unserer Religion der Barmherzigkeit – Kriege, Zerstörungen und Vertreibungen organisieren. Wir alle wissen, in unserer Religion Islam, gibt es keine Legitimität um Aggressionskriege durch politische Argumente zu rechtfertigen. Noch strikter gesagt:

Der Islam verbietet Aggressionskriege.

Wie können wir das Brot mit unseren Nachbaren und Freunden teilen, ohne gleichzeitig uns Bewusst zu sein, dass zurzeit viele Menschen durch die grauenhafte Aggression islamischer Söldner ihre Liebsten, ihre Familien und Ihre Heimat verlieren und hunderttausende Flüchtlinge, Muslime, Christen und Minderheiten in Nachbarländern Schutz suchen?

Vielleicht können wir nichts an der politischen Interessenlage ändern, aber als Gläubige können wir klar und unmissverständlicher klären:

1. „Wer den Frieden bekämpft und das Leben der Menschen vernichtet, ist kein Muslim.

2.  Wer Elend und Leid über die Menschen bringt und ihre Würde zerstört, der verliert im Namen des Islamsdas Recht, Mitglied unserer Glaubensgemeinschaft zu sein“.

Wir Muslime verwahren uns dagegen, dass in unserem Namen, im Namen unserer Religion der Barmherzigkeit, Unmenschlichkeit und Gewalt herrschen. Keine Regierung, keine Armee, keine Sicherheitskräfte, keine Miliz, keine Gruppe, kein geistlicher und kein weltlicher Richter und kein gläubiger Muslim hat das Recht im Namen des Islams, die Gewalt der Waffen an die Stelle der Macht des Rechts zu setzen, um Unrecht auszuüben und die Menschen zu entwürdigen.

Wir Muslime erklären entschieden und für jedermann klar und verständlich, wir akzeptieren keine Aggression und Destruktion in unserem Namen, weder mit der Rechtfertigung durch Fortschritt, noch mit der Rechtfertigung durch Demokratie, noch mit der Rechtfertigung durch Menschenrechte und schon gar nicht mit der Rechtfertigung durch Freiheit.

Nichts ist so verwerflich, wie Unterdrückung im Namen der Freiheit und Entwürdigung im Namen der Würde.

Denn der Koran gebietet für uns Muslime in absolut verbindlicher Satzung:

„Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer einenMenschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.“ (Koran 5:32)

Der Koran sagt ausdrücklich nicht, wer einen Muslim tötet, nein, ganz im Gegenteil, klar und verständlich, wer einen Menschen tötet. Das ist ein universelles Gesetz der Menschlichkeit und schützt alle Menschen der Welt. Es ist ein Gebot der existentiellen Solidarität und weltweiten Empathie.

Die nachfolgenden Worte darf ich nun wieder an alle richten, die mit uns Ramadan feiern. Der gesegnete Monat Ramadan gehört nicht nur uns Muslimen. Der Monat der Spiritualität ist ein Geschenk an die Menschheit.

Es ist die Zeit der Besinnung, um in Frieden mit sich selbst, mit der Familie, den Freunden, den Nachbaren, den Muslimen, unseren Schwesterreligionen Judentum und Christentum und den Andersgläubigen, sowie mit allen Menschen, die den Frieden ehren – sich verbunden zu fühlen – und Gott für das herrlichste Geschenk des Lebens- den Frieden – zu danken, denn nur im Zustand des Friedens erfahren wir die innere Sicherheit, das Leben und die Welt als Einheit zu erleben.

Der Friede sei mit Euch und die Gnade Gottes und Sein Segen.

As-salâmu aleikum wa rahmatullâh(i) wa barakâtuh(u).

Farhad Afshar,
KIOS – Koordination Islamischer Organisationen Schweiz

-Interlakenstrasse79, 3705 Faulensee
Tel. 041 33 6542842, 078 830 82 80
KIOS@bluewin.ch
Grussbotschaft zum Ramadan,  anlässlich des gemeinsamen Eftars der BMK –
Basler Muslimkommission, mit dem IRF – Interreligiöses Forum Basel
Klybeckstrasse 1b, 4057 Basel
Basel, den 06.07.2014

 

WAS ist POLITISCHER ISLAM?

