Archiv für den Monat März 2021

EINE Religion und VIELE Beziehungen

EINE Religion und VIELE Beziehungen
Ägyptische Gesellschaft für Spirituelle und Kulturelle Forschung

Übersetzung und leicht überarbeitet von Muhammad M. Hanel 1/2012
Qur’anzitate nach Muhammad ASAD (Übersetzung M.M. Hanel)
Die Bedeutung des Islams über das Verhalten der Muslime erklärt

Zum gesamter Text in PDF mit weiter erklärenden Fußnoten



Es ist offenkundig, dass das Wort „Islam“, wie es im Qur’an gebraucht wird, eine
Beschreibung des „Weges“ oder der „Methodik“ ist, welcher die Propheten folgten. Islam offenbart sich durch das Benehmen, die Haltung und den Glauben jener, welche im Qur’an Muslime genannt werden. In jedem Gebrauch des Wortes „Muslim“ in Bezug auf die Propheten und ihre Anhänger gibt es eine sprachliche, semantische Dimension,
welche die verschiedenen Aspekte offenbart, was es bedeutet, ein Muslim zu sein.
Sich bereit zu machen, das Wohlgefallen, die Gnade Allahs zu erlangen (- das
vornehmste und erste Ziel des Muslims):

Durch die aufrichtige Bemühung, nach der Wahrheit zu suchen, ist der Muslim (er/sie)
jener, der sich für das Erlangen göttlichen Wohlgefallens und den Empfang Allahs Gnade bereit macht. Die größte aller Gnaden ist die Erkenntnis des ein und einzigen Ursprungs von Allem und die Öffnung für die Rechtleitung Allahs von innen heraus. Dies ist der Weg, über den Abraham (r.a.) die Ein- und Einzigkeit (Tauhid) Gottes erkannte und er nannte diese Erkenntnis, Gott gegebenes „Wissen“. Abraham (r.a.) wird im Qur’an mit folgendem Ausspruch zitiert:

19: 43
„O mein Vater! Wisse, tatsächlich ist zu mir [ein Strahl von] Wissen gekommen, wie es dir bislang noch nie geschehen ist: also, folge mir; ich werde dich auf einen vollkommenen Weg führen.“


Dieses Wissen war Gottes Gnade an alle Propheten. Der Prophet Muhammad (fsai)
machte klar, dass der Mensch ununterbrochen die Gnade Gottes suchen sollte. Als ein
Vorbild der Muslime sagt er:

20: 114
„O mein Erhalter, lass mich an Wissen wachsen!“


Immer und immer wieder finden wir, dass dieses Wissen, welches im Qur’an gespiegelt
wird, die verschiedensten äußeren Formen annimmt. Moses (Friede und Segen auf ihm) wurde von Allah befohlen, Seine Unterstützung über übernatürliche Zeichen zu belegen.
Salomon (Friede und Segen auf ihm) erlernte die Sprache der Vögel und Josef (Friede und Segen auf ihm) verstand die Traumdeutung. Allahs Gnade gegenüber Abraham bestand darin, dass ihm die, in den Herzen innewohnende ursprüngliche Religion offenbart wurde.
Dies ist der Vers, in welchem der erhabene Qur’an Abraham (Friede und Segen auf ihm)
einen Muslim und nicht einen Juden oder Christen nennt,

20: 78
„Und strengt euch hart an in der Sache Gottes, mit solcher Anstrengung, welche Ihm
zukommt; Er ist es, der euch erwählt hat [Seine Botschaft zu überbringen], und hat
euch keine Erschwernis auferlegt [was die Religion betrifft] [und euch] im Glauben eures Vorfahren Abrahams [folgen ließ]. Es ist Er, der euch in vergangener Zeit, wie
auch in dieser [göttlichen Schrift] „jene, welche sich selbst Gott unterworfen haben“
genannt hat, damit der Gesandte die Wahrheit vor euch bezeugen möge, und damit ihr
sie vor aller Menschheit bezeugen möget. Daher, seid dem Gebet treu und gebt eure
reinigende Abgabe, und haltet fest zu Gott. Er ist euer Höchster Herr; und wie großartig
ist dieser Höchste Herr, und wie vortrefflich dieser Hilfe Leistende!)


und dieser Vers, der als Antwort auf ein Streitgespräch offenbart wurde, welches
zwischen Juden und Christen (den Völkern der Schrift):

3: 65
„O BEFOLGER früherer Offenbarung! Warum streitet ihr über Abraham, obwohl ihr seht, dass die Thora und das Evangelium nicht anders als [lange] nach ihm offenbart wurden? Wollt ihr also nicht euren Verstand gebrauchen?


