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EINE Religion und VIELE Beziehungen

EINE Religion und VIELE Beziehungen
Ägyptische Gesellschaft für Spirituelle und Kulturelle Forschung

Übersetzung und leicht überarbeitet von Muhammad M. Hanel 1/2012
Qur’anzitate nach Muhammad ASAD (Übersetzung M.M. Hanel)
Die Bedeutung des Islams über das Verhalten der Muslime erklärt

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Es ist offenkundig, dass das Wort „Islam“, wie es im Qur’an gebraucht wird, eine
Beschreibung des „Weges“ oder der „Methodik“ ist, welcher die Propheten folgten. Islam offenbart sich durch das Benehmen, die Haltung und den Glauben jener, welche im Qur’an Muslime genannt werden. In jedem Gebrauch des Wortes „Muslim“ in Bezug auf die Propheten und ihre Anhänger gibt es eine sprachliche, semantische Dimension,
welche die verschiedenen Aspekte offenbart, was es bedeutet, ein Muslim zu sein.
Sich bereit zu machen, das Wohlgefallen, die Gnade Allahs zu erlangen (- das
vornehmste und erste Ziel des Muslims):

Durch die aufrichtige Bemühung, nach der Wahrheit zu suchen, ist der Muslim (er/sie)
jener, der sich für das Erlangen göttlichen Wohlgefallens und den Empfang Allahs Gnade bereit macht. Die größte aller Gnaden ist die Erkenntnis des ein und einzigen Ursprungs von Allem und die Öffnung für die Rechtleitung Allahs von innen heraus. Dies ist der Weg, über den Abraham (r.a.) die Ein- und Einzigkeit (Tauhid) Gottes erkannte und er nannte diese Erkenntnis, Gott gegebenes „Wissen“. Abraham (r.a.) wird im Qur’an mit folgendem Ausspruch zitiert:

19: 43
„O mein Vater! Wisse, tatsächlich ist zu mir [ein Strahl von] Wissen gekommen, wie es dir bislang noch nie geschehen ist: also, folge mir; ich werde dich auf einen vollkommenen Weg führen.“


Dieses Wissen war Gottes Gnade an alle Propheten. Der Prophet Muhammad (fsai)
machte klar, dass der Mensch ununterbrochen die Gnade Gottes suchen sollte. Als ein
Vorbild der Muslime sagt er:

20: 114
„O mein Erhalter, lass mich an Wissen wachsen!“


Immer und immer wieder finden wir, dass dieses Wissen, welches im Qur’an gespiegelt
wird, die verschiedensten äußeren Formen annimmt. Moses (Friede und Segen auf ihm) wurde von Allah befohlen, Seine Unterstützung über übernatürliche Zeichen zu belegen.
Salomon (Friede und Segen auf ihm) erlernte die Sprache der Vögel und Josef (Friede und Segen auf ihm) verstand die Traumdeutung. Allahs Gnade gegenüber Abraham bestand darin, dass ihm die, in den Herzen innewohnende ursprüngliche Religion offenbart wurde.
Dies ist der Vers, in welchem der erhabene Qur’an Abraham (Friede und Segen auf ihm)
einen Muslim und nicht einen Juden oder Christen nennt,

20: 78
„Und strengt euch hart an in der Sache Gottes, mit solcher Anstrengung, welche Ihm
zukommt; Er ist es, der euch erwählt hat [Seine Botschaft zu überbringen], und hat
euch keine Erschwernis auferlegt [was die Religion betrifft] [und euch] im Glauben eures Vorfahren Abrahams [folgen ließ]. Es ist Er, der euch in vergangener Zeit, wie
auch in dieser [göttlichen Schrift] „jene, welche sich selbst Gott unterworfen haben“
genannt hat, damit der Gesandte die Wahrheit vor euch bezeugen möge, und damit ihr
sie vor aller Menschheit bezeugen möget. Daher, seid dem Gebet treu und gebt eure
reinigende Abgabe, und haltet fest zu Gott. Er ist euer Höchster Herr; und wie großartig
ist dieser Höchste Herr, und wie vortrefflich dieser Hilfe Leistende!)


und dieser Vers, der als Antwort auf ein Streitgespräch offenbart wurde, welches
zwischen Juden und Christen (den Völkern der Schrift):

3: 65
„O BEFOLGER früherer Offenbarung! Warum streitet ihr über Abraham, obwohl ihr seht, dass die Thora und das Evangelium nicht anders als [lange] nach ihm offenbart wurden? Wollt ihr also nicht euren Verstand gebrauchen?


Diese Frage, die ganz ans Ende des Verses gestellt wurde, zeigt, dass die Schriftvölker
etwas Wesentliches nicht erkannt haben. Nämlich, dass Abraham (Friede und Segen auf
ihm) sein Wissen nicht aus einem bestimmten geheiligten Buch bezogen hat; er empfing Eingebung, weil er sich für den Empfang von Gottes Gnade bereit gemacht hatte. Als er es nicht mehr zuließ, dass die trügerischen Ideen seiner Leute seine innere Suche belasteten, begann seine Einsicht seinen Weg zu erleuchten. Daher vermochte er zur uranfänglichen Wahrheit zu gelangen.

Natürlich demütigen diese Verse, welche Abraham (Friede und Segen auf ihm) dem Islam und nicht dem Juden- oder Christentum zuschreiben, weder Christen, Juden oder Muslime, noch vergleichen sie den Islam mit anderen Religionen. Sie betonen einfach die Tatsache, dass Abraham (Friede und Segen auf ihm) dem Islam als die ursprüngliche Religion zuzuordnen ist – also sollte er nicht nach einem Glauben benannt werden – etwas, das auch für alle anderen Propheten gilt.

Das Wissen, welches dem Josef (Friede und Segen auf ihm) gegeben wurde, war ein
anderes. Er verstand die Botschaften, welche in Träumen und Ereignissen eingeschrieben waren und die andere nicht erkennen konnten. Seine Fähigkeit, diese Botschaften zu entschlüsseln wurde ihm infolge seines rechtschaffenen Lebenswandels, welcher ihn ethische Werte und göttliche Lehren einhalten ließ, gegeben.

