Archiv der Kategorie: Islam

ALLAH führt den rechten Weg, wen ER will

ALLAH führt den rechten Weg, wen ER will

Lieber Herr Hanel,

schon lange habe ich eine Frage im Zusammenhang mit einem Satz aus dem Koran, für die ich bis jetzt keine Antwort bekommen konnte. Nun habe ich gedacht, auf Sie zuzukommen; vielleicht haben Sie eine Erklärung oder Interpretation dazu.

Der Satz „Gott führt zu seinem Licht, wen Er will“ kommt in verschiedenen Suren vor (z.B. in der Sure des Lichtes und in der Fatiha). Wie ist er genau zu verstehen? Wenn ich ihn so lese, habe ich den Eindruck, dass nur gewisse Menschen „auserwählt“ sind, Gottes Weg zu folgen. Darin sehe ich aber eine Diskrepanz zu den göttlichen Attributen der Liebe und des Erbarmens.

Besten Dank.
Freundliche Grüsse
MLZ

 

Liebe Frau Z.

Herzlichen Dank, dass Sie mein Angebot angenommen haben, gibt dies mir doch die Gelegenheit gleich auf einige wesentliche, doch meist übersehene Fakten hinzuweisen.

Unten finden Sie 2 eindeutige Verse aus dem Qur’an, welche auf Ihre Frage Bezug nehmen. Sie können dies in dem blauen Qur’an den Sie von mir bekommen haben nachlesen (unten ist allerdings meine eigene Übersetzung und daher wird es kleine Abweichungen geben, die aber keinen Einfluss auf den Sinn haben). 
 

1.) Wird klar, warum es für Muslime essentiell ist, dass der Qur’an in Arabisch seine unbedingte Verbindlichkeit behält und jede Übersetzung nur als Interpretation zu erachten ist.

2.) Ist der Hinweis fällig, dass selbst die meisten Muslime auf der Welt NICHT des Arabischen mächtig sind und daher von den Übersetzungen/Interpretationen in ihrem Religionsverständnis abhängig sind.

3.) Sollte gewusst werden, dass viele Muslime welche den Qur’an vollständig auswendig zu rezitieren vermögen, NICHT wissen, welchen Inhalt sie vortragen.

4.) Ist sehr interessant zu wissen, dass die meisten Muslime auf der Welt diese Verse so interpretieren, wie SIE dies aus den Ihnen bislang vorliegenden Übersetzungen bekannt ist.

5.) Noch interessanter ist, dass Arabisch sprechende Menschen überhaupt kein Problem damit haben diese Verse sowohl aktiv – wie passiv (aus der Sicht des Menschen) zu übersetzen, sie jedoch stets die passive mitzuteilen vorziehen … darüber zu sprechen wäre ein eigenes Kapitel.

WAS meine ich mit “passiv”:
„Er lässt in die Irre gehen, wen Er will, und rechtleitet wen Er will“.
Dies ist die gängige Variante, die sprachlich (arabisch) völlig richtig ins Deutsche übersetzt ist. Sie ist aber eben nur EINE
der beiden gleichermaßen arabisch grammatikalisch richtigen Übersetzungen – die, wenn NUR diese Variante gepflegt wird, eben den Eindruck entstehen lässt, Gott wäre ein willkürlich waltender und schaltender Tyrann, der NUR ganz nach Seinem Gutdünken die einen in das Paradies und die anderen in die Hölle schickte.

Dazu ist zu sagen, dass SELBSTVERSTÄNDLICH Gott die ABSOLUTE Herrschafts- und Verfügungsgewalt innehat, die letztlich nicht hinterfragt werden KANN! (Weil absolut!)

Doch vergessen die Menschen, ja die meisten Muslime sogar, dass Gott den Menschen mit einem besonderen Geschenk
begabt hat, durch welchen Er ihn vor aller Schöpfung ausgezeichnet, darf sagen, bevorzugt hat. Nämlich, mit einem freien Willen, der es dem Menschen erlaubt (im Gegensatz zu all anderer Schöpfung) sich Gott willentlich NICHT zu ergeben (alle andere Schöpfung, welche diese Möglichkeit “NEIN” zu sagen nicht hat, gehorcht Gottes Willen, Gesetz, Wort ohne Widerwillen oder Ungehorsam.
ALLES in der “freienwillen-losen” Welt, die Sterne, die Bäume, die Ameisen … einfach ALLES gehorcht dem Befehl, dem Willen Gottes, welche in der Stimme der in den Dingen angelegten physikalischen, biologischen, etc. also umfänglich natürlichen Naturgesetzlichkeit zu den Dingen, Wesen “spricht”.