Diese Frage, die ganz ans Ende des Verses gestellt wurde, zeigt, dass die Schriftvölker
etwas Wesentliches nicht erkannt haben. Nämlich, dass Abraham (Friede und Segen auf
ihm) sein Wissen nicht aus einem bestimmten geheiligten Buch bezogen hat; er empfing Eingebung, weil er sich für den Empfang von Gottes Gnade bereit gemacht hatte. Als er es nicht mehr zuließ, dass die trügerischen Ideen seiner Leute seine innere Suche belasteten, begann seine Einsicht seinen Weg zu erleuchten. Daher vermochte er zur uranfänglichen Wahrheit zu gelangen.

Natürlich demütigen diese Verse, welche Abraham (Friede und Segen auf ihm) dem Islam und nicht dem Juden- oder Christentum zuschreiben, weder Christen, Juden oder Muslime, noch vergleichen sie den Islam mit anderen Religionen. Sie betonen einfach die Tatsache, dass Abraham (Friede und Segen auf ihm) dem Islam als die ursprüngliche Religion zuzuordnen ist – also sollte er nicht nach einem Glauben benannt werden – etwas, das auch für alle anderen Propheten gilt.

Das Wissen, welches dem Josef (Friede und Segen auf ihm) gegeben wurde, war ein
anderes. Er verstand die Botschaften, welche in Träumen und Ereignissen eingeschrieben waren und die andere nicht erkennen konnten. Seine Fähigkeit, diese Botschaften zu entschlüsseln wurde ihm infolge seines rechtschaffenen Lebenswandels, welcher ihn ethische Werte und göttliche Lehren einhalten ließ, gegeben.

12: 22
„Und als er sein Mannesalter erreichte, bescherten Wir ihm die Fähigkeit [zwischen richtig und falsch] zu unterscheiden, wie auch [inneres] Wissen: denn so belohnen Wir die Gutes Tuenden.“


Joseph (Friede und Segen auf ihm) sprach:

12: 37
„… Seht, ich habe die Wege jener Leute hinter mir gelassen, die nicht an Gott glauben7
und die sich beharrlich weigern, die Wahrheit des kommenden Lebens anzunehmen;
Joseph (Friede und Segen auf ihm) erklärte sich:“


12: 38
„und ich folge dem Glauben meiner Vorfahren, Abraham, Isaak und Jakob. Es ist undenkbar, dass [es uns erlaubt wäre, dass] wir etwas neben Gott Göttlichkeit zuschreiben: dies ist [das Ergebnis von] Gottes Gnade an uns und an aller Menschheit doch die meisten Menschen sind undankbar.“


Salomons (Friede und Segen auf ihm) Wissen und seine Macht erstanden aus seinem
Sein als Muslim. Gott sagt im Qur’an:


27: 15
Wir gaben das Wissen dem David und dem Salomon und beide
sprachen: … „Alles Lob gehört Gott, der uns [dadurch] vor all Seinen gläubigen Dienern begünstigt hat!“


Salomon nahm diese Gnade Gottes an und rief die Königin von Sabaa auf, an Allah zu
glauben, der ihm solches Wissen gegeben hatte. Er sprach:

27: 24
Und ich fand heraus, dass sie und ihr Volk die Sonne anstelle Gottes anbeten; und Satan hat ihnen ihr Vorgehen gut erscheinen lassen und sie [derart] vom Wege [Gottes] abgeriegelt, sodass sie den rechten Weg nicht finden können;“

Er konnte seine Aufgabe erfüllen und sie folgte seinem Weg und wurde Muslim:
Sie sprach:

27: 44
… „O mein Erhalter! Ich habe gegen mich selbst gesündigt [indem ich anderes als Dich
angebetet habe]; doch mit Salomon habe ich mich [nun] dem Erhalter aller Welten
ergeben!“


Sie hatte nämlich verstanden, dass es eine unsichtbare Macht gibt, die alle Dinge ordnet. Aufgrund dieser Erkenntnis unterwarf sie sich dieser Macht und ließ ihre früheren Illusionen zurück.

Respekt, Vernunft, Furchtlosigkeit und die Erkenntnis vollständiger Freiheit

Alle Propheten erweisen im Qur’an der Vernunft ihren Respekt, indem sie die
allgemeinen, überkommenen Traditionen zurückwiesen, welche doch nur die Vernunft
demütigen und Dogmen unziemlichen Respekt zollten. Wegen ihrer Beachtung der
Vernunft verweigerten sich die Propheten blinder Nachahmung. Sie waren nicht wie die
Menschen ihrer Zeit, die zu sagen pflegten:

43: 22
… „Siehe, wir fanden unsere Vorfahren mit dem übereinstimmen, woran wir glauben –
und, wahrlich, in ihren Fußspuren finden wir unser Rechtleitung!“


Propheten hatten erkannt, dass alle spirituelle Freiheit nur in der Gottesergebung zu
finden ist und nicht in der Hingabe an irgendein, von Menschen fabriziertes Dogma. Ihre Weigerung falsche Gottheiten zu verehren, war das Ergebnis ihrer Suche nach spiritueller Freiheit und ihres Gewahrseins, dass dem Menschen diese Freiheit vorenthalten wird, wenn er etwas oder jemandem Göttlichkeit zuschreibt, was nicht wirklich Gott ist. Sie waren sich völlig bewusst, dass ein Götze nicht nur eine Sache der äußerlichen Praxis ist; er verkörpert eine innerliche Starrheit und einen innerlichen Stillstand, welche es der Fähigkeit des Menschen verwehren, spirituell frei zu sein. Diese Haltung hält die Seele in Illusionen gefangen, welche durch die begrenzte Existenz geschaffen werden. Aus dieser Perspektive, so lesen wir im Qur’an, sprach Abraham (Friede und Segen auf ihm) zu seinem Vater:

6: 74
… „Akzeptierst du Götzen als Götter? Wahrlich, ich sehe, dass du und deine Leute wirklich in die Irre gegangen sind!“

19: 42
… „O mein Vater! Warum betest du etwas an, das weder hört, noch sieht und dir in
keiner Weise nützlich sein kann?


Auch Joseph (Friede und Segen auf ihm) sagte:

12: 40
„All das, was ihr anstelle Gottes anbetet, ist nichts als [leere] Namen, die ihr erfunden
habt – ihr und eure Vorfahren – [und] wofür Gott keinerlei Ermächtigung herabgesandt
hat. … „

Abraham (Friede und Segen auf ihm) ist nicht durch die Androhung seines Vaters, ihn für die Beleidigung seines Glaubens und seiner Praktiken zu betrafen, verängstigt. Als ihm sein Vater droht:

19: 46
… „Magst du meine Götter nicht, O Abraham? Wenn du damit nicht aufhörst, werde ich
dich ganz gewiss zu Tode steinigen lassen! Nun hinfort mit dir von mir, für immer!“


antwortet er ihm nur:

19: 47-48
„Friede sei mit dir! Ich werde meinen Erhalter bitten, dir zu vergeben; denn, wisse, Er
war stets freundlich zu mir. Doch ich werde mich von dir zurückziehen und von allem, was immer du anstelle Gottes anrufst und werde meinen Erhalter [alleine] anrufen: es kann gut sein, dass mein Gebet [für dich] von meinem Erhalter nicht unbeantwortet bleibt.“


Auch die Zauberer des Pharao sind im Qur’an ein Beispiel für das Muslimsein. Sie folgten dem Moses (Friede und Segen auf ihm), als sie erkannten, dass es eine höhere Macht gibt, welche die sichtbaren und unsichtbaren Dinge in allen Bereichen des Lebens ordnet.
Sie wusste aufgrund ihrer eigenen Erfahrung und Fertigkeiten, dass Moses (Friede und
Segen auf ihm) keine Zauberkunsttücke vorführte, sondern dass sie der Manifestation
dieser unsichtbaren, allmächtigen Macht beiwohnten. Intuitiv entzündete sich der Glaube an Allah in ihren Herzen und die Macht des Pharao fürchteten sie nicht mehr, noch wechselten sie ihren Glauben unter der Bestrafung des Pharaos. Vollständig unterwarfen sie sich dem Willen Allahs. Diese Geschichte der Zauberer zeigt, wie verschieden doch die Menschen angesichts der selben Phänomene reagieren. Der Pharao und die Zauberer waren Zeugen der selben Vorkommnisse – doch er leugnete den Aspekt des Wunders daran, wohingegen sie die Botschaft Allahs völlig in ihre Herzen aufnahmen. Muslim zu sein, wie sie dies waren, bedeutet, dass ein Mensch nichts mehr fürchtet und völlige Freiheit erfährt. Die Unterwerfung unter Gottes Willen erfüllt den Menschen mit Entschlossenheit. Als Moses (Friede und Segen auf ihm) zu seinen Leuten sprach, hob er diesen Aspekt hervor; er wollte, dass sie Mut genug schöpften, um dem Tyrannen mit Glauben und Zuversicht entgegenzutreten. Als sie unsicher waren und nicht wussten was zu tun war, weil sie die Macht des Pharao fürchteten, der sprach:

7: 127
… „Wir werden ihre Söhne in Massen erschlagen und [nur] ihre Frauen verschonen: denn, wahrlich, wir haben die Gewalt über sie!“


Ermahnte sie Moses (Friede und Segen auf ihm) ihr Vertrauen alleine in Allah zu setzen:

7: 128
… „Wendet euch an Gott um Hilfe, und habt Geduld im Ungemach. Wahrlich, die ganze
Welt gehört Gott: Er gibt sie als Erbe – an welche Seiner Diener Er will; und die Zukunft
gehört jenen, die Gottes eingedenk sind!“

Den Glauben zu verteidigen und das Wort der Wahrheit zu unterstützen

Gemäß Qur’an ist ein Muslim jener, der genug innere Kraft hat, jemandes Glauben
nachhaltig zu stärken. Beispiel dafür sind die Jünger Jesu (Friede und Segen auf ihm). Eine Sache stand im Zentrum des Aufrufs Jesu. Er rief die Menschen auf, dem rechtschaffenen Weg zu folgen und nur wenige folgten ihm. Dies waren die Schüler, die sich selbst Muslime nannten:

3: 52
„Und als Jesus ihrer Weigerung gewahr wurde, die Wahrheit zu bekennen, fragte er: „Welche werden meine Helfer in der Sache Gottes sein?“, antworteten die in
weiß Gekleideten: „Wir werden [deine] Helfer [in der Sache] Gottes sein! Wir glauben
an Gott: und bezeuge du, dass wir uns Ihm ergeben haben!


und doch wies die Mehrheit seinen Aufruf zurück. Im Falle der Jünger Jesu verlangte ihr Muslimsein ihre Selbstverantwortlichkeit in der Unterstützung der Botschaft Jesu. Muslim zu sein bedeutet, jemandes Glauben zu verteidigen und das Wort der Wahrheit zu unterstützen. An anderer Stelle lesen wir im Qur’an:

5: 111
„UND [erinnere dich daran] als Ich den Weißgekleideten durch Inspiration eingab:
„Glaubt an Mich und an Meinen Gesandten!“ Sie antworteten: „Wir glauben; und Du
bezeuge, dass wir uns [Dir] ergeben haben.““


Wir begreifen, dass das Muslimsein jemanden bereit dafür macht, durch Allah über
Eingebung oder viele andere Möglichkeiten unterstützt zu werden.
Der Qur’an macht klar, dass alle Propheten und in Allah Ergebenen starke Beispiele in der Verteidigung des Glaubens waren:

3: 146
„Und manch einer der Propheten, dem viele Gott ergebenen Männer folgten, hatte [in der Sache Gottes] zu kämpfen: und sie verzagten nicht auf Grund dessen, was sie in der
Sache Gottes zu erleiden hatten, noch ermüdeten sie, noch erniedrigten sie sich [vor
dem Feind], denn Gott liebt jene, die im Unglück standhaft bleiben;

Keine Entlohnung von den Menschen zu erwarten, noch sich in Gefälligkeit zu
ergehen; ein Muslim beschäftigt sich nur mit Allah


Noah (Friede und Segen auf ihm) ist im Qur’an ein Beispiel eines Muslims, da er keinerlei Belohnung von seinen Leuten erwartete, noch kümmerte er sich darum, ihnen zu gefallen. Seine größte Aufmerksamkeit widmete er dem Befolgen des rechten Weges und so wurde er geleitet, ein Muslim zu sein und deshalb wurde er errettet.

10: 73
„Und dennoch bezichtigten sie ihn der Lüge! Und so erretteten Wir ihn und alle, die zu ihm standen in der Arche, und machten sie zu Erben [der Erde], wohingegen Wir jene,
welche Unsere Botschaften eine Lüge nannten, ertrinken ließen: seht also, was am
Ende jenen Leuten geschah, die [vergeblich] gewarnt worden waren!“


Der Qur’an offenbart, dass alle Propheten, wenn sie ihr Volk auf den rechten Weg riefen, durch die Liebe und Barmherzigkeit motiviert waren und nach keinerlei persönlichen Lohn verlangten. Die Propheten Noah (Friede und Segen auf ihm), Hud (Friede und Segen auf ihm), Salih (Friede und Segen auf ihm), Lot (Friede und Segen auf ihm) und Shu’aib (Friede und Segen auf ihm) sprachen:

26: 109
Und keinerlei Lohn verlange ich von euch dafür; denn mein Lohn liegt bei niemand
anders als beim Erhalter der Welten.“
(HQ: 26: 127, 145, 164, 180)

Und so war es auch an Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm), unter göttlicher Anleitung zu sprechen:

25: 57
… „Dafür verlange ich keinen Lohn von euch [- keinen Lohn] außer den, dass der, der so
will, seinen Weg zu seinem Erhalter finden möge!“

Irdische Gesetze respektieren und um göttliche Unterstützung beten

Sich Allah zu ergeben (ein Muslim zu sein), verlangt nach ständigem Gebet um Allahs
Unterstützung, vereint mit jeder möglichen Bemühung, die eigenen Ziele zu erreichen.
Das ist ein gemeinsames Merkmal aller Propheten.
Noah (Friede und Segen auf ihm) baute die Arche, da er erkannte, dass dies der Weg
war, seine Leute vor der Flut zu retten. Moses (Friede und Segen auf ihm) ging zum
Pharao und sprach zu ihm, gebrauchte Logik und das Wort, um ihn zu überzeugen die
Kinder Israels freizulassen, damit sie Ägypten verlassen könnten. Und zur gleichen Zeit
bat er Allah um Unterstützung und wollte dem Pharao nicht entgegentreten, solange
Allah ihm nicht versprach, mit ihm und seinem Bruder zu sein, sie beide zu behüten und zu beschützen.
Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) ertrug Demütigung und Widerstand in Mekka. Er verließ sich nicht auf Wunder, die ihn und seine Anhänger
erretten sollten, sondern bemühte vielmehr menschliche Fähigkeiten um die Menschen zu erreichen und ihr Bewusstsein zu erwecken. Als er auswanderte, gebrauchte er ebenfalls seinen Verstand, denn der wusste von der Absicht der quraischitischen Führung, ihn zu ermorden.

Der erhabene Qur’an zeigt klar und deutlich, wie Joseph (Friede und Segen auf ihm) die
irdischen Gesetze achtete und gleichzeitig um die Unterstützung Gottes betete. Als ihm
der Pharao Ägyptens die Verantwortung übergab, sich um die erwarteten ökonomischen Probleme zu kümmern, teilte er dem Pharao mit, dass er diese Probleme auf solider praktischer Grundlage zu lösen gedachte:
Er sprach:

12: 55
… „Gib des Landes Lagerhaus in meine Obhut; siehe, ich werde ein guter und wissender
Verwalter sein.“


Gleichzeitig brachte Joseph (Friede und Segen auf ihm) seine Gottesergebenheit zum
Ausdruck und seine Gewahrsam, dass er nur durch Seine Unterstützung auf dem
rechten Weg zu wandeln vermöge. Er sprach:

12: 101
„O mein Erhalter! Du hast mir wahrlich etwas an Macht gewährt, und mir einiges vom
Wissen der inneren Bedeutung der Geschehnisse eingegeben. Urheber der Himmel und
der Erde! Du bist mir nahe in dieser Welt und im nächsten Leben: lass mich sterben als
einer, der sich Dir selbst ergeben hat, und vereine mich mit den Rechtschaffenen!“

Der erhabene Qur’an verdeutlicht auch einen Weg, sich Allah zu ergeben: Muslim zu sein bedeutet, sich aller Eigenschaften und Tugenden zu befleißigen, welche Allah einem verliehen hat, um alle Lebensaspekte zu bereichern, zu verbessern und zu verschönern.
Erst dann, wenn der Mensch alle seine Fähigkeiten wirklich zum Einsatz bringt, wird er in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz leben. Daher werden im Qur’an die
Anhänger des Prophet Salomons (Friede und Segen auf ihm) für ihre diesbezüglichen
Fortschritte gelobt:

34: 13
„… sie fertigten für ihn, was immer er an Heiligtümern wünschte, und Statuen, und Becken wie [große] Teiche – Tröge und fest verankerte Kessel. [Und Wir sprachen:] „Arbeitet, O Volk Davids, in Dankbarkeit [Mir gegenüber] – und [denkt daran,] nur wenige [sogar] unter Meinen Dienern sind die wahrhaft Dankbaren!“


Die Leitlinie, irdische Gesetze zu respektieren und parallel Gottes Unterstützung zu
erbitten, wird im Qur’an auf verschiedenen Ebenen erwähnt – indem die Völker zur Arbeit gerufen werden, Wissen zu erwerben und nach den Geheimnissen der Schöpfung zu forschen.

DANKBARKEIT im ISLAM

Wer RICHTIGE Antworten auf Fragen zum Islam und zu bestimmtem Verhalten von bestimmten Muslimen sucht, sucht am Besten ZUERST im QUR’AN al Karim:

Das WORT „DANK“, „(UN)DANKBAR“ und „DANKBARKEIT“
im QUR‘AN

Hier eine Zusammenstellung:
http://www.gsiw.ch/Dankbarkeit.pdf

Quelle:
Muhammad ASAD’s Koranübersetzung (Hanel’s eigene Übersetzung)


TOLERANZ im ISLAM

ISLAM und TOLERANZ

Der Islam ist eine Weltreligion und wendet sich mit seiner Botschaft – zu der die Aufforderung zu einer universalen Toleranz gehört – an die gesamte Menschheit. Diese bedarf heute, wie nie zuvor, weil alle Kulturen näher zusammenrücken, einer Anleitung zur Toleranz.

Ziel des ISLAM ist die Erziehung seiner Anhänger zu Weltbürgern, das heißt zu einem toleranten, aufgeschlossenen Denken und verantwortungsbewußten Handeln.

Nach der Lehre des ISLAMS sind wir für die Erde, auf der wir leben verantwortlich. Wir haben sie als Schöpfung Gottes mit Respekt und Liebe verantwortungsvoll zu verwalten und zu schützen und sind zu diesem Zweck als Stellvertreter Gottes auf dieser Erde eingesetzt. Anstatt „auf der Erde Unheil anzurichten und Blut zu vergießen“, so sagt der Qur’an, sollte der Mensch sich auf seine eigentliche Aufgabe besinnen, die er dank der ihm verliehenen Vernunft, wenn er sich nur wirklich darum bemüht, erfüllen kann. Daher apelliert der Qur’an immer wieder an die Vernunft des Menschen und fordert ihn auf, seine Freiheit zu betätigen, da Gott an einem automatischen Gehorsam, der zu einem schöpferischen Handeln unfähig macht, nichts gelegen ist. Der Mensch sollte seine begrenzte Freiheit nicht verschwenden, sondern sie durch Selbstbildung, d.h. durch selbständig vernünftige Überlegung und Handlung zu einer schöpferischen Freiheit erweitern.

Selbstbildung befähigt ihn zur Toleranz und zu einer richtigen Einschätzung seiner Möglichkeiten.

Das Bewußtsein andererseits der eigenen Fehlbarkeit, zusammen mit dem Bewußtsein zur Verantwortlichkeit, in der ja die menschliche Würde besteht, ermöglicht ein großzügiges und tolerantes Verhalten den Mitmenschen gegenüber, mit denen uns die mitmenschliche Solidarität verbinden sollte.

Toleranz besteht in der freien Anerkennung von Freiheit und Würde jedes Menschen, sofern er kein Unrecht begeht. Wenn wir im Bewußtsein unserer Fehlbarkeit nicht sicher sein können, absolut im Recht zu sein und die volle Wahrheit zu besitzen, dann haben wir uns prinzipiell jedem Mitmenschen gegenüber, egal welcher Rasse, Religion, Kultur, Ideologie er zugehört – tolerant zu verhalten.

Eine solche Einstellung ist unter anderem schon deswegen gefordert, weil alle diese Gruppenzugehörigkeiten doch nicht oder nur sehr selten von einem selbst ausgewählt wurden. Das ist universale Toleranz, welche der ISLAM nicht nur als eine der Bedingungen, des für die menschliche Gemeinschaft notwendigen Friedens lehrt, sondern auch als eine gerechte Verhaltensweise, welche die durch den Schöpfer gewollte Vielfalt aller Kreatur, wie auch die einmalige Individualität eines jeden Menschen anerkennt und respektiert. Die Verschiedenheit der menschlichen Gruppierungen darf uns nicht davon abhalten, sie näher kennen zu lernen und ihnen nötige Toleranz zu gewähren – denn sonst können wir ja unsere Aufgabe als stellvertretende Regenten auf dieser Erde nicht erfüllen. Ja, darüber hinaus gesehen ist es gerade diese Verschiedenheit der anderen Gruppierungen der Menschen, die uns die Erfüllung unserer humanen Aufgabe ermöglicht. Denn durch die Anstrengungen, die erforderlich sind, die anderen zu verstehen, wozu aber auch eine echte Verwurzelung in der eigenen Kultur gehört, nicht zuletzt durch die zu übende Toleranz ihnen gegenüber, erhalten wir die Chance zur Selbstbildung, ohne die ein selbstverantwortliches Verhalten und Handeln nicht möglich ist.

Der Qur’an sagt hierzu:

„O ihr Menschen, Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen und euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander kennenlernt. Wahrlich, vor Gott ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste, der Frömmste, der Gerechteste ist….“ [49:13]

Wegen dieser Notwendigkeit, daß die Menschen, ungeachtet ihrer Verschiedenheit und darüber hinaus, gerade ihretwegen einander kennenlernen, hat der ISLAM – übrigens als erste von allen Religionen – zu einem unparteiischen Religionsdialog aufgerufen und sagt darüber:

„Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite (d.h. disputiere) mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß besser, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt jene besser, die der Rechtleitung folgen“ .[16:125]

Das Urteil über unsere Mitmenschen sollten wir also besser Gott überlassen. Statt dessen sollten wir uns um ein gerechtes und tolerantes Verhalten ihnen gegenüber bemühen. Es geht bei der Religion um unsere Taten, die wir zu verantworten haben. Daher heißt es auch in einer anderen Qur’anstelle:

„… und mir ist befohlen worden, Gerechtigkeit unter euch zu üben. Gott ist unser Herr und euer Herr. Wir haben unsere Werke und ihr habt eure Werke (zu verantworten)! Es gibt keinen Streitgrund zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenbringen, und zu Ihm führt der Lebensweg.“[42:15]

Damit kommen wir zu der Frage nach Toleranz im engeren Sinne, d.h. der religiösen Toleranz. Sie gehört zu den religiösen Geboten im ISLAM, denn alle Offenbarungsreligionen gelten nach der islamischen Lehre prinzipiell als gültige Wege zu Gott. Daher müssen die Muslime auch sämtliche Propheten Gottes, die seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte von Zeit zu Zeit aufgetreten sind, wie z.B. auch MOSES und JESUS in gleicher Weise respektieren. Konsequenterweise hat daher der Prophet MOHAMMAD von Anfang an die Sache der Religionstoleranz und Glaubensfreiheit, d.h. einen Religions- und Kulturpluralismus vertreten, wie in der Geschichte nachgelesen werden kann. Ihm folgten die Kalifen, vor allem der Kalif Omar, die großzügige Religionstoleranz des Sultans Salahuddin ist ihnen aus der Geschichte wohl bekannt.

In den obigen Erläuterungen habe ich versucht klar zu machen, in wie fern aktive Toleranz als universale, sowie als religiöse Toleranz zu den Zielen der richtig verstandenen islamischen Erziehung gehört.

Es sind hierbei auch die Grenzen der Toleranz klar geworden. Sie liegen ja überall da, wo sie sich in ihr Gegenteil verkehrt, wo sie nicht mehr ein gerechtes Verhalten bedeutet, wo also die allgemeinen Menschenrechte, seien es die eigenen oder die der Mitmenschen verletzt werden. Denn nur durch den persönlichen Einsatz können diese Rechte verteidigt werden, da ihre Verteidigung durch die Gesetze des Staates, die natürlich ebenfalls nötig sind, nicht genügt. Daher heißt es in einem Ausspruch des Propheten MOHAMMAD:

„Wer von euch etwas Übles sieht, soll dies mit seiner Hand ändern, wer das nicht kann, dann mit seiner Zunge, wenn er das nicht kann, dann mit seinem Herzen, dies letzte ist allerdings die schwächste Form des Glaubens.“

Es gibt keine Toleranz der Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit gegenüber.

Zum Schluß der Erörterungen möchte ich Ihnen eine typische Begebenheit aus der alten islamischen Geschichte berichten, weil hier ein gutes Beispiel für die islamische aktive Toleranz gegeben ist. Es handelt sich hierbei um ein alltägliches Ereignis aus dem Leben des zweiten Kalifen Omar.

Er sah eines Tages einen alten Mann auf der Straße betteln und erfuhr, daß er ein Jude sei. Der Kalif bedauerte das Schicksal des alten Mannes und sagte, daß so etwas in seinem Staate nicht passieren dürfe. Er ordnete deswegen an, daß diesem alten Juden vom Staat eine Pension gegeben werden müsse, welche ihm auf seine alten Tage ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.

Vom gleichen Kalifen Omar ist der bekannte Ausspruch überliefert: „Warum wird der Mensch immer wieder versklavt, obwohl er doch von seiner Mutter frei geboren wurde.“

Hier liegt islamisch betrachtet, die immer wieder zu unternehmende menschliche Aufgabe, für die Freiheit des Menschen zu kämpfen – und zwar mit gemeinschaftlicher mitmenschlicher Solidarität, zu welcher unablösbar die universale und religiöse Toleranz gehört.

25.9.1999

ZAKZOUK (Verfasser), Minister für religiöse Angelegenheiten (Awkaf) der Arabischen Republik Ägypten
Quelle: http://www.islamheute.ch/isltoleranz.html

MENSCH – TECHNIK – ZUKUNFT

Ein Vortrag aus der Vergangenheit, vor 20 Jahren – reread if you wish


Audhu billahi minash shaytani rajim – Bismillahir Rahmanir RahimMeine ganze Zuflucht nehme ich bei dem Allmächtigen GOTT vor dem verworfenen Üblen.

Im Namen Gottes, des Allerbarmers und jedem Gnädigen. Gepriesen sei Gott, der Herr der Welten!

Und der Segen Gottes sei auf all Seinen vorzüglichen Dienern und deren Gefährten!

 MENSCH – TECHNIK – ZUKUNFT

Verfasser: Muhammad Michael HANEL; Linz 2001

Der MENSCH

Im Qur’an, der Offenbarungsschrift der Muslime kommt der Begriff „Mensch“ oder „Menschen“ 359 mal vor;, wenn ich richtig gezählt habe.

Als Abriss einer – sozusagen – islamischen Anthropologie, sollen im folgenden die menschlichen Eigenschaften, wie sie im Qur’an definiert sind kurz vorgestellt werden.

Der Mensch wurde von Gott – Allah – aus ursprünglich einem einzigen Wesen, aus Erde und im weiteren aus Wasser und einem Samentropfen in bester Form erschaffen. Daher ist es auch die grundsätzliche verpflichtend gemachte Bestimmung des Menschen Gott zu verherrlichen, nur IHN alleine anzubeten und Ihm zu dienen. Die Menschheit wurde als Paar erschaffen und die Menschen sind von einander abhängig und bedürfen einander – daher hat der Schöpfer die Liebe zwischen die Menschen gesetzt – dies als eines der Zeichen Seiner Macht und Einheit. Mann und Frau sind grundsätzlich ebenbürtig und ergänzen einander quasi komplementär.

Daher sollen die Menschen einander lieben, aber nicht fürchten – Gott aber sollen sie lieben und fürchten.

Gleichwohl er in bester Form erschaffen ist, wurde der Mensch jedoch schwach erschaffen und wird ständig geprüft und ist aufgerufen, diese Schwäche zu erkennen und durch aufrichtige Hingabe an Gott auszugleichen, der ihn durch Seine Rechtleitung von den Konsequenzen dieser natürlichen Schwäche errettet und die Erfolgreichen mit den unermesslichen Gnaden des Paradieses belohnt. Auch wenn der Mensch als eigenverantwortliches Individuum erschaffen wurde, ist er ein Wesen, welches über die Gemeinschaft definiert ist und mit welcher er in Schicksalsgemeinschaft verbunden und dieser auch friedensstiftend verpflichtet ist. Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit ist den Menschen untereinander verbindlich gemacht. Die Menschen sind gleich und unterscheiden sich voneinander nur im Ausmaß ihrer Frömmigkeit.

Hier geht es weiter: http://www.islamheute.ch/menschtechnik.htm