12: 22
„Und als er sein Mannesalter erreichte, bescherten Wir ihm die Fähigkeit [zwischen richtig und falsch] zu unterscheiden, wie auch [inneres] Wissen: denn so belohnen Wir die Gutes Tuenden.“


Joseph (Friede und Segen auf ihm) sprach:

12: 37
„… Seht, ich habe die Wege jener Leute hinter mir gelassen, die nicht an Gott glauben7
und die sich beharrlich weigern, die Wahrheit des kommenden Lebens anzunehmen;
Joseph (Friede und Segen auf ihm) erklärte sich:“


12: 38
„und ich folge dem Glauben meiner Vorfahren, Abraham, Isaak und Jakob. Es ist undenkbar, dass [es uns erlaubt wäre, dass] wir etwas neben Gott Göttlichkeit zuschreiben: dies ist [das Ergebnis von] Gottes Gnade an uns und an aller Menschheit doch die meisten Menschen sind undankbar.“


Salomons (Friede und Segen auf ihm) Wissen und seine Macht erstanden aus seinem
Sein als Muslim. Gott sagt im Qur’an:


27: 15
Wir gaben das Wissen dem David und dem Salomon und beide
sprachen: … „Alles Lob gehört Gott, der uns [dadurch] vor all Seinen gläubigen Dienern begünstigt hat!“


Salomon nahm diese Gnade Gottes an und rief die Königin von Sabaa auf, an Allah zu
glauben, der ihm solches Wissen gegeben hatte. Er sprach:

27: 24
Und ich fand heraus, dass sie und ihr Volk die Sonne anstelle Gottes anbeten; und Satan hat ihnen ihr Vorgehen gut erscheinen lassen und sie [derart] vom Wege [Gottes] abgeriegelt, sodass sie den rechten Weg nicht finden können;“

Er konnte seine Aufgabe erfüllen und sie folgte seinem Weg und wurde Muslim:
Sie sprach:

27: 44
… „O mein Erhalter! Ich habe gegen mich selbst gesündigt [indem ich anderes als Dich
angebetet habe]; doch mit Salomon habe ich mich [nun] dem Erhalter aller Welten
ergeben!“


Sie hatte nämlich verstanden, dass es eine unsichtbare Macht gibt, die alle Dinge ordnet. Aufgrund dieser Erkenntnis unterwarf sie sich dieser Macht und ließ ihre früheren Illusionen zurück.

Respekt, Vernunft, Furchtlosigkeit und die Erkenntnis vollständiger Freiheit

Alle Propheten erweisen im Qur’an der Vernunft ihren Respekt, indem sie die
allgemeinen, überkommenen Traditionen zurückwiesen, welche doch nur die Vernunft
demütigen und Dogmen unziemlichen Respekt zollten. Wegen ihrer Beachtung der
Vernunft verweigerten sich die Propheten blinder Nachahmung. Sie waren nicht wie die
Menschen ihrer Zeit, die zu sagen pflegten:

43: 22
… „Siehe, wir fanden unsere Vorfahren mit dem übereinstimmen, woran wir glauben –
und, wahrlich, in ihren Fußspuren finden wir unser Rechtleitung!“


Propheten hatten erkannt, dass alle spirituelle Freiheit nur in der Gottesergebung zu
finden ist und nicht in der Hingabe an irgendein, von Menschen fabriziertes Dogma. Ihre Weigerung falsche Gottheiten zu verehren, war das Ergebnis ihrer Suche nach spiritueller Freiheit und ihres Gewahrseins, dass dem Menschen diese Freiheit vorenthalten wird, wenn er etwas oder jemandem Göttlichkeit zuschreibt, was nicht wirklich Gott ist. Sie waren sich völlig bewusst, dass ein Götze nicht nur eine Sache der äußerlichen Praxis ist; er verkörpert eine innerliche Starrheit und einen innerlichen Stillstand, welche es der Fähigkeit des Menschen verwehren, spirituell frei zu sein. Diese Haltung hält die Seele in Illusionen gefangen, welche durch die begrenzte Existenz geschaffen werden. Aus dieser Perspektive, so lesen wir im Qur’an, sprach Abraham (Friede und Segen auf ihm) zu seinem Vater:

6: 74
… „Akzeptierst du Götzen als Götter? Wahrlich, ich sehe, dass du und deine Leute wirklich in die Irre gegangen sind!“

19: 42
… „O mein Vater! Warum betest du etwas an, das weder hört, noch sieht und dir in
keiner Weise nützlich sein kann?


Auch Joseph (Friede und Segen auf ihm) sagte:

12: 40
„All das, was ihr anstelle Gottes anbetet, ist nichts als [leere] Namen, die ihr erfunden
habt – ihr und eure Vorfahren – [und] wofür Gott keinerlei Ermächtigung herabgesandt
hat. … „

Abraham (Friede und Segen auf ihm) ist nicht durch die Androhung seines Vaters, ihn für die Beleidigung seines Glaubens und seiner Praktiken zu betrafen, verängstigt. Als ihm sein Vater droht:

19: 46
… „Magst du meine Götter nicht, O Abraham? Wenn du damit nicht aufhörst, werde ich
dich ganz gewiss zu Tode steinigen lassen! Nun hinfort mit dir von mir, für immer!“


antwortet er ihm nur:

19: 47-48
„Friede sei mit dir! Ich werde meinen Erhalter bitten, dir zu vergeben; denn, wisse, Er
war stets freundlich zu mir. Doch ich werde mich von dir zurückziehen und von allem, was immer du anstelle Gottes anrufst und werde meinen Erhalter [alleine] anrufen: es kann gut sein, dass mein Gebet [für dich] von meinem Erhalter nicht unbeantwortet bleibt.“


Auch die Zauberer des Pharao sind im Qur’an ein Beispiel für das Muslimsein. Sie folgten dem Moses (Friede und Segen auf ihm), als sie erkannten, dass es eine höhere Macht gibt, welche die sichtbaren und unsichtbaren Dinge in allen Bereichen des Lebens ordnet.
Sie wusste aufgrund ihrer eigenen Erfahrung und Fertigkeiten, dass Moses (Friede und
Segen auf ihm) keine Zauberkunsttücke vorführte, sondern dass sie der Manifestation
dieser unsichtbaren, allmächtigen Macht beiwohnten. Intuitiv entzündete sich der Glaube an Allah in ihren Herzen und die Macht des Pharao fürchteten sie nicht mehr, noch wechselten sie ihren Glauben unter der Bestrafung des Pharaos. Vollständig unterwarfen sie sich dem Willen Allahs. Diese Geschichte der Zauberer zeigt, wie verschieden doch die Menschen angesichts der selben Phänomene reagieren. Der Pharao und die Zauberer waren Zeugen der selben Vorkommnisse – doch er leugnete den Aspekt des Wunders daran, wohingegen sie die Botschaft Allahs völlig in ihre Herzen aufnahmen. Muslim zu sein, wie sie dies waren, bedeutet, dass ein Mensch nichts mehr fürchtet und völlige Freiheit erfährt. Die Unterwerfung unter Gottes Willen erfüllt den Menschen mit Entschlossenheit. Als Moses (Friede und Segen auf ihm) zu seinen Leuten sprach, hob er diesen Aspekt hervor; er wollte, dass sie Mut genug schöpften, um dem Tyrannen mit Glauben und Zuversicht entgegenzutreten. Als sie unsicher waren und nicht wussten was zu tun war, weil sie die Macht des Pharao fürchteten, der sprach:

7: 127
… „Wir werden ihre Söhne in Massen erschlagen und [nur] ihre Frauen verschonen: denn, wahrlich, wir haben die Gewalt über sie!“


Ermahnte sie Moses (Friede und Segen auf ihm) ihr Vertrauen alleine in Allah zu setzen:

7: 128
… „Wendet euch an Gott um Hilfe, und habt Geduld im Ungemach. Wahrlich, die ganze
Welt gehört Gott: Er gibt sie als Erbe – an welche Seiner Diener Er will; und die Zukunft
gehört jenen, die Gottes eingedenk sind!“

Den Glauben zu verteidigen und das Wort der Wahrheit zu unterstützen

Gemäß Qur’an ist ein Muslim jener, der genug innere Kraft hat, jemandes Glauben
nachhaltig zu stärken. Beispiel dafür sind die Jünger Jesu (Friede und Segen auf ihm). Eine Sache stand im Zentrum des Aufrufs Jesu. Er rief die Menschen auf, dem rechtschaffenen Weg zu folgen und nur wenige folgten ihm. Dies waren die Schüler, die sich selbst Muslime nannten:

3: 52
„Und als Jesus ihrer Weigerung gewahr wurde, die Wahrheit zu bekennen, fragte er: „Welche werden meine Helfer in der Sache Gottes sein?“, antworteten die in
weiß Gekleideten: „Wir werden [deine] Helfer [in der Sache] Gottes sein! Wir glauben
an Gott: und bezeuge du, dass wir uns Ihm ergeben haben!


und doch wies die Mehrheit seinen Aufruf zurück. Im Falle der Jünger Jesu verlangte ihr Muslimsein ihre Selbstverantwortlichkeit in der Unterstützung der Botschaft Jesu. Muslim zu sein bedeutet, jemandes Glauben zu verteidigen und das Wort der Wahrheit zu unterstützen. An anderer Stelle lesen wir im Qur’an:

5: 111
„UND [erinnere dich daran] als Ich den Weißgekleideten durch Inspiration eingab:
„Glaubt an Mich und an Meinen Gesandten!“ Sie antworteten: „Wir glauben; und Du
bezeuge, dass wir uns [Dir] ergeben haben.““


Wir begreifen, dass das Muslimsein jemanden bereit dafür macht, durch Allah über
Eingebung oder viele andere Möglichkeiten unterstützt zu werden.
Der Qur’an macht klar, dass alle Propheten und in Allah Ergebenen starke Beispiele in der Verteidigung des Glaubens waren:

3: 146
„Und manch einer der Propheten, dem viele Gott ergebenen Männer folgten, hatte [in der Sache Gottes] zu kämpfen: und sie verzagten nicht auf Grund dessen, was sie in der
Sache Gottes zu erleiden hatten, noch ermüdeten sie, noch erniedrigten sie sich [vor
dem Feind], denn Gott liebt jene, die im Unglück standhaft bleiben;

Keine Entlohnung von den Menschen zu erwarten, noch sich in Gefälligkeit zu
ergehen; ein Muslim beschäftigt sich nur mit Allah


Noah (Friede und Segen auf ihm) ist im Qur’an ein Beispiel eines Muslims, da er keinerlei Belohnung von seinen Leuten erwartete, noch kümmerte er sich darum, ihnen zu gefallen. Seine größte Aufmerksamkeit widmete er dem Befolgen des rechten Weges und so wurde er geleitet, ein Muslim zu sein und deshalb wurde er errettet.

10: 73
„Und dennoch bezichtigten sie ihn der Lüge! Und so erretteten Wir ihn und alle, die zu ihm standen in der Arche, und machten sie zu Erben [der Erde], wohingegen Wir jene,
welche Unsere Botschaften eine Lüge nannten, ertrinken ließen: seht also, was am
Ende jenen Leuten geschah, die [vergeblich] gewarnt worden waren!“


Der Qur’an offenbart, dass alle Propheten, wenn sie ihr Volk auf den rechten Weg riefen, durch die Liebe und Barmherzigkeit motiviert waren und nach keinerlei persönlichen Lohn verlangten. Die Propheten Noah (Friede und Segen auf ihm), Hud (Friede und Segen auf ihm), Salih (Friede und Segen auf ihm), Lot (Friede und Segen auf ihm) und Shu’aib (Friede und Segen auf ihm) sprachen:

26: 109
Und keinerlei Lohn verlange ich von euch dafür; denn mein Lohn liegt bei niemand
anders als beim Erhalter der Welten.“
(HQ: 26: 127, 145, 164, 180)

Und so war es auch an Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm), unter göttlicher Anleitung zu sprechen:

25: 57
… „Dafür verlange ich keinen Lohn von euch [- keinen Lohn] außer den, dass der, der so
will, seinen Weg zu seinem Erhalter finden möge!“

Irdische Gesetze respektieren und um göttliche Unterstützung beten

Sich Allah zu ergeben (ein Muslim zu sein), verlangt nach ständigem Gebet um Allahs
Unterstützung, vereint mit jeder möglichen Bemühung, die eigenen Ziele zu erreichen.
Das ist ein gemeinsames Merkmal aller Propheten.
Noah (Friede und Segen auf ihm) baute die Arche, da er erkannte, dass dies der Weg
war, seine Leute vor der Flut zu retten. Moses (Friede und Segen auf ihm) ging zum
Pharao und sprach zu ihm, gebrauchte Logik und das Wort, um ihn zu überzeugen die
Kinder Israels freizulassen, damit sie Ägypten verlassen könnten. Und zur gleichen Zeit
bat er Allah um Unterstützung und wollte dem Pharao nicht entgegentreten, solange
Allah ihm nicht versprach, mit ihm und seinem Bruder zu sein, sie beide zu behüten und zu beschützen.
Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) ertrug Demütigung und Widerstand in Mekka. Er verließ sich nicht auf Wunder, die ihn und seine Anhänger
erretten sollten, sondern bemühte vielmehr menschliche Fähigkeiten um die Menschen zu erreichen und ihr Bewusstsein zu erwecken. Als er auswanderte, gebrauchte er ebenfalls seinen Verstand, denn der wusste von der Absicht der quraischitischen Führung, ihn zu ermorden.

Der erhabene Qur’an zeigt klar und deutlich, wie Joseph (Friede und Segen auf ihm) die
irdischen Gesetze achtete und gleichzeitig um die Unterstützung Gottes betete. Als ihm
der Pharao Ägyptens die Verantwortung übergab, sich um die erwarteten ökonomischen Probleme zu kümmern, teilte er dem Pharao mit, dass er diese Probleme auf solider praktischer Grundlage zu lösen gedachte:
Er sprach:

12: 55
… „Gib des Landes Lagerhaus in meine Obhut; siehe, ich werde ein guter und wissender
Verwalter sein.“


Gleichzeitig brachte Joseph (Friede und Segen auf ihm) seine Gottesergebenheit zum
Ausdruck und seine Gewahrsam, dass er nur durch Seine Unterstützung auf dem
rechten Weg zu wandeln vermöge. Er sprach:

12: 101
„O mein Erhalter! Du hast mir wahrlich etwas an Macht gewährt, und mir einiges vom
Wissen der inneren Bedeutung der Geschehnisse eingegeben. Urheber der Himmel und
der Erde! Du bist mir nahe in dieser Welt und im nächsten Leben: lass mich sterben als
einer, der sich Dir selbst ergeben hat, und vereine mich mit den Rechtschaffenen!“

Der erhabene Qur’an verdeutlicht auch einen Weg, sich Allah zu ergeben: Muslim zu sein bedeutet, sich aller Eigenschaften und Tugenden zu befleißigen, welche Allah einem verliehen hat, um alle Lebensaspekte zu bereichern, zu verbessern und zu verschönern.
Erst dann, wenn der Mensch alle seine Fähigkeiten wirklich zum Einsatz bringt, wird er in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz leben. Daher werden im Qur’an die
Anhänger des Prophet Salomons (Friede und Segen auf ihm) für ihre diesbezüglichen
Fortschritte gelobt:

34: 13
„… sie fertigten für ihn, was immer er an Heiligtümern wünschte, und Statuen, und Becken wie [große] Teiche – Tröge und fest verankerte Kessel. [Und Wir sprachen:] „Arbeitet, O Volk Davids, in Dankbarkeit [Mir gegenüber] – und [denkt daran,] nur wenige [sogar] unter Meinen Dienern sind die wahrhaft Dankbaren!“


Die Leitlinie, irdische Gesetze zu respektieren und parallel Gottes Unterstützung zu
erbitten, wird im Qur’an auf verschiedenen Ebenen erwähnt – indem die Völker zur Arbeit gerufen werden, Wissen zu erwerben und nach den Geheimnissen der Schöpfung zu forschen.

DANKBARKEIT im ISLAM

Wer RICHTIGE Antworten auf Fragen zum Islam und zu bestimmtem Verhalten von bestimmten Muslimen sucht, sucht am Besten ZUERST im QUR’AN al Karim:

Das WORT „DANK“, „(UN)DANKBAR“ und „DANKBARKEIT“
im QUR‘AN

Hier eine Zusammenstellung:
http://www.gsiw.ch/Dankbarkeit.pdf

Quelle:
Muhammad ASAD’s Koranübersetzung (Hanel’s eigene Übersetzung)


TOLERANZ im ISLAM

ISLAM und TOLERANZ

Der Islam ist eine Weltreligion und wendet sich mit seiner Botschaft – zu der die Aufforderung zu einer universalen Toleranz gehört – an die gesamte Menschheit. Diese bedarf heute, wie nie zuvor, weil alle Kulturen näher zusammenrücken, einer Anleitung zur Toleranz.

Ziel des ISLAM ist die Erziehung seiner Anhänger zu Weltbürgern, das heißt zu einem toleranten, aufgeschlossenen Denken und verantwortungsbewußten Handeln.

Nach der Lehre des ISLAMS sind wir für die Erde, auf der wir leben verantwortlich. Wir haben sie als Schöpfung Gottes mit Respekt und Liebe verantwortungsvoll zu verwalten und zu schützen und sind zu diesem Zweck als Stellvertreter Gottes auf dieser Erde eingesetzt. Anstatt „auf der Erde Unheil anzurichten und Blut zu vergießen“, so sagt der Qur’an, sollte der Mensch sich auf seine eigentliche Aufgabe besinnen, die er dank der ihm verliehenen Vernunft, wenn er sich nur wirklich darum bemüht, erfüllen kann. Daher apelliert der Qur’an immer wieder an die Vernunft des Menschen und fordert ihn auf, seine Freiheit zu betätigen, da Gott an einem automatischen Gehorsam, der zu einem schöpferischen Handeln unfähig macht, nichts gelegen ist. Der Mensch sollte seine begrenzte Freiheit nicht verschwenden, sondern sie durch Selbstbildung, d.h. durch selbständig vernünftige Überlegung und Handlung zu einer schöpferischen Freiheit erweitern.

Selbstbildung befähigt ihn zur Toleranz und zu einer richtigen Einschätzung seiner Möglichkeiten.

Das Bewußtsein andererseits der eigenen Fehlbarkeit, zusammen mit dem Bewußtsein zur Verantwortlichkeit, in der ja die menschliche Würde besteht, ermöglicht ein großzügiges und tolerantes Verhalten den Mitmenschen gegenüber, mit denen uns die mitmenschliche Solidarität verbinden sollte.

Toleranz besteht in der freien Anerkennung von Freiheit und Würde jedes Menschen, sofern er kein Unrecht begeht. Wenn wir im Bewußtsein unserer Fehlbarkeit nicht sicher sein können, absolut im Recht zu sein und die volle Wahrheit zu besitzen, dann haben wir uns prinzipiell jedem Mitmenschen gegenüber, egal welcher Rasse, Religion, Kultur, Ideologie er zugehört – tolerant zu verhalten.

Eine solche Einstellung ist unter anderem schon deswegen gefordert, weil alle diese Gruppenzugehörigkeiten doch nicht oder nur sehr selten von einem selbst ausgewählt wurden. Das ist universale Toleranz, welche der ISLAM nicht nur als eine der Bedingungen, des für die menschliche Gemeinschaft notwendigen Friedens lehrt, sondern auch als eine gerechte Verhaltensweise, welche die durch den Schöpfer gewollte Vielfalt aller Kreatur, wie auch die einmalige Individualität eines jeden Menschen anerkennt und respektiert. Die Verschiedenheit der menschlichen Gruppierungen darf uns nicht davon abhalten, sie näher kennen zu lernen und ihnen nötige Toleranz zu gewähren – denn sonst können wir ja unsere Aufgabe als stellvertretende Regenten auf dieser Erde nicht erfüllen. Ja, darüber hinaus gesehen ist es gerade diese Verschiedenheit der anderen Gruppierungen der Menschen, die uns die Erfüllung unserer humanen Aufgabe ermöglicht. Denn durch die Anstrengungen, die erforderlich sind, die anderen zu verstehen, wozu aber auch eine echte Verwurzelung in der eigenen Kultur gehört, nicht zuletzt durch die zu übende Toleranz ihnen gegenüber, erhalten wir die Chance zur Selbstbildung, ohne die ein selbstverantwortliches Verhalten und Handeln nicht möglich ist.