WAS ist POLITISCHER ISLAM?

Eine Frage von Schweizern an die Muslime. Eine Frage, welche offenbar die Gesellschaften interessiert.

Nicht leicht zu beantworten ist sie überdies, gilt es doch als allgemeines Wissensgut:
„Der Islam trennt nicht Religion von Politik“. Also kann es eigentlich nur politischen Islam geben, oder nicht?

An dieser Stelle soll nun dieser Frage aus muslimischer Sicht, aber auch aus der Sicht jener nachgegangen werden, die als Nichtmuslime herrlich definieren, was unter „politischem Islam“ zu verstehen sei.

Beginnen wir mit einer Recherche im Netz: http://hpd.de/node/6849

Ein Buch, ein Titel: Handlungsstrategien des politischen Islamismus.

Der Sammelband, „Politischer Islam im Vorderen Orient. Zwischen Sozialbewegung, Opposition und Widerstand“ enthält allgemeine Analysen und Länderstudien zur Entwicklung des Islamismus.
Ohne lange auf Einzelheiten einzugehen, wird sofort klar und ersichtlich, WIE gedacht, WIE publiziert wird:

„Politischer Islam entwickelt den ISLAMISMUS.“
Man spricht über „politischen Islam“ und meint „Islamismus„. Man spricht über Islamismus und meint Islam (politisch oder nicht – aber eigentlich schon …).

Weiter im Zitat:

Islamisten sind nicht als Akteure sui generis zu begreifen; vielmehr sind sie rationale Akteure, die zwar ihren ideologischen Bezugspunkt in der Religion des Islam finden, unter anderen Aspekten aber durchaus mit ideologisch anders ausgerichteten Gruppen vergleichbar sind.“ „Dies gilt insbesondere für die Deutung des Islamismus als soziale Bewegung, die sich sowohl gegen autoritäre Herrschaft wie gesellschaftliche Probleme richtet.“

Hier bekommen wir das nächste Stichwort, „ideologisch„.

Nicht finden die Islamisten ihren theologischen Bezugspunkt in der Religion, sondern ihren ideologischen. Weiterlesen

GSIW Newsletter Nr. 91 – Juli 2014

GSIW NEWSLETTER 91

Inhalt
Hier der Link zur  PDF  Ausgabe Juli 2014:
http://www.gsiw.ch/newsletter91-07-14.pdf

Hier der Link zur HTML Ausgabe Juli 2014:
http://www.gsiw.ch/newsletter91-07-14.htm
POLITIK & RELIGION
– Autor kommt dran, der Verleger davon
– Keine Eile beim Thema Muslime
– CVP scheut Diskussion um Islam
– Salafistenszene
– Rassismusbericht 2013

 

VERANSTALTUNGEN
– Film OMAR (Kritik)
– Neuer Skandalfilm als „Sira“ getarnt
– „Respekt“ Iftar mit NCBI
– IMAN Zentrum VOLKETSWIL
Veranstaltungen
– UNI LUZERN
-Fastenbrechen f. Frauen in Winterthur
– Swiss Muslim Events
– islam.ch
 ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN
– Ein schräges NZZ Interview
– Die Schule sollte nicht immer nachgeben
– Islam & Schule – zw. 2 Welten
– Nach dem Kindergartenentscheid
– Jüdischer Vertreter für islam. Chinski
– Möglichst unsichtbar
– In Sachen Grabfeld herrscht Funkstille
– Steiniger Weg f. Vorzeigemoschee
– Islamanerkennung in Luzern
– Kopftuchdiskussion vertagt
 ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN
– Stadt übernimmt Zinsen f. Kredit
– Kopftuchdiskussion ist populistisch
– Wenn Politiker nichts tun …
– Im Herzen des Islam
– Sektenfachleute erhalten neue Fragen
– Vorsicht: Islam Emanzen
– Schwinigs in Würsten für Muslime
– Ab wann ist Rassismus ein Justizfall?
– Nur das Gespräch baut Vorurteile ab
IN eigener SACHE
– Iftar Finder
– MONDSICHTUNG 2014/1435
Umfassende Information

 Muslime und GSIW Mitglieder schreiben
– Die schönsten Namen Allahs
– Neue Beiträge unter http://www.islamheute.ch