Dies im Sinne habend, macht es für einsichtig denkende Menschen doch klar, dass oben erwähnte “passive” Übertragung zwar korrekt sein muss, doch eben nicht vollständig sein kann
. Da in den Übersetzungen allerdings DURCHGEHEND diese “passive” Version gebraucht wird … bleibt eine LEERE.
LEIDER wird sie nicht einmal durch Nachfrage von Seiten der Muslime selbst gefüllt.

Diese LEERE wäre natürlich durch eine “aktive
” Variante zu füllen. Doch – überraschenderweise musste auch ich mind. 15 Jahre lang Muslim sein, um sie endlich zu entdecken – da sie, wie gesagt NICHT Bestandteil des gängigen Massenbewusstseins (muslimischen wie nichtmuslimischen) ist.

Was meine ich mit “aktiver” Variante:

„… und rechtleitet den, der [rechtgeleitet werden] will“
Um über das explizite Vorhandensein dieser aktiven Variante überhaupt bewusst zu werden, bedarf es eben der sprachlich einwandfreien Beherrschung des Arabischen.

Der arabische Originaltext ist semantisch so gestaltet, dass BEIDE Interpretationen sprachlich KORREKT sind.

a.) NUR Gott ist als Rechtleitender aktiv … das MUSS das grundlegende Verständnis bleiben, da Gott die absolute URSACHE aller Ursachen ist und der Mensch hat KEINEN Anteil (= passiv) an dieser alleine Gott vorbehaltenen AKTION (der Rechtleitung).

b.) Gott bleibt als Rechtleitender aktiv, doch lässt den Menschen Anteil (= aktiv) daran haben.
(Siehe auch Qur’an 13:11 „… Gott ändert nicht das Schicksal eines Volkes, ehe sie (die Individuen) nicht ändern, was in ihren Herzen ist“.)
Sonst wäre Gott als Machthabender zu bezeichnen, welcher Sein Gnadenschenk (den FREIEN WILLEN), welches Er dem Menschen überließ selbst nicht wertschätzte – und das wäre ja eine höchst UNWÜRDIGE Eigenschaft des über Alles HÖCHSTERHABEN!

Deshalb trifft Gott im Qur’an in ein und der selben Wortfolge zwei einander ergänzende und vervollkommnende Aussagen – indem er in dieser zweiten Bedeutung hervorhebt, dass jene Menschen, welche Gottes Rechtleitung wirklich FREI-WILLENTLICH WOLLEN gewiss auf Sein Wort zählen dürfen – RECHTGELEITET zu werden.


Sie sehen, sehr geehrte Frau Z. – Islam ist ein Feld, welches WOHL bestellt sein will, will man dessen süße Früchte ernten … doch die Kunst des rechten Säens, Kultivierens und Erntens ist selten und sehr kostbar, wenn nicht beinahe unerkannt geworden.

Hoffe mit meinen etwas umfangreich ausgefallenen Darlegungen Ihre Frage genugtuend beantwortet zu haben, isA.

Gerne höre/lese ich wieder von Ihnen.

Mit besten Empfehlungen Muhammad Hanel



14: 4

UND NIEMALS haben Wir einen Gesandten anders entsandt, als [mit einer Botschaft] in seines eigenen Volkes Sprache, damit er ihnen [die Wahrheit] klar machen möge;[1] doch Gott lässt den in die Irre gehen, der [in die Irre gehen] will, und leitet jenen, der [geleitet werden] will – denn Er alleine ist Allmächtig, wahrhaft Weise.[2]


——————————————————————————–

[1] Da jede göttliche Schrift vom Menschen verstanden werden sollte, ist es offensichtlich, dass jede in der Sprache jenes Volkes abgefasst worden sein musste, an welches sich der entsprechende Prophet in erster Linie richtete; und der Qur’an ist trotz seiner universellen Bedeutung – in dieser Hinsicht keine Ausnahme (vergl. die Anmerkung zu 7:158).