Der Qur’an sagt hierzu:

„O ihr Menschen, Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen und euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander kennenlernt. Wahrlich, vor Gott ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste, der Frömmste, der Gerechteste ist….“ [49:13]

Wegen dieser Notwendigkeit, daß die Menschen, ungeachtet ihrer Verschiedenheit und darüber hinaus, gerade ihretwegen einander kennenlernen, hat der ISLAM – übrigens als erste von allen Religionen – zu einem unparteiischen Religionsdialog aufgerufen und sagt darüber:

„Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite (d.h. disputiere) mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß besser, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt jene besser, die der Rechtleitung folgen“ .[16:125]

Das Urteil über unsere Mitmenschen sollten wir also besser Gott überlassen. Statt dessen sollten wir uns um ein gerechtes und tolerantes Verhalten ihnen gegenüber bemühen. Es geht bei der Religion um unsere Taten, die wir zu verantworten haben. Daher heißt es auch in einer anderen Qur’anstelle:

„… und mir ist befohlen worden, Gerechtigkeit unter euch zu üben. Gott ist unser Herr und euer Herr. Wir haben unsere Werke und ihr habt eure Werke (zu verantworten)! Es gibt keinen Streitgrund zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenbringen, und zu Ihm führt der Lebensweg.“[42:15]

Damit kommen wir zu der Frage nach Toleranz im engeren Sinne, d.h. der religiösen Toleranz. Sie gehört zu den religiösen Geboten im ISLAM, denn alle Offenbarungsreligionen gelten nach der islamischen Lehre prinzipiell als gültige Wege zu Gott. Daher müssen die Muslime auch sämtliche Propheten Gottes, die seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte von Zeit zu Zeit aufgetreten sind, wie z.B. auch MOSES und JESUS in gleicher Weise respektieren. Konsequenterweise hat daher der Prophet MOHAMMAD von Anfang an die Sache der Religionstoleranz und Glaubensfreiheit, d.h. einen Religions- und Kulturpluralismus vertreten, wie in der Geschichte nachgelesen werden kann. Ihm folgten die Kalifen, vor allem der Kalif Omar, die großzügige Religionstoleranz des Sultans Salahuddin ist ihnen aus der Geschichte wohl bekannt.

In den obigen Erläuterungen habe ich versucht klar zu machen, in wie fern aktive Toleranz als universale, sowie als religiöse Toleranz zu den Zielen der richtig verstandenen islamischen Erziehung gehört.

Es sind hierbei auch die Grenzen der Toleranz klar geworden. Sie liegen ja überall da, wo sie sich in ihr Gegenteil verkehrt, wo sie nicht mehr ein gerechtes Verhalten bedeutet, wo also die allgemeinen Menschenrechte, seien es die eigenen oder die der Mitmenschen verletzt werden. Denn nur durch den persönlichen Einsatz können diese Rechte verteidigt werden, da ihre Verteidigung durch die Gesetze des Staates, die natürlich ebenfalls nötig sind, nicht genügt. Daher heißt es in einem Ausspruch des Propheten MOHAMMAD:

„Wer von euch etwas Übles sieht, soll dies mit seiner Hand ändern, wer das nicht kann, dann mit seiner Zunge, wenn er das nicht kann, dann mit seinem Herzen, dies letzte ist allerdings die schwächste Form des Glaubens.“

Es gibt keine Toleranz der Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit gegenüber.

Zum Schluß der Erörterungen möchte ich Ihnen eine typische Begebenheit aus der alten islamischen Geschichte berichten, weil hier ein gutes Beispiel für die islamische aktive Toleranz gegeben ist. Es handelt sich hierbei um ein alltägliches Ereignis aus dem Leben des zweiten Kalifen Omar.

Er sah eines Tages einen alten Mann auf der Straße betteln und erfuhr, daß er ein Jude sei. Der Kalif bedauerte das Schicksal des alten Mannes und sagte, daß so etwas in seinem Staate nicht passieren dürfe. Er ordnete deswegen an, daß diesem alten Juden vom Staat eine Pension gegeben werden müsse, welche ihm auf seine alten Tage ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.

Vom gleichen Kalifen Omar ist der bekannte Ausspruch überliefert: „Warum wird der Mensch immer wieder versklavt, obwohl er doch von seiner Mutter frei geboren wurde.“

Hier liegt islamisch betrachtet, die immer wieder zu unternehmende menschliche Aufgabe, für die Freiheit des Menschen zu kämpfen – und zwar mit gemeinschaftlicher mitmenschlicher Solidarität, zu welcher unablösbar die universale und religiöse Toleranz gehört.

25.9.1999

ZAKZOUK (Verfasser), Minister für religiöse Angelegenheiten (Awkaf) der Arabischen Republik Ägypten
Quelle: http://www.islamheute.ch/isltoleranz.html

„Gebrochene Identitäten“

„Gebrochene Identitäten“
von M.M. HANEL für LAMED

Ein Titel, zuerst widerwillig gelesen – denn wer möchte sich in seiner Identität, in seiner Persönlichkeit „gebrochen“ sehen – der aber bei zweiter Betrachtung sogleich Perspektiven eröffnet, welche einerseits doch eingehender beschrieben werden mögen, andererseits offenbare Aufmerksamkeit erregen, Interessen wecken und möglicherweise sogar neue Einsichten erschließen.

Als einer, der sich selbst in leicht fortgeschrittenem Alter, noch lange nicht scheut, als Sucher nach Endgültigkeit seine Bestimmung zu finden, ist es mir intellektuelle Pflicht, jene Begriffe, die es mit nachvollziehbarer Verständlichkeit zu bekleiden gilt, auf allerlei Art und aus mancherlei Winkel zu betrachten.

Die Identität des Menschen, seit Anbeginn menschlicher Selbstreflexion, Objekt geistiger Betrachtung, tatsächlicher Erkenntnis – vielleicht sogar hauptsächlich – aus eigenem Trieb oder fremder Versuchung befeuerten illusionären Betrugs – was oder wie ist sie wirklich?

Ist sie etwas, das als fest in sich selbst ruhend definiert werden kann oder ist sie, Hellers Wortbild gedenkend: „eine Wirklichkeit, sie dreht sich still, sie dreht sich stumm (mitunter auch etwas laut), nach andern Wirklichkeiten um“?

Eine Frage, die ich mir – und gut kann ich mich daran erinnern – zwar nicht so explizit formuliert, schon als Junge gestellt habe. Denn schon bevor ich den prägenden Kindergarten zu besuchen hatte, machte ich die Erfahrung, dass manchmal meine eigene unschuldige Sicht auf mich selbst, jener diametral entgegenstand, welche die mich formenden und formen wollenden Erwachsenen zum Ausdruck brachten.

Kurz: BIN ich, wie ich mich selbst erlebe oder bin ICH, wie Andere mich sehen?
Kurz: natürlich war und bin ich immer noch ICH, wie ich mich in ständiger Entwicklung begriffen, Veränderung, Erweiterung, Freude, Enttäuschung und stetigem Auf und Ab wahrnahm und nehme.

Aber gewiss war ich nicht das SELBST, das Erwachsene durch ihr fortgeschrittenes Hegen und Pflegen eig’ner, blindgefleckter, schmerzgeprägter, uneingestandener Befindlichkeit wahr(zu)nehmen (ver)mochten.
Und da haben wir ihn erneut entdeckt, den vermaledeiten Balken im Auge der Betrachtung des Nächsten. Menschen haben, die einen mehr, die anderen eben weniger, keine andere Wahl, als die Identitäten ihrer Nächsten durch ihre, man verzeihe den Ausdruck und verstehe ihn richtig, beschränkte, wahrlich unvollkommene Wahrnehmung der Wirklichkeit, in bestimmtem Ausmaß sogar tatsächlich WAHR zu machen.

Allerdings und zum Glück – GOTT – und nur IHM, gebührt der Dank dafür, weder absolut, noch endgültig!

Doch vorerst genug theoretischer Spekulation – und konkreter Rückbesinnung auf persönlichen Wandel nachgefragter Identität sei nun gebührend Platz gegeben.

Die Zeit meiner frühen Kindheit verbachte ich weniger bei meinen berufstätigen Eltern, als vielmehr bei unseren Nachbarn, Onkel Max und Tante Luise.
Onkel Max, so nannte ich ihn, den ehemaligen Volksschuldirektor, begnadeten Musiker, Philosoph und Philologen, dem ich gewissermaßen wohl Ersatz für seinen im Krieg gefallenen Sohn und daher nie geborenen Enkel war – und auch mir war er wie ein wunderbarer Opa – hatten doch meine leiblichen Großväter ebenfalls dem gewaltigen, Nationalidentität stiftenden Unterfangen, dem zweiten Weltkrieg ihr Leben geopfert. Der gute Onkel Max – schon bevor ich selbst lesen konnte und erst recht danach, führte mich ein in die Welt der Sagen, Geschichten, Mythen und Märchen aus aller Welt und allen Epochen und lieferte mir damit auf leichte, vielleicht auch träumerische Weise die ersten Werkzeuge und Bausteine, nach eigenem, gutem Dünken an der Ausbildung einer individuellen, von mir selbst gewünschten, ganz eigenen Identität zu wirken. Welch ein Lebensabschnitt, voller Erfahrungen, die mir heute noch lebendig sind, wie schnell war er vorbei.

Als etwa sieben Lenze ich vollendet hatte, wurde meine weitere, wahrhaft identitätsprägende Laufbahn von meinem liebsorgenden Umfeld geplant, organisiert und gesellschaftlich anerkannter Ordnung folgend, konsequent umgesetzt.
Eine professionelle musikalische Ausbildung sollte ich erhalten. Warum? Man sah in mir den offenbar „geborenen“ Sänger-Knaben. Von Onkel Max wurde ich gewissenhaft dazu ausgebildet. Auch wenn ich durchaus geneigt war, mich unter den musischen Typus reihen zu lassen, wollte diese, mir dennoch fremde, derart konkrete musikalische Identität so gar nicht passen, brach sie doch mit dem, was ich selbst für mich, wenn auch noch nicht konkret, im Sinne hatte. Auch die parallel stattfindende Ausbildung bei Eva S., der angesehensten Gesangslehrerin der Stadt ließ mich die Erfahrung machen – ein junger Mensch hat kein Selbstbestimmungsrecht, sondern das Recht bestimmt zu werden – so lautet hiesiges Gesetz. Mich dieser Erkenntnis fügend, nahm ich die Herausforderung an und beschloss, nolens volens, ein guter Musikus zu werden und mich zum Wiener Sängerknaben formen zu lassen. Doch Frau Christ, meine Primarschullehrerin, nächsten- und kinderliebend wie sie war, verhinderte beinahe meine künstlerische Laufbahn.

Statt der, für die Aufnahme in den erlauchten Kreis der singenden Botschafter Österreichs erforderlichen Schulnote „gut“, bestand sie darauf, mir nur ein „befriedigend“ im, wiederum gebrauche ich diesen Begriff, Nationalidentität vermittelnden Lehrfach „Heimatkunde“ auszustellen. Der Vorfall wird hier deshalb erwähnt, weil nach erfolgreich bestandener Aufnahmeprüfung im Ferienlager der Sängerknaben ich noch nach meinen schulischen Noten befragt wurde – und, heute noch bin ich erstaunt über die selbstbestimmende Kühnheit, ja Dreistigkeit des achtjährigen Knaben, den Weg aus elterlichem Hause über eine Lüge zu wählen (und ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor gelogen zu haben). Denn auf die Frage nach der Note in „Heimatkunde“ antwortete ich ohne Zögern: „gut“. Natürlich hatten die Professoren mein Zeugnis schriftlich vor sich liegen. Doch dieses, ganz offensichtlich selbstbewusste Bekunden eigenen Willens, schien für sich genug zu sprechen. Und so verbrachte ich die nächsten 5 ½ Jahre in einem Bubeninternat. Eine kurze, stichwortartige Beschreibung des gesellschaftlichen Umfeldes, innerhalb welchen ich mich nun zu entwickeln, zu entfalten hatte, möge genügen, den Identität stiftenden Charakter desselben zu verdeutlichen. Professionelle, disziplinierende, auf höchstem Niveau stattfindende fachliche Ausbildung stand einer, sich mehr oder weniger selbst überlassenen Auseinandersetzung zwischen männlichen Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 15 Jahren gegenüber. Es gab zwei Regeln. Der Älteste und der Stärkste hatte das Sagen – und hinzu kam, der gesanglich Beste hatte den Neid und Eifersucht seiner konkurrierenden Kollegen zu ertragen. Meine Identität formte ich mit aller Kraft und nicht minder wurde sie durch die Tatsache geformt, dass ich im Laufe meiner Sängerknabenkarriere sowohl der Chorälteste wurde und als Erster Sopransolist die erste Position in der Rangordnung einzunehmen hatte … der „Schwingerkönig“ war ich vom ersten Tage an in meinem Kreise ohnehin gewesen.

All dies erwähne ich, nicht um in eitler Selbstgefälligkeit mein Curriculum vor aller Öffentlichkeit auszubreiten, sondern um anhand dieser und noch folgender Beispiele zu verdeutlichen, dass durch solcherart prägende Erfahrungen sich die unmissverständliche Erkenntnis aufdrängt, dass aufgrund der eklatanten Unterschiede zwischen eigener Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung durch Andere, es heute eine tatsächlich für unsere Spezies überlebensnotwendige Forderung geworden ist, jegliche fixierende Identitätsbestimmung durch andere Menschen – und gäben sie sich noch so nächstenliebend, zu unterbleiben hat. Überlebensnotwendig deshalb, weil jegliche Fremdbeurteilung und Fremdbestimmung einer Minderheit über eine Mehrheit einzig in die, allenfalls kriegerisch zu nennende Auseinandersetzung führt, ja führen MUSS!

Die individuelle Identität des Menschen, die eigene Würde IST ein unantastbares Gut und wird unter allen Umständen gegenüber jeglichem nicht autorisierten Angriff, jeglichem Versuch von außen definiert oder bestimmt zu werden, mit (im besseren Falle ritualisierter) Gewalt verteidigt werden.
Aus Platzgründen sei an dieser Stelle dazu nur noch angemerkt: Die Spannung zwischen einerseits institutionellem, starrem sozialem Ordnungsgefüge und andererseits beinahe anarchistisch angelegtem und ausgelebtem Sozialverhalten unter Gleichaltrigen ist eine außergewöhnlich identitätsstiftende!

Fünfzehnjährig, pubertierend und sozial völlig einseitig geprägt, wurde ich nach dem Verlassen des Knabeninstituts in jenes gesellschaftliche Umfeld rückgegliedert, welches für die meisten Jugendlichen beiderlei Geschlechts maßgeblich für die lebensbestimmende Ausbildung ihrer persönlichen Identität verantwortlich ist.
Neuorientierung stand im Vordergrund. Doch wonach, nach welchem Vorbild sollte man sich ausrichten?

Um den „Bruch der Identität“ (übernehmen wir diesen Ausdruck ab jetzt ohne weiteren Widerwillen) welcher sich durch das Ablegen der Religion christlicher Prägung, durch die Übernahme islamischer Konzeption zum Ausdruck bringt, besser nachvollziehen zu können, werden noch folgende Begebenheiten erzählt.

Mit siebzehn Jahren musste ich die siebte Klasse des Realgymnasiums wegen schlechter Noten wiederholen. Chemie und Latein hatte ich mit „nicht genügend“ abgeschlossen. Das Verhältnis zu meinem Deutschprofessor drängte an den Rand der Tätlichkeit. Ließ er mich in seinem Fach doch alle Pein erleben, zu welcher ein Professor autorisiert ist, auch wenn er mich knapp passieren ließ. In den beiden folgenden Jahren bis zur Matura hatte ich den selben Chemielehrer und zwei verschiedene Professoren in Deutsch. Und was geschah nun für mich so wesentliches, was tut dies alles hier zur Sache?
In Chemie schloss ich bei eben jenem Lehrer, der mir das Schulleben ein Jahr zuvor zur Hölle gemacht hatte, mit einem „sehr gut“ ab, obgleich ich selbst genau wusste, dass ich um keinen Deut mehr chemisches Wissen hatte, als im Jahr davor. Und in Deutsch, unter beiden, darauf einander folgenden Professoren, wurde ich als außergewöhnlich begabt geführt und meine schriftliche Maturaarbeit wurde bis zum Landesschulrat hochgereicht.

Welch Erkenntnis! Gleiches, eingestandenermaßen völlig mangelhaftes Wissen erzielte bei der gleichen Autoritätsperson völlig willkürliche Beurteilung; gleiches Talent wurde durch verschiedene Autoritätspersonen völlig konträr beurteilt!

Nun die Lehr‘ aus der Geschicht‘, so schwer zu ziehen, war sie für mich nicht.

Es gibt einfach keine absolut verlässliche Orientierung, welche Erwachsene heranwachsenden Jugendlichen zu bieten haben.
Zu sehr spielen persönliche Vorlieben und Abneigungen und Prägungen eine Rolle und zu große, selbstherrliche Macht gibt sich der Große zu Lasten der Kleinen.
Und so beschloss ich von diesem Zeitpunkt an, niemanden mehr ohne meine Zustimmung über meine Identität bestimmen, niemanden mehr über mich urteilen zu lassen. Ich krönte mich selbst zum allein bestimmenden Herrn und Souverän über mein Schicksal.

Aus religiöser Sicht, sei sie christlich oder nicht, welch‘ arrogante, anmaßende Entscheidung, die zur Ausformung einer gelebten Identität führen musste, die in Wahrheit alles, jeden und sich selbst betrügt. Doch was wusste ich damals schon von Religion, was wollte ich damals schon von Religion wirklich wissen? Zu sehr war ich beschäftigt gewesen, mich gegen eine ausschließlich diesseitig ausgerichtete, mir von außen aufgezwungene Identität zur Wehr setzen, um sie beinahe nur gegen eine andere, vom verworfenen Herrn der Welt inspirierte, andere, nicht minder einseitige und ausschließlich diesseitig ausgerichtete Identität einzutauschen.
Doch Gott ist groß und noch viel größer als alles, was der Mensch je erträumen und erdenken könnte.

Und so führte mich in meiner Zeit als Student der Technischen Universität Wien, die meiner Selbstbestimmung absolut überlegene und auferlegte Bestimmung des Herrn aller Welten nach Rom, der alten Stadt, dem spirituellen Zentrum der westlichen Welt, einem der Zentren weltlicher Macht.
Und die Begegnung mit einem Diener des Allmächtigen ließ meine selbsterwirkte Identität in ihren Festen tief erschüttern. Aller Kampf gegen jene, bis anhin mir bewusst nicht vertraute Macht, die man im Deutschen allgemeinen die göttliche nennt, die unerbittlich diese falsche Selbstidentifikation infrage zu stellen und Schritt für Schritt aufzulösen begann – den Kampf dagegen vermochte ich, so sehr ich mich auch bemühte, nicht zu gewinnen. Und wenn ich das Banner der Selbstbestimmung, der konsequenten Befolgung eigener Erkenntnis nicht fahnenflüchtig weit von mir werfen und aufgeben wollte, so blieb mir letztlich – und viele Jahre wogte dieser Kampf – keine andere Wahl, als dieses Banner dem einzig wahren Souverän, besiegt und doch von falscher Identität befreit, ergeben – als Muslim – zu übergeben.

Und so brach ich denn wirklich mit meiner bisherigen einen, selbst ersonnenen Identität, befriedet und in Frieden, und brach auf mit einer neuen, der nun wirklich meinen; einer persönlichen Bestimmung, einer individuellen Identität, die ihre Vitalität und Berechtigung aus dem Willen und der Kraft des Allmächtigen bezieht und mir zu gedeihlichem Gebrauch in diesem Leben verliehen wurde.

Und so versöhnt und (v)erklärt sich zum guten Schluss der leidige Arbeitstitel „gebrochene Identität“ mit dem Bild einer Raupe ganz eigener Art, welche aus selbstgewirktem, wahrlich identitätsbestimmendem, selbstgesponnenem Kokon, hinein in ihr neues, natürliches Dasein bricht, um freudig wiegend im Spiel der Winde, im Wechsel, zwischen aus eigener Kraft und durch fremde Macht durch die Lüfte, durch Raum und Zeit getragen zu werden, sich dem Auftrag befruchtenden Schöpfungswerkes hinzugeben.

Falsche Identität, wie tote Schale bricht, wenn wahres Leben bricht sich seinen Weg zum Licht!

Zitat


Hanspeter Ernst, Herausgeber LAMED hat folgendes geschrieben:
Sie haben einen sehr persönlichen Essay geschrieben, der zum Nachdenken anregt. Denn obwohl persönlich, ist der Artikel exemplarisch, und das ist es, was ich mir von einem Artikel dieser Art auch erwünsche.
Haben Sie herzlichen Dank dafür.
Ihnen alles Gute.

Mit freundlichen Grüssen verbleibe ich Ihr
Hanspeter Ernst

WAS ist POLITISCHER ISLAM?

WAS ist POLITISCHER ISLAM?

Eine Frage von Schweizern an die Muslime. Eine Frage, welche offenbar die Gesellschaften interessiert.
Nicht leicht zu beantworten ist sie überdies, gilt es doch als allgemeines Wissensgut:
“Der Islam trennt nicht Religion von Politik”. Also kann es eigentlich nur politischen Islam geben,oder nicht?
An dieser Stelle soll nun dieser Frage aus muslimischer Sicht, aber auch aus der Sicht jener nachgegangen werden, die als Nichtmuslime herrlich definieren, was unter “politischem Islam” zu verstehen sei.
Beginnen wir mit einer Recherche im Netz: http://hpd.de/node/6849
Ein Buch, ein Titel: Handlungsstrategien des politischen Islamismus.
Der Sammelband, „Politischer Islam im Vorderen Orient. Zwischen Sozialbewegung, Opposition und Widerstand“ enthält allgemeine Analysen und Länderstudien zur Entwicklung des Islamismus.
Ohne lange auf Einzelheiten einzugehen, wird sofort klar und ersichtlich, WIE gedacht, WIE publiziert wird:
“Politischer Islam entwickelt den ISLAMISMUS.”
Man spricht über “politischen Islam” und meint “Islamismus“. Man spricht über Islamismus und meint Islam (politisch oder nicht – aber eigentlich schon …).
Weiter im Zitat:
„Islamisten sind nicht als Akteure sui generis zu begreifen; vielmehr sind sie rationale Akteure, die zwar ihren ideologischen Bezugspunkt in der Religion des Islam finden, unter anderen Aspekten aber durchaus mit ideologisch anders ausgerichteten Gruppen vergleichbar sind.” “Dies gilt insbesondere
für die Deutung des Islamismus als soziale Bewegung, die sich sowohl gegen autoritäre Herrschaft wie gesellschaftliche Probleme richtet.”

Hier bekommen wir das nächste Stichwort, “ideologisch“.

Bitte weiterlesen unter: HIER

10 Jahre nach dem JA zur MINARETTINITIATIVE

Eine Aktion, welche die Verfassung änderte – in der Seele, im Kopf, im Herzen, im Umgang miteinander und first but least – in der Schweizer Rechtsverfassung.

Und vergesst nicht – WTC 7 (die anderen so wie so nicht) wurde nicht gesprengt, sondern … hmmm … irgendetwas und irgendwie hat es bestimmt mit Muslimen zu tun.

Allah (ta) offenbart im Qur’an: […] „Wahrlich, Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes*, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist.“ […] (Sure 13, Vers 11)

* ein allgemeiner Begriff, womit jedes Volk der Erde gemeint ist … nachdem die Welt ein Dorf geworden ist, which US belongs … möge man unsere Zukunft erwägen oder nicht doch lieber in EIGENINITIATIVE (MIT)GESTALTEN … als INDIVIDUUM selbstverständlich und klar als GEMEINSCHAFT … ist doch das EINE ohne das ANDERE weder denkbar noch (er)lebbar. 🙂

Warum fehlt der Mut? Aus ANGST vor Armut und Ausgestoßen sein, vor Folter, Gefängnis und Tod?
Oder gar aus ANGST vor Freiheit von „KONSUMZWANG und KADERGEHORSAM“ und Unabhängigkeit von den „GROSSEN LÜG(N)E(R)N und BETRÜGE(R)N …“?



Obama said: WE CAN – and he/they could not
We do not say: WE CAN – but we could ..
. if we only WOULD

Neue Zürcher Beisetzungsregelung für Muslime

Ab sofort sind das Gemeinschaftsgrab Muslime für die ganz Kleinen wie auch die Mietgräber mit Ausrichtung Mekka für Bestattungen bereit.

Rolf Steinmann, Leiter Bestattungs- und Friedhofamt hat folgendes entschieden:

Beisetzungsanspruch im Gemeinschaftsgrab Muslime für die ganz Kleinen haben

–       Kinder muslimischen Glaubens, deren Eltern in Zürich wohnen. Sie haben Anspruch auf unentgeltliche Leistungen der Stadt gemäss RBF, Art. 19.

–       Kinder muslimischen Glaubens, deren Eltern nicht in Zürich wohnen, (auch ohne Anschlussvertrag), sofern der Aufwand für Grabplatz, Grabarbeiten, administrativer Aufwand und Unterhalt im Voraus bezahlt werden. Die Kosten belaufen sich Total auf Fr. 972.00 (Stand 1.8.2019), aufgeteilt auf Grabplatz Fr. 400.00, einmaliger Unterhalt für die gesamte Grabesruhe Fr. 400.00 und Grabarbeiten Fr. 172.00.

–        In den Mietgräbern mit Ausrichtung Mekka können alle Personen beigesetzt werden, unabhängig des Wohnsitzes. Es gelten die Vorgaben wie bei allen anderen Mietgräbern. Es ist besonders Merkblatt 4 und 7 zu beachten. Für nicht in Zürich wohnhaft gewesene  Verstorbene sind die Kosten vorgängig zu begleichen.

LINK zu den MERKBLÄTTERN

Aktualisierter ONLINE-ZUGRIFF

Im August, 2019

NOTHELFERKURS – NEUE WEBSITE

Habe – mit 62 Jahren die FAHRLEHRERAUSBILDUNG begonnen und stehe nun im PRAKTIKUM und habe den PRAKTISCHEN TEIL der eidgen. Prüfung bestanden und … darf fast ALLES TUN … nur keine schriftliche WERBUNG … daher ruft mich doch an Leute (078 696 98 85), um zu hören, wie wir miteinander arbeiten können.

Die Ausbildung zum NOTHELFERKURS – INSTRUKTOR habe ich abgeschlossen und biete nun diese KURSE im eigenen KURSLOKAL in ZÜRICH – WOLLISHOFEN an.
Sollte sich eine Gruppe ab 5 Personen anmelden, gibt es zusätzlich einen Gruppenrabatt und zusätzlich können wir eigene, individuelle TERMINE vereinbaren.

Kosten: nur 100.- CHF inkl. Ausweis.

Seid doch so lieb und verbreitet diese Botschaft weiter und singt für mich das Werbelied – IHR werdet’s seh’n, das macht Euch und mich bestimmt lustig – froh und heiter.

Und der ERSTE SCHRITT zum FÜHRERAUSWEIS wär‘ dann schon getan.
Also schreibt ein MAIL oder ruft mich an.

Mit besten Grüssen
Euer M. M. HANEL

AKTUALISIERUNG:
Habe mich in die Pension verabschiedet.
Meine Frau SOKAINA, Master in Pflegewissenschaft und ebenfalls NOTHELFERINSTRUKTOR führt die NOTHELFERKURSE weiter.
Bleibt uns treu 🙂

E-MAIL: m.hanel@gmail.com

WEBSITE: https://www.nothelferkurs-hanel.ch
zu den aktuellen TERMINE & zur ANMELDUNG

https://www.nothelferkurs-hanel.ch/leistungen/

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