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LETZTE AUSGABE – GSIW newsletter

Sehr geehrte Leser des GSIW – Newsletters

NEWSLETTER 111 – März 2016    

Hier der Link zur  PDF  Ausgabe März 2016:   

http://www.gsiw.ch/newsletter111-03-16.pdf 

GSIW – NEWSLETTER ARCHIV                                                                               

GSIW –  FORUM                                                                                    

GSIW – HP   KONTAKT: m.hanel@gmail.com  

 

Diese Ausgabe des GSIW Newsletters wird bis auf weiteres die letzte sein. Der Autor ist nach beinahe 10-jährigem ununterbrochenem Engagement, diese monatliche Informationsschrift herauszugeben und aufgrund … – 60 Jahre und müde geworden …

Es bleibt noch zu sagen: Vielen Dank für Ihre Treue und Ihr Interesse.     

Das GSIW FORUM ist weiterhin offen und gerne können dort Kommentare zu den verschiedensten Themen verfasst oder Fragen geschrieben werden.

Auch auf meiner HOMEPAGE, ISLAMHEUTE als BLOG geführt, stehe ich weiterhin gerne zu Verfügung.


Mit besten Grüssen

M.M.HANEL
Vizepräsident GSIW
www.gsiw.ch
www.islamheute.ch

Eine PROFESSUR auf PROBE

Ein INTERVIEW von André Müller (NZZ) gegeben für VIOZ
von Muhammad HANEL

Sehr geehrter Herr Hanel

… wende ich mich mit meiner Anfrage an Sie:

In der heutigen Ausgabe unserer Zeitung machten wir bekannt, dass ab Herbst an der Universität Zürich eine Gastprofessur für Islamische Theologie eingerichtet wird. Für drei Jahre ist diese Professur privat finanziert und gesichert, übernehmen wird sie Abbas Poya, der momentan eine Forschungsgruppe an der Universität Erlangen leitet.

Die Professur soll die islamische Theologie in den Kontext europäischer Gesellschaften setzen. Es geht darum, dass der akademische Nachwuchs die interreligiöse Koexistenz zu verstehen lernt. Der Gastdozent wird auch für den Dialog mit der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen; auch wenn der Fokus nicht auf dem hiesigen Zusammenleben von muslimischen Zuwanderern und Alteingesessenen liegt.

Hier der LINK zum INTERVIEW und dessen VERÖFFENTLICHUNG

WEITERZUG EMPFOHLEN – Rekurs gegen Zürcher VG Entscheid gegen „AL HUDA“

VIOZ PRESSEMITTEILUNG

WEITERZIEHEN EMPFOHLEN

Die NZZ schrieb am 27.5.2015, resp. am 21.7.2015 in etwa, Zitat Anfang: „Das Zürcher Volksschulamt und der Regierungsrat haben zu Recht die Bewilligung für einen islamischen Kindergarten verweigert. Das Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde des Vereins «al Huda», der ein solches Projekt in Volketswil ZH realisieren wollte, abgelehnt.

Eine Privatschule müsse Gewähr bieten, dass die Schüler keinen pädagogischen und weltanschaulichen Einflüssen ausgesetzt würden, die den Zielen der Volksschule in grundlegender Weise zuwiderliefen, heisst es in dem am Dienstag im Internet publizierten Entscheid.

Es sei heikel, dass den Kindern nicht klar vermittelt werde, dass gewisse religiöse Vorstellungen etwa bezüglich Geschlechtsverkehr vor der Ehe oder Homosexualität nicht den heutigen Regeln der schweizerischen Gesellschaft entsprechen.“ Zitat Ende.

Dieses Urteil ist ein vernichtender Schlag gegen die Werte, welche in einem Land „christlich-jüdischer“ Tradition hochgehalten werden sollten; Werte, welche sich im Wesentlichen nicht von jenen unterscheiden, die in einem Land islamischer Tradition bestimmend sind.

WEITERLESEN unter: http://www.gsiw.ch/Weiterzug_al_Huda.pdf

KOMMENTAR:
Es ist wirklich interessant, dass diese Presseerklärung, trotz expliziter telefonischer Nachfrage eines NZZ Journalisten um eine Stellungnahme KEINE Erwähnung in den Medien gefunden hat.
WARUM?

Dschihad & Muslime – ein Radio Interview, das nicht on-air ging

Diese Anfrage vom SRF (Schweizer Rundfunk und Fernsehen) wurde beantwortet und doch ging das Interview nicht on-air.

Die Begründung:
Ich zog mein Einverständnis zurück, da nur ein einziger Satz gesendet worden wäre (siehe rote Kennzeichnung) und – das ist wesentlich – die die Wortwahl der Frage derart geändert wurde, dass meine Antwort einen Kontext untermauert hätte, den ich nicht mittrage(n kann, soll, darf und will).
Der 40 minütige Disput mit dem leitenden Redakteur, der unbedingt eine Freigabe erwirken wollte – blieb aus Gründen, de ich gerne in einem „MEDIENSEMINAR im Umgang mit MUSLIMEN“ für Journalisten erläutere … ein LEHRSTÜCK!

Es gibt zwei Varianten. Die ursprüngliche (ganz unten) und die verkürzte darüber.

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Guten Tag Herr Hanel

Wie besprochen sende ich Ihnen einige Fragen zur Problematik, dass offenbar verschiedentlich Jugendliche aus dem Raum Zürich in den Dschihad gereist sein sollen.

–       Wie steht die Vioz zum Dschihad, z.B. in Syrien im Allgemeinen?

Der Begriff Dschihad wird in seiner umfänglichen Bedeutung meist missverständlich und einseitig fokussiert gebraucht. Daher im Namen der VIOZ zur Erinnerung:

In erster Linie bezeichnet dieser Fachausdruck die Bemühung der Menschen ihre eigene Triebseele zu beherrschen – oder umgangssprachlich gesagt, den „inneren Schweinehund“ unter Kontrolle zu bringen.

Erst in zweiter Linie bezeichnet dieser Begriff eine kriegerische Auseinandersetzung.

Die VIOZ stellt hiermit erneut unmissverständlich klar, dass sie sogenannte „dschihadistische“ Ideologien und daraus resultierende Handlungen ganz allgemein und im Zusammenhang mit den Vorgängen in Syrien oder sonst wo auf der Welt grundsätzlich ablehnt.

Im Übrigen ist der Begriff im zeitgemäßen globalen politischen Kontext unter den muslimischen Gelehrten in Bezug auf die Gültigkeit seiner Umsetzung höchst umstritten.

–       Offenbar sollen Jugendliche gezielt für den Dschihad angeworben werden, zum Teil soll diese Anwerbung auch in Moscheen stattfinden: Ist Ihnen dieses Problem bekannt?

Junge Menschen für kriegerische Auseinandersetzungen in der Moschee anzuwerben ist in der Schweiz bestimmt kein Unternehmen, welches mit dem Wissen der Moscheeverantwortlichen durchgeführt wird, ohne sofort gestoppt und verboten zu werden.

Eine Moschee ist allerdings nicht nur ein Ort religiöser Erbauung, sondern auch öffentlicher sozialer Treffpunkt an welchem über alles, sozusagen über Gott und die Welt gesprochen wird. Dass auch in Moscheen, wie an sonst jedem anderen beliebigen Ort Kontakte mit höchst unterschiedlichen Motivationen geknüpft werden können, (kann, darf und) sollte von keiner vernünftigen Person negiert werden.

–       Die Moscheen sagen stets, sie wüssten nichts davon oder sie geben gar keine Auskunft, Imame oder andere Verantwortliche sind nicht erreichbar: Verschliessen sie da zu fest die Augen, bräuchte es ein Umdenken?

Es scheint wirklich so zu sein, dass die Medien über die aktuellen Vorfälle in der Schweiz früher und besser informiert sind, als die Muslime selbst. Eigentlich kein Wunder, da die Haltung der Imame, der Moscheevereinsführung und der VIOZ klar ist. Daher werden Personen, welche sich als Rekrutierer für ausländische Kriegs- oder terroristische Handlungen betätigen möchten, nicht augenfällig agieren.

Dass die Muslime sich vermehrt weigern, den Medien Auskünfte zu geben ist einfach erklärt. Die Medien beherrschen jedenfalls den kompetenteren Umgang mit der Sprache und üben zusätzlich durch ihr mehrheitlich selektives, willkürliches und verkürztes Zitieren ursprünglicher Aussagen ihre Macht gesellschaftlicher Beeinflussung auf eine Art und Richtung aus, welche die Muslime nicht zu unterstützen bereit sind.
(Nachträgliches Kommentar: ein Umstand, der sich gerade bei diesem Interview wieder bewahrheitet hat 😦 )0

Ein Umdenken muss tatsächlich stattfinden. Und zwar in der ganzen Gesellschaft – es geht also vielmehr um das ÖFFNEN der Augen jener Tatsache gegenüber, dass nicht die Muslime oder deren Moscheen die erste Ursache für höchst schädliche Entwicklungen und in das Zentrum der Beachtung medialer und somit gesellschaftlicher Verdächtigung und Verursachung gerückt werden. Die Thesen von Jürgen Todenhöfer (nachträglich eingefügt: und die These, dass die militärischen Drohnen über muslimischen Ländern die besten Rekrutierer für den „islamistischen Dschihad sind,) dürfen in diesem Zusammenhang studiert werden!

–       Von Fachstellen wird bemängelt, dass in den Moscheen keine Jugendarbeit gemacht wird, das wäre dringend nötig. In dieser Richtung gibt es tatsächlich noch kein Angebot?

Ja natürlich gibt es auf diesem Gebiet einen Mangel festzustellen und doch – die Muslime bemühen sich ständig, diesbezügliche Angebote zu entwickeln und umzusetzen – doch es mangelt den Muslimen einfach an jenen Ressourcen, welchen staatlichen oder kirchlichen Organisationen und Institutionen zu Verfügung stehen, um professionelle Jugendarbeit durchzuführen.

–       Wenn nicht, wurde in Sachen Jugendarbeit schon etwas angedacht?

 

–       Wenn ja, was konkret?

Hierbei sind vor allem die Bemühungen und Veranstaltungen der Jugendlichen selbst zu erwähnen, die natürlich ihre eigene Zukunft gerne positiv selbst gestalten möchten. Ich nenne nur beispielhaft die Veranstaltungen studentischer Organisationen wie den Freitagsclub, die MSAZ oder die der Ummah. Auch muslimische Dachverbände wie die VIOZ oder VAM und selbst einzelne Moscheevereine bemühen sich z.B. mit Lagern für Jugendliche oder Familien in dieser Hinsicht aktiv zu werden. Doch – ich wiederhole mich – es fehlt ganz einfach an den Ressourcen, um hier wirklich zeitgemäß agieren zu können.

– Bezüglich fehlender Ressourcen würde ich sie dann gerne noch fragen, was ihre Ideal-Vorstellungen sind, um zu mehr Ressourcen zu gelangen.

Dafür gibt es verschiedene Ansätze.

  • Die öffentlich rechtliche Anerkennung muslimischer Gemeinschaften,
  • die finanzielle Unterstützung für diesbezügliche muslimische Projekte
  • oder ganz allgemein – und dies ist meine persönliche Präferenz – die offene und finanziell gesicherte KOOPERATION also ZUSAMMENARBEIT entsprechender Fachstellen mit kompetenten Vertretern aus der muslimischen Gesellschaft.

Für meinen Beitrag über Jugendliche, die in den Dschihad reisen, spreche ich auch noch mit verschiedenen anderen Personen: Zum Beispiel mit 2 Fachstellen, die sich mit radikalisierten Jugendlichen befassen und mit einer Professorin, die in diesem Gebiet Forschungen betreibt. Gerne würde ich dazu auch die Sicht der VIOZ darstellen.

Über einen Anruf würde ich mich sehr freuen. Wie gesagt, sind wir beim Radio auf Töne angewiesen. Ich würde ihnen die Fragen deshalb gerne am Telefon stellen und das Gespräch aufzeichnen, so dass ich ein Statement von ihnen verwenden kann.

Freundliche Grüsse
F.K.

 ERSTE, URSPRÜNGLICHE VERSION

–       Wie steht die Vioz zum Dschihad, z.B. in Syrien im Allgemeinen?

Da der Begriff Dschihad stets in seiner umfänglichen Bedeutung missverständlich gebraucht wird, ist es wohl im Namen der VIOZ erforderlich, eine erneute Klarstellung in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. In erster Linie bezeichnet dieser Fachausdruck die Bemühung der Menschen ihre eigene Triebseele zu beherrschen – umgangssprachlich gesagt, den „inneren Schweinehund“ unter Kontrolle zu bringen.

In zweiter Linie bezeichnet dieser Begriff eine kriegerische Auseinandersetzung eines legitimen islamischen Staatswesens im Falle eines Angriffs. Die VIOZ stellt erneut unmissverständlich klar, dass sie sogenannte dschihadistische Ideologie ganz allgemein und im Zusammenhang mit den Vorgängen in Syrien oder sonst wo auf der Welt grundsätzlich ablehnt. Im Übrigen ist der Begriff im zeitgemäßen globalen politischen Kontext unter den muslimischen Gelehrten in Bezug auf die Gültigkeit seiner Umsetzung höchst umstritten.

–       Offenbar sollen Jugendliche gezielt für den Dschihad angeworben werden, zum Teil soll diese Anwerbung auch in Moscheen stattfinden: Ist Ihnen dieses Problem bekannt?

Junge Menschen für kriegerische Auseinandersetzungen anzuwerben ist ein Unternehmen, welches durchaus auch mit Unterstützung jeweiliger Regierungen auf dem Universitätscampus oder über die Medien passiert – Stichwort „Vietnamkrieg“ nach amerikanischem Vorbild. Eine Moschee ist nicht nur ein Ort religiöser Erbauung, sondern auch sozialer Treffpunkt an welchem über alles, sozusagen über Gott und die Welt gesprochen wird. Dass gezielte Anwerbungen in Zürcher Moscheen stattfinden, ist völlig auszuschließen. Dass auch in Moscheen, wie an sonst jedem anderen beliebigen Ort Kontakte mit höchst unterschiedlichen Motivationen geknüpft werden können, (kann, darf und) sollte von keiner vernünftigen Person negiert werden.

–       Die Moscheen sagen stets, sie wüssten nichts davon oder sie geben gar keine Auskunft, Imame oder andere Verantwortliche sind nicht erreichbar: Verschliessen sie da zu fest die Augen, bräuchte es ein Umdenken?

Es scheint wirklich so zu sein, dass die Medien über die aktuellen Vorfälle in der Schweiz früher und besser informiert sind, als die Muslime selbst. Eigentlich kein Wunder, da die Haltung der Imame, der Moscheevereine und der VIOZ klar ist. Daher werden Personen, welche sich als Rekrutierer für ausländische Kriegs- oder terroristische Handlungen betätigen möchten, nicht augenfällig agieren.

Ein Umdenken muss tatsächlich stattfinden. Und zwar in der ganzen Gesellschaft – es geht also vielmehr um das ÖFFNEN der Augen jener Tatsache gegenüber, dass nicht die Muslime oder deren Moscheen die erste Ursache für höchst schädliche Entwicklungen und in das Zentrum der Beachtung medialer und somit gesellschaftlicher Verdächtigung und Verursachung gerückt werden. Die Thesen von Jürgen Todenhöfer dürfen in diesem Zusammenhang studiert werden!

–       Von Fachstellen wird bemängelt, dass in den Moscheen keine Jugendarbeit gemacht wird, das wäre dringend nötig. In dieser Richtung gibt es tatsächlich noch kein Angebot?

Doch, doch – die Muslime bemühen sich ständig, diesbezügliche Angebote zu entwickeln und umzusetzen – doch es fehlen den Muslimen einfach jene Ressourcen, welchen staatlichen oder kirchlichen Organisationen und Institutionen zu Verfügung stehen, um professionelle Jugendarbeit durchzuführen.

–       Wenn nicht, wurde in Sachen Jugendarbeit schon etwas angedacht?

–       Wenn ja, was konkret?

Hierbei sind vor allem die Bemühungen und Veranstaltungen der Jugendlichen selbst zu erwähnen, die natürlich ihre eigene Zukunft gerne positiv selbst gestalten möchten. Ich nenne nur beispielhaft die Veranstaltungen studentischer Organisationen wie den Freitagsclub, die MSAZ oder Ummah. Auch muslimische Dachverbände wie die VIOZ oder VAM und selbst einzelne Moscheevereine bemühen sich z.B. mit Lagern für Jugendliche oder Familien in dieser Hinsicht aktiv zu werden. Doch – ich wiederhole mich – es fehlt ganz einfach an den Ressourcen um hier wirklich zeitgemäß agieren zu können.

Steiniger Weg zur Öffentlich Rechtlichen Anerkennung

 Sehr geehrter Herr Hanel

 Wie besprochen, schicke ich Ihnen gerne meine Fragen per Mail zu.

Streben Sie mittel- bis langfristig eine öffentliche und allenfalls auch öffentlich-rechtliche Anerkennung an?

  • HANEL:
    Durchaus! Da die öffentlich rechtliche Anerkennung einer muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz selbstverständlich einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlicher Stabilität und zum religiösen Frieden, beides prioritäre Ziele der hiesigen muslimischen Gemeinschaft, zu leisten vermag.

Falls ja: Gibt es konkrete Schritte in diese Richtung?

  • HANEL:
    Seit vielen Jahren gibt es, durch Farhad Afshar, Präsident der KIOS initiiert, theoretische Vorbereitungen diesbezüglich. (Die Dokumentation über diese Bestrebungen in den letzten Jahren) finden Sie hier:
    https://hanelislam.com/2014/03/16/1026/ )
    Wie Sie wissen, hat Farhad Afshar ein entsprechendes Gutachten bei der Uni Luzern in Auftrag gegeben und über die KIOS bezahlt. Nun wird von der Basler Muslim Kommission (BMK) mit der von ihr vor kurzem ins Leben gerufenen Kommission ein Modellstatut erarbeitet und weitere operative Schritte vorbereitet. Noch ist es allerdings zu früh, darüber detaillierte Auskünfte zu geben.

Inwiefern stellt die ethnische Zersplitterung und auch die Aufteilung in verschiedene Konfessionen ein Problem dar?

  • HANEL:
    Verschiedene Sprachen und unterschiedliche politische Erfahrungen aus den ursprünglichen Heimatländern stellen natürlich eine grosse Herausforderung dar. Durch überzeugende Aufklärungsarbeit der “Schrittmacher” sollte diese Herausforderung gemeistert werden können – so Gott will. Konfessionelle Unterschiede, durch die Präferenz verschiedener islamischer Rechtsschulen gegeben, sollten letztlich durch die Umsetzung des Konsens der Rechtsgelehrten – ein anerkanntes islamisches juristisches Instrument – gebührende, umsetzbare und zufriedenstellende Berücksichtigung finden.

Anders gefragt: Wäre es denkbar, dass es letztlich mehrere verschiedene anerkannte muslimische Glaubensgemeinschaften gäbe, analog zu Christen (Reformierte, Katholiken, Christkatholiken) und Juden (zwei anerkannte Gemeinden)?

  • HANEL:
    Diese Möglichkeit besteht durchaus. Doch der Anfang wird zuerst durch eine Gemeinschaft gemacht werden und deren Erfahrungen werden den weiteren Entwicklungen ihre Richtung weisen.

Inwiefern werden die ethnischen Wurzeln der Schweizer Muslime langfristig überhaupt eine Rolle spielen? Ist es denkbar, dass hier geborene Muslime verschiedener Herkunft die gleichen Moscheen besuchen, in denen Deutsch als gemeinsame Sprache gesprochen würde?

  • HANEL:
    Ethnische Wurzeln werden alleine schon aus dem Interesse der Kulturpflege ihre Bedeutung nie zur Gänze verlieren. Dass die Muslime verschiedener Herkunft die gleichen Moscheen besuchen, ist heute schon vielerorts gelebte Realität und wird in der Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein. Genauso wie auch in einigen Jahren die Freitagspredigten in den Schweizer Landessprachen vorgetragen werden, was in immer mehr Moscheen teilweise oder über Simultanübersetzungen schon fleissig und engagiert geübt wird.

 

Ich wäre sehr froh, wenn Sie mir bis am frühen Nachmittag ein Feedback geben könnten.
Vielen Dank und beste Grüsse

Simon Hehli,
Redaktion Inland Neue Zürcher Zeitung | Falkenstrasse 11 | Postfach | CH-8021 Zürich | Telefon +41 44 258 10 27 | Mobile  +41 78 879 83 12 | E-Mail simon.hehli@nzz.ch | www.nzz.ch |

HIER der LINK zur Veröffentlichung des Artikels in der NZZ, in welchem auch Farhad AFSHAR zu Wort kam.
Von meinen Aussagen kam allerdings nur ein Halbsatz zur Veröffentlichung.
Hier noch als PDF

Hier noch ein Beitrag aus 2014

Der Medienspiegel von kath.ch – Stichwort ISLAM

Es ist schier unglaublich, wie islamrelevante Artikel in ihrer Zahl explodiert sind – vergleichen Sie dies anhand des GSIW Newsletters. Hier der LINK zum Archiv

Nun hier die Artikel, wie sie vom katholischen Medienspiegel in der Schweiz gesammelt wurden:
Hier der LINK zu diesem kompetenten Medienspiegel

Salafisten missionieren auf Zürcher Strassen

«Die wahre Religion» warb vergangene Woche in Winterthur und Zürich um neue Mitglieder. Die salafistische Organisation vertritt einen radikalen Islam.

Der Bund, 27.01.2015

Wie reagieren auf das Phänomen «Pegida»?

Die «Pegida»-Bewegung in Deutschland sorgt international für Schlagzeilen. Mit welchen Strategien die Politik nun versucht, mit dem Phänomen umzugehen, erklärt NZZ-Korrespondent Markus Ackeret im Interview.

NZZ, 27.01.2015

Top-Fokus: Wie wird der Islam wahrgenommen?

Top-Fokus: Wie wird der Islam im Sendegebiet von Tele Top wahrgenommen?

Tele Top, 27.01.2015

Jede Woche Drohbriefe

Der Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» hat die Stimmung gegen die rund 430000 Muslime in der Schweiz angeheizt. Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), zeigt sich besorgt und wünscht sich vom Bundesrat ein Zeichen der Solidarität.

Walliser Bote, 27.01.2015

Der Irrglaube der religiösen Integration

Zur Forderung der Muslim-Organisationen zur staatlichen Anerkennung des Islam in Basel.

Basler Zeitung, 27.01.2015

Weiterlesen

Offene Fragen nach Pariser Massaker

Ein Gespräch auf TELEZÜRICH

Das gestrige Massaker bei der Pariser Zeitung „Charlie Hebdo“ macht weit über Frankreichs Grenzen und die Medienbranche hinaus betroffen. Einen Tag danach drängen sich zudem zahlreiche Fragen auf: Tickt in Frankreich eine gesellschaftliche Zeitbombe? Darf man sich in diesem angespannten Umfeld über den Islam lustig machen? Die kontroverse Diskussion heute im „TalkTäglich“.
Gäste:
  • Gilbert Casasus, Frankreich-Experte
  • Muhammed Hanel, Pressesprecher Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich
  • Erich Gysling, Journalist

Hier ist die SENDUNG anzusehen

Einige Anmerkungen zur Sendung:

Tickt eine gesellschaftliche Zeitbombe …
Tickt immer, wenn es in einer Gesellschaft angeblich oder tatsächlich kontroverse Machtinteressen gibt.

Darf man sich über den Islam lustig machen?
Geschlossene Fragen haben nicht nur etwas unprofessionelles, sondern auch etwas heimückisches an sich.

Die wesentlichen Fragen scheinen mir eher zu sein:
Gibt es einen Unterschied zwischen:

  • sich „lustig machen“, jemanden „beleidigen, verspotten und kränken“ und einer „satirisch verpackten Kritik an Missständen“ – und
  • „WAS ist einem Menschen HEILIG“ und
  • zeugt es von Kultur, Bildung und Anstand, ist es Zeichen der Aufklärung, der Reife, des Respekts jemandes HEILIGE zu verspotten? (die Ehre der Ehefrau z.B., das Andenken der Mutter? Die Opferbereitschaft, Tatkraft und Verlässlichkeit der Väter?) Welch böser Vergleich wäre doch: „die Medien – eine H. à ein bestimmter oder alle Journalisten wären daher Z.?

Wäre es bei aller legitimen Kontroverse nicht ein lohnenderes Ziel zu Antworten zu finden, nach Erklärungen zu forschen, die auch gemeinsam vertreten werden können?

Zur Frage der Pressefreiheit und dem Recht auf dieselbe:
Sind sie dafür oder dagegen? (siehe geschlossene Fragen)

Es gehört zur Ehre des Menschseins, sich den Mund nicht verbieten zu lassen – schon gar nicht gegen Ungerechtigkeit … dies ist eine zutiefst islamische Überzeugung!

Vielmehr gilt es bei diesem Fragenkomplex zu bedenken, dass jedem Recht – ein UNRECHT entgegensteht, jedem rechten Gebrauch – ein unrechter MISSBRAUCH!
Wäre es nicht auch bei dieser Frage nicht sinnvoll, sich um eine gemeinsam getragene Definition der Grenze zwischen diesen Polen zu bemühen?

Wie die VIOZ zu dieser Katastrophe steht – wie sie darauf reagiert?
Nun die Mitglieder des Vorstands sind jedenfalls zutiefst BESTÜRZT (eine normale Reaktion auf böswillige Gewalt) – mit BETROFFENHEIT (es wurde inzwischen gut vorbereitet political correct, die Taten einzelner Muslime oder höchst zweifelhafter muslimischer Gruppierungen, ALLEN MUSLIMEN in sippenhafter Manier anzulasten) – mit BEFÜRCHTUNGEN hinsichtlich der Stabilität des gesellschaftlichen Friedens in der Schweiz.

Zusammenfassung: Religionen und Gewalt. Die Verantwortung der Schweizer Medien.

Zusammenfassung: Religionen und Gewalt. Die Verantwortung der Schweizer Medien.
Mitschrift: Charlotte CORRODI

November 2014, Universität Basel

Vortrag: Umbruch der Weltpolitik und Umbruch der Medienwelt: Aufklärung, Verantwortung, Gefährdung

  • Roger de Weck (Generaldirektor SRG) Gesprächsleitung
  • Weltpolitik:
    Heute haben wir eigentlich in der Weltpolitik einen „Krisen-/Chaosbogen“, der von der Ukraine über Afghanistan, Libyen nach Schwarz-Afrika führt. Innerhalb dieser Regionen werden Grenzen neu gezeichnet, was bisher jedes Mal zu Blutvergießen und zu einem Verschwinden der Grenzen der Inhumanität führte.
     

    Während es in der Weltwirtschaft aktuell eine klare Tendenz zur Globalisierung gibt, ist in der aktuellen Weltpolitik eigentlich keine klare Entwicklung ersichtlich. Nach den beiden Weltkriegen (in welchen „der Feind/ das Böse“ klar definiert war), wurde nun erst in den Al Qaida Terroristen und dann im IS (beides Organisationen, die eine Art des Terrorismus, welcher sich auf den Islam bezieht, vertreten) ein neuer (sich selbst dazu erklärender) Feind gefunden. Betrachtet man jedoch diesen Konflikt, ist es einerseits wichtig zu beachten, dass die „Islamische Welt“ anders als der Okzident keine Aufklärung kannte, die den Vorrang der kritischen Vernunft über der Religion betont hat (Mohammed Arkoun, Universität de Sorbonne). Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass es sich in erster Linie um einen Kampf innerhalb der „Islamischen Welt“ handelt, der erst in der Entstehung ist.

Medienpolitik:
Mit der Weltpolitik geht (wie mit allen sozialen Umbrüchen) eine Medienrevolution einher. Der Arabische Frühling, der Aufstand der Jugend in der Türkei und die Aufstände in Brasilien anlässlich der Fussball WM gehen einher mit neuen Medien im Internet. Nach dem Monolog (Fernsehen, Radio, Zeitung) wird nun ein Dialog, Interaktivität, möglich. Dadurch entstehen grössere Auswirkmöglichkeiten für jeden einzelnen Bürger während gleichzeitig die reellen Einwirkungsmöglichkeiten kleiner werden. Dies führt zu Spannungen, welche sich momentan v.a. in ärmeren Ländern zeigen, jedoch auch in den reicheren Ländern noch Auswirkungen haben sollten. Es steht also die Interaktivität, Ubiquität, Visualität (Bild+Ton+Text) der Doktrin, Unilateralität gegenüber. Die neugewonnene Visualität kann sich als Entfaltungsmöglichkeit aber auch als Herausforderung für die verschiedenen Religionen herausstellen (z.B. eine Herausforderung für den Protestantismus, der sich stark aufs geschriebene Wort bezieht).

 

  • Weltpolitik und Medienpolitik 
    Wenn man die Europäische Entwicklung vereinfacht anschaut, dann gab es eigentlich immer einen langen Krieg. Danach war die Hälfte der Bevölkerung tot und die andere Hälfte erschöpft. Die Jahre danach blieben friedlich, bis dann 20-30Jahre später der letzte Krieg vergessen war und ein neuer entstand. Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch existierte die totale Katastrophe. Daher lag der Schock einiges tiefer. Zudem leben heutzutage die Menschen länger und erinnern so länger an die negativen Folgen des Krieges. Jetzt aber kommen jedoch erneut Hitzköpfe auf. Zudem gibt es teilweise eine gewisse Sehnsucht nach Doktrinen und man findet überall Fundamentalismus. Den mächtigsten Fundamentalismus stellt heutzutage vermutlich der Amerikanismus dar. Der Islamismus ist in der Hinsicht ein Spezialfall der grossen Fundamentalismen heutzutage, da er sich am direktesten auf eine Religion bezieht. Jedoch kommen solche Fundamentalismen in allen Religionen vor. Daher ist ein guter Dialog wichtig, da es mögliche „Pathologien“ in den Religionen (wie auch der Vernunft) geben kann (Beispiel für einen guten Dialog: Gespräch von Habermas und Ratzinger – gehen nicht auf die schlechtesten, sondern auf die besten Argumente des Kontrahenten ein).
    Ein zweites grosses Problem für den Journalismus ist die Inflation der Medienwelt: es gibt mehr Medien als Botschaften vorhanden sind. Daher wurden Content Provider eingeführt. Denn wer spektakuläre Informationen / Bilder bietet kommt heute an. Es gibt also einen Kampf um Aufmerksamkeit, der zur Kommerzialisierung und Boulevardisierung des Journalismus führte. Aus einer Nachricht (nach der man sich richtet), wurden News (Neuigkeiten) und daraus wurde schlussendlich Content (Inhalt). Der Anteil an wirklich kritischem Journalismus kann heute leider die Balance nicht wieder herstellen.     Auch ist heute vermehrt ein Populismus in den Medien ersichtlich. Nachdem der Kommunismus keine Gefahr mehr darstellte, verhärtete sich der Kapitalismus und liess dem Populismus mehr Platz.
    Der Populismus charakterisiert sich durch: Personalisierung, Vereinfachung, Unterhaltung, Vorliebe für den Konflikt, Bewirtschaftung der Emotionen, Gut vs. Böse, „wir“ vs. „ihr“ (und entspricht somit dem Boulevard). Wer also eine Show will ist gut bedient. Die Medienwelt ist somit ein Spiegel der Gesellschaft, die sie spiegelt
    .

  • Zudem lässt sich heute weltweit eine etwas paradoxe Tendenz beobachten: die Reprovinzialisierung der Medienwelt. Trotz Globalisierung nimmt der Auslandteil in vielen Medien nur einen geringen Platz ein resp. steht nur in brisanten Ausnahmefällen im Mittelpunkt.
  • Es stellt sich daher in diesem Zeitalter eine grosse Herausforderung für den Journalismus. Guter Journalismus besteht im Suchen, Prüfen, in den Zusammenhang stellen, Gewichten, Erklären, Kommentieren und etwaigen Korrigieren von Informationen. In diesem Umbruch, in welchem Religion Politik und Politik Religion beeinflussen kann, ist der Journalismus oft überfordert, da er keine klaren Kriterien zur Einordnung von Informationen findet. So kehrt er zum einfachsten Kriterium um die Welt einzuordnen zurück: Gut vs. Böse / Schwarz vs. Weiss.
  • Mit der Revolution der Weltwirtschaft wurden viele kleine Intermediäre durch einige wenige grosse Globalplayers (z.B. Google) „weggeputzt“. Dies führte zu einer Verunsicherung in der Gesellschaft und auch dazu, dass die Medien heute international tätig sind (z.B. Facebook). Man kann sagen, dass der Ultraindividualismus („ich“) heute gescheitert ist und einem Gruppenegoismus („wir“) Platz machte. 

     

     

     


    Jörg Stolz, Universität Lausanne
    Grundfrage:
    Wie werden Religionen und Religiosität in der Schweiz wahrgenommen 

  • Ich Gesellschaft:
    In den 60er Jahren geschahen einige strukturelle und kulturelle Veränderungen: die religiösen und moralischen Normen brachen zusammen, wodurch eine hohe Wahlfreiheit in allen möglichen Bereichen entstand. Säkulare Optionen machten religiösen Optionen Konkurrenz. Gleichzeitig gab es ein hohes Wirtschaftswachstum. Dadurch entstand ein säkulares Abdriften vieler Personen.
  • Typologie von Religiosität / Spiritualität:

Wahrnehmung von Religion an sich:

Einerseits ist ein Religionsrelativimus bemerkbar: Die Bewohner in der Schweiz haben ein zunehmend distanziertes Verhältnis zur Religion („Grundwahrheiten gibt es in vielen Religionen“). Andererseits zeigt sich eine vermehrt kritische Haltung: Religionen können auch gefährlich sein (z.B. Intoleranz, Konflikte). Daher finden die meisten Personen, dass „man seine Religion nicht zu stark ausleben darf“.

  • „Wir“ vs. „Andere“:
    Die meisten Religionsgemeinschaften grenzen sich von anderen Gruppen ab, um sich selbst zu beschreiben. („Ich als Teil der X mache das so… aber natürlich nicht so wie Y. Die sind komisch.“)

„gute“ vs. „schlechte“ Religionen      Am negativsten werden die Muslime bewertet, welche als gewalttätig, intolerant, fordernd und angsteinflössend wahrgenommen werden. An zweiter Stelle folgen mit einigem Abstand dann die Juden. Die am negativsten bewertete eigene Religion war der Katholizismus, der als veraltet, autoritär und machomässig wahrgenommen wurde.

Die Christen werden am positivsten bewertet, an zweiter Stelle kommen die Buddhisten welche als friedliebend, tolerant und offen gesehen werden. Die Gruppe, welche die Juden am positivsten sieht, sind „institutionelle“ Christen.


Varia:
-Buch mit noch mehr Informationen: Religion und Spiritualität in der Ich – Gesellschaft

Die Stichprobe der Untersuchung bestand nur aus Christen und Konfessionslosen.

Podiumsdiskussion mit den beiden Vortragenden, Janine Dahinden (Transnationale Studien, Migrationsforschung, Universität Neuchâtel),
Samuel M. Behloul (Islam- und Religionswissenschaft, Nationaldirektor von Migratio, Fribourg),
Axel Paul (Soziologe, Universität Basel) und unter der
Moderation von Antonio Loprieno (Rektor der Universität Basel)
:

  • Dahinden: Die Kategorie „Religion“ ist heute wieder viel stärker präsent (wir vs. sie) und gleichzeitig gibt es eine höhere Differenziertheit in Bezug auf die Religion
  • Behloul: 40% der Migranten heutzutage sind Katholiken -> das Problem scheint komplexer zu sein. Einheimische Katholiken finden, dass die eingewanderten Katholiken auf eine altmodische Art und Weise ihren Glauben ausleben. Gleichzeitig finden die eingewanderten Katholiken, dass die einheimischen Katholiken sich eher wie Protestanten bezüglich ihres Glaubens verhalten…
  • De Weck: Unsere Beurteilung der Religionen ist auch abhängig von der neuen Realität der Mediatisierung, der Verbildlichung (welche von Islamistischen Gruppen stark ausgenutzt wird). Diese Verbildlichung steht heutzutage im Kontrast zum bilderlosen Krieg durch Drohnen (Westen, USA), der sehr clean und weit weg wahrgenommen wird und sich durch eine völlig andere Sprache als die der Islamisten kennzeichnet.
  • Stolz: Heutzutage sind erstaunlich viele Menschen bereit ihr Leben für ihre Religion aufs Spiel zu setzen.
  • De Weck: Frage von
    Lopriano: Religion kann mindestens auf drei Arten verstanden werden: als historisches Phänomen, als politisches Phänomen oder als individuelles Phänomen. Der Journalismus fokussiert sich jedoch v.a. auf die Religion als politisches Phänomen. Wieso…? Antwort
    De Weck: Kein Wunder ist das so, denn ein grosser Teil der islamischen Welt befindet sich momentan im Umbruch. Die Religion als individuelles Phänomen ist in den Medien meist mit grossen Persönlichkeiten verbunden (Mutter Theresa, der Papst). Und im geschichtlichen geht es v.a. um Höhen und Tiefen einer Religion (wobei einzig die katholische Kirche als religiöse Grossorganisation bereits auf eine sehr beachtliche Lebensdauer zurückschauen kann).
  • De Weck: (auf die Frage, wie der Islam mehr positive Resonanz erlangen könnte?) Einerseits braucht es heutzutage mehr muslimische Journalistinnen und Journalisten. Andererseits sollte auch in der Fiktion das Einwanderungsland Schweiz besser repräsentiert werden (z.B. in Fernsehserien, Comics, etc.). Das gibt zwar wenig Aufsehen, führt aber zu einer gewissen Normalität. Übrigens kann der Kapitalismus auch als ein Religionsersatz gesehen werden: Der Ökonomismus, bei dem das wirtschaftliche Denken eine Dominanz über alles andere erlangt. Er ist heutzutage ein viel stärkerer Faktor als der Islam.
  • Behloul: Heute haben wir ca. 4.5% Muslime in der Schweiz. Eigentlich sollte der Islam eigentlich keine Gefahr darstellen, sondern eher die Rekatholisierung der Schweiz. Sowohl die Anschläge des 9/11 wie auch die Enthauptungsvideos der IS wurden sehr gut medial aufbereitet. Uns wurde gesagt: „So etwas haben wir noch nie gesehen.“ Das mag sehr wohl stimmen. Gleichzeitig heisst dies jedoch nicht, dass es „so etwas“ wirklich noch nie gab. Zum Beispiel während / nach der französischen Revolution oder im ehemaligen Jugoslawien oder in der ehemaligen Sowjetunion oder an anderen Orten / zu anderen Zeiten kamen ähnliche Ereignisse bereits vor. Es besteht daher eine grosse Verantwortung der Medien (z.B. auch geschichtliche Vergleiche mit anderen ähnlichen Ereignissen wären nötig oder eine Kontextualisierung). Heutzutage wurde teils die Propagandaabteilung der IS zum Content Manager der westlichen Medien. Das sollte eigentlich aber nicht der Fall sein. Wir erhalten so das Gefühl, wir lebten in einer heilen Welt, welche von Aliens/vom „Bösen“ attackiert wird. Die IS hat aber eigentlich nur Export-Ideologien.
  • Dahinden: Heutzutage gibt es über verschiedene Mechanismen eine Islamisierung der Migranten (durch das Verhalten der Normalbevölkerung). Z.B. werden sie ständig darauf hingewiesen Muslime zu sein, was teils dazu führt, dass sie sich mehr mit ihrer eigenen Religion auseinandersetzen.
  • Paul: Bei einer Analyse der Konflikte sollte versucht werden, die Religion so weit als möglich aus dem Spiel zu lassen. Man sollte sich dabei nicht von der Propaganda der IS verführen lassen, da es sich im Konflikt eigentlich um Machtkämpfe handelt. Gleichzeitig sollte das innere Verhältnis von Religion und Gewalt, welches seit jeher in allen Religionen in gewisser Weise besteht, untersucht werden (z.B. Askese, Ektase, Opferkulte, der Kampf gegen das Böse, etc.). Auch könnten die Ausgangsbedingungen die Entstehungsbedingungen/-umstände der Religionen und deren Einfluss auf spezielle politische Theologien einer Religion untersucht werden (z.B. das Christentum ist eine Religion, die sich als Religion im Imperium zu etablieren begann).

Ingrid THURNER’s KOMMENTAR in der FURCHE – 6.11.2014

Warum werden hierzulande alle mit muslimischen Wurzeln ohne Unterschied unentwegt aufgefordert, sich öffentlich gegen kriminelle Aktivitäten von Muslimen zu stellen?

Hervorhebungen von M. HANEL (siehe auch: HANEL für VIOZ zu „islamistischen“ GRÄUEL)

Wenn in den letzten Jahren unter dem Integrationstaatssekretariat Kurz und der Innenministerein Mikl-Leitner Diffamierungen des Islam und Pauschalverdächtigungen von Gläubigen abgenommen haben, so erleben sie in den letzten Wochen eine neue Blüte und neue Dimensionen.
Befeuert werden sie von Prominenten der Islamkritik und nicht zuletzt von Leuten mit islamischem Hintergrund wie Necla Kelek und Hamed Abdel-Samad, wobei die Wortspenden von solchen Personen besonders einflussreich sind.
Vielleicht verfolgt der eine oder die andere ja bloß das Ziel, Bücher und Auftritte zu verkaufen, und streitet daher für eine Meinung, die ohne viel Aufwand breite Zustimmung in verunsicherten gesellschaftlichen Gruppen findet. Jedenfalls wird ihren Äußerungen Gewicht beigemessen, weil sie durch das biografische Detail der Abstammung von muslimischen Eltern scheinbar über Expertise verfügen.
Aber warum eigentlich? Warum ist ein Muslim unweigerlich Islamexperte? Gläubige sind noch keine Theologen, eine Jüdin ist keine Judaistin, Hindu und Buddhisten sind keine Religionswissenschaftler. Agnostiker und Atheistinnen sind auch keine Spezialisten, doch um Ex-Angehörige des Islam und sonstige Islam-Hasser herrscht viel Medienrummel, auch wenn sie über keinen wissenschaftlichen Hintergrund oder entsprechende berufliche Praxis verfügen.
Bis vor Kurzem ist von der sogenannten Islam-Kritik und den einschlägig bekannten Boulevard-Blättern die gesamte Religion mit ihren verschiedenen Strömungen als Ganzheit verunglimpft worden. Inzwischen haben alle dazu gelernt. Jetzt wird differenziert. Selbst die unbedarftesten Neulinge wissen, dass IS nicht Mainstream-Islam ist, dass die meisten Angehörigen des Islam im Keller keine Bomben basteln und nicht nach Syrien reisen, um dort als Kanonenfutter der Anti-IS-Allianz den Märtyrertod zu erleiden und sogleich ins Himmelreich aufzufahren.
Die neue Facette der Islamkritik besteht darin, dass Muslime und Musliminnen kollektiv in die Pflicht genommen werden, die terroristischen Gräueltaten zu verurteilen. Terroristen begehen Verbrechen und alle Personen gleichen Glaubens teilen eine Kollektivschuld. Du bist Muslim? Distanziere dich! Das ist Sippenhaftung.Niemand verlangt von allen Staatsangehörigen Österreichs, dass sie sich distanzieren, wenn irgendwo auf der Welt Österreicher Verbrechen begehen. Niemand verlangt von allen Geistlichen, dass sie sich distanzieren, weil es Fälle von Kindesmissbrauch unter Geistlichen gibt. Niemand verlangt von allen Personen eines Namens, dass sie sich distanzieren, weil jemand gleichen Namens krimineller Handlungen verdächtig ist. Niemand verlangt von den Familienangehörigen eines mutmaßlichen Mörders oder Bankräubers, dass sie sich persönlich rechtfertigen.

Aber alle mit muslimischen Wurzeln, praktizierend oder nicht, gläubig oder nicht, werden ohne Unterschied von Bildung, Geschlecht, Beruf und Herkunft unentwegt aufgefordert, sich öffentlich gegen die medial gerade aktuellen kriminellen Aktivitäten von Personen gleichen Glaubens zu stellen.
Dabei gibt es soziologische, politologische, sozialanthropologische und islamwissenschaftliche Forschungsarbeiten, die gesellschaftliche Ursachen dafür geltend machen, dass die gerade hippe Jugendkultur darin besteht, im Nahen Osten den Köpfeabschneidern die Kalaschnikow zu putzen oder andere niedere Hilfsdienste zu leisten, die im Terroristenalltag anfallen. Dass Schulkinder aus Zwängen ausbrechen und dabei in anderen Zwängen landen, ist nichts Neues, auch nicht, dass sie Opfer von Gewaltkulturen werden. Das ist in allen Kriegen zu beklagen.
Es gibt eine gesellschaftliche Verantwortung diesen Minderjährigen gegenüber. Sie liegt darin, ihnen Perspektiven zu bieten. Sie fühlen sich aber an die Ränder gedrängt. Im Alltag erleben sie Anfeindungen, Diskriminierungen und werden grundlos beleidigt. Es fehlt eine Gemeinschaft, die Halt bietet. Da haben die Anwerber leichtes Spiel. Wer ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift “Ich bleib Ghetto” klagt an, nicht zu Unrecht, denn die gesamtgesellschaftliche Verantwortung besteht darin, für deprivierte Jugendliche Strukturen zu schaffen, dass kriminelle Heilsangebote für sie nicht attraktiv sind. Erst dann, wenn solche Strukturen bestehen und angenommen werden, wenn Minderjährige sich ernst genommen fühlen und eine Zukunft mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten vor sich sehen, kann man die Eigenverantwortung der Person einmahnen, zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden.
Die IS-Führung jedenfalls kann mit ihren bisherigen Erfolgen in Europa zufrieden sein. Das Misstrauen, das dem Islam entgegengebracht wird, der Generalverdacht unter den seine Angehörigen gestellt werden, ist genau die Stimmung, die sie braucht, um hierzulande eine fünfte Kolonne zu installieren. Und bekanntlich sind nicht nur Muslime und Musliminnen ihre Zielgruppe für Rekrutierungen und ideologische Unterwanderung.
Ingrid Thurner
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