[2] Oder: „Gott lässt wen Er will in die Irre gehen und rechtleitet wen immer Er will“. Alle Qur’anischen Referenzen auf Gottes, „den Menschen in die Irre gehen lassen“ müssen vor dem Hintergrund von 2:26-27 verstanden werden – „niemanden lässt Er in die Irre gehen, außer die Unrechtschaffenen, die ihren Bund mit Gott brechen“ (in Bezug auf den letzteren Begriff, siehe die Anmerkung zu Sure 2:27): das soll heißen, dass des Menschen „in die Irre gehen“ eine Folge seiner eigenen Haltungen und Neigungen ist, und nicht ein Ergebnis widriger „Prädestination“ im geläufigen Sinne des Wortes (vergl. die Anmerkung zu 2:7). In seinem Kommentar zu obigem Vers hebt Zamakhshari den Aspekt des menschlichen freien Willens hervor und betont, dass „Gott niemals jemanden in die Irre gehen lässt, außer einen, der, wie Er weiß, niemals zum Glauben gelangen wird; und Er rechtleitet niemanden, außer den, von dem Er weiß, dass Er zum Glauben gelangen wird. Daher bedeutet [der Ausdruck] „in die Irre gehen lassen“, dass „Gott jemanden alleine lässt (takhliyah) und ihm alle Gunst entzieht, wohingegen der Ausdruck „Rechtleitung“, [Seine] Gnadengewährung (tawfiq) und Gunst bedeutet … Daher lässt Er keinen im Stich, außer den, der es verdient, (der es durch seine „unnachgiebige, hals­starrige Leugnung der Wahrheit“, sozusagen selbst „wünscht“ und bedingt; siehe auch den Ausdruck in der deutschen Sprache in Bezug auf das Bedauern nach geschehenem Unglück: „du wolltest es ja nicht anders“; MMH) im Stich gelassen zu werden, und er gewährt Seine Gnade keinem, außer dem, der es verdient (es durch seine Anerkennung der Wahrheit und der Befolgung dessen, was für ihn gut ist, wünscht und bedingt; siehe auch den Ausdruck in der deutschen Sprache: „wer sich selbst hilft (indem er sich an das Richtige hält), dem hilft Gott; MMH) begünstigt zu werden“. In seinem Kommentar zu einem gleichen Ausdruck in 16:93 sagt Zamakhshari: „[Gott] lässt jenen im Stich, der, wie Er weiß, sich [bewusst] dazu entscheidet, die Wahrheit zu leugnen und in dieser [Leugnung] beharrt; … und Er gewährt Seine Gunst jenem, der, wie Er weiß, sich für den Glauben entscheidet: was bedeutet, dass Er die Angelegenheit vom freien Willen [des Menschen] abhängig macht (al-ikhtiyar), (um so entweder [Gottes] Gunst oder die Rücknahme [Seiner Hilfe] zu verdienen … und sie nicht vom Zwang [d.h. Prädestination] abhängig macht, die allen Erwerb [des Menschen] von oben erwähntem ausschlösse.“



16: 93

Denn, hätte Gott so gewollt, hätte Er euch alle zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht;[1] doch, Er lässt den in die Irre gehen, der [in die Irre gehen] will, und leitet den recht, der [rechtgeleitet werden] will;[2] und ihr werdet sicherlich für alles zur Rechenschaft gezogen werden, was ihr getan habt![3]
——————————————————————————–

[1] D.h., durch gegenseitig anerkannte moralische Werte aneinander gebunden. Siehe in diesem Zusammenhang 10:19 und die entsprechenden Anmerkungen dazu. Für eine Erläuterung der Bedeutung von ummah wahidah („eine einzige Gemeinschaft“) und den damit verbundenen Implikationen, siehe die beiden Anmerkungen zu Sure 2:213.

[2] Oder: „Er lässt in die Irre gehen, wen Er will, und rechtleitet wen Er will“. Bezüglich des Problems des freien Willens versus Vorherbestimmung, welches dem Anschein nach in der Lehre von, „den Menschen in die Irre gehen lassen“ oder alternativ „ihn rechtleitet“, mit eingeschrieben ist, siehe die zweite Anmerkung zu Sure 14:4 .

[3] In Anspielung auf die irrtümliche Idee, dass des Menschen gute oder böse Taten – und daher auch seine Neigungen und daraus resultierende Einstellungen – von Gott „vorbestimmt“ wären und nicht wirklich das Ergebnis seines freien Willens wären, rundet Zamakhshari (von mir in der Anmerkung zu Sure 14:4 erwähnt) seine Ansicht hinsichtlich dieser Problematik mit den Worten ab: „Wenn [es wahr ist, dass] Gott [die Menschen] zwingt in die Irre zu gehen, oder alternativ, Seiner Rechtleitung zu folgen – warum sollte Er dann ihre Taten als etwas bestimmt haben, wofür sie Rechenschaft abzulegen haben?“

 

Advertisements

„Genug der Vorurteile! Selber im Koran lesen. – Frauen lesen den Koran“

KUG-Themenabend:
Zusammenfassung: Charlotte CORRODI & Fazilet SENGÜN

„Genug der Vorurteile! Selber im Koran lesen. – Frauen lesen den Koran“

Am letzten Freitag lud die Katholische Uni-Gemeinde Basel mit Sozan Rasuli und Irina Bossart ein zu einem Themenabend über weibliche Lesensarten des Korans.

Zur Einleitung stellten sie uns kurz den Koran, seine Themenkomplexe und Grundbotschaft vor. Die beiden Vortragenden verstehen den Koran als ein spirituelles Buch, welches an frühere Offenbarungen anschliesst und jedoch gleichzeitig auch eigene Akzente setzt. Er soll uns dabei unterstützen, unser Leben auf Gott auszurichten, um innere Vollkommenheit zu erstreben und moralisch zu handeln.

In einem ersten Teil erfuhren wir danach mehr über die Koranexegese (=Koraninterpretation) und Koranhermeneutik (=verwendete Methoden zur Interpretation). Obschon es bereits eine lange Tradition der Koranexegese gibt, liegen erst ab dem 20. Jahrhundert Interpretationen von Frauen (z.B. Zaynab Al-Gazali oder Aischa Ab Dar-Rahman) vor. Bezüglich der Koranhermeneutik war es interessant zu erfahren, wie viele teils sehr unterschiedliche Methoden verwendet werden und dass viele verschiedene Lesearten des Korans autorisiert sind. Es wurde uns dabei vor Augen geführt, dass nach einer Islamischen Sichtweise verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehen können – was ja in der westlichen Sichtweise seit Descartes nicht der Fall ist. Und wir wurden mit Sure 39,18 dazu aufgemuntert „den Koran in bester Absicht zu interpretieren“.

In einem zweiten Teil erfuhren wir mehr über das Thema des Islamischen Feminismus. Zu den Zielen von Islamischen Feministen/Feministinnen zählen eine gendergerechte Gesellschaft, die Wiedererlangung des vom Koran gegebenen Frauenrechts und dass zwischen Religion (Islam) und patriarchalischen Traditionen unterschieden wird. Je nach Ursprungsland ergeben sich natürlich noch andere spezifischere Themen an denen sie arbeiten. Als zwei grosse Islamische Feministinnen wurden uns Amina Wadud und Asma Barlas vorgestellt.

In einem dritten und abschliessenden Teil diskutierten die beiden Vortragenden mit uns noch ein paar Koranstellen, die oft negativ auf Frauen interpretiert werden. Es war sehr spannend zu sehen, dass diese Stellen teils je nach Koranübersetzung respektive je nachdem ob man die umliegenden Verse mit einbezogen hatte, eine gänzlich andere Bedeutung erhalten konnten.

Alles in Allem war es ein spannender, theologisch theoretisch angehauchter Abend, an dem wir so einiges über Koraninterpretationen von Frauen lernen durften.

„Genug der Vorurteile! Selber im Koran lesen. – Frauen lesen den Koran“ (Basel, 7.11.14)

Grundbotschaften des Koran: Der Koran handelt von der Rede von Gott, religiösen Ritualen, ethischen Prinzipien, narrativen Passagen, eschatologischen Passagen. à geistlich spirituelles Buch mit dem Grundanliegen, dass die Menschen das Leben nach Gott ausrichten um innere Vollkommenheit zu erlangen und moralisch gut handeln mit dem Ziel „mit heilem Herzen zu Gott zurückzukehren (26:89)“

Koranexegese
Weibliche Tafsire von

  • Zaynab al Gazali (1917-2005), Kairo, vertritt konservative Auslegung
  • Aischa Abd Al-Rahman (1913-1998), Kairo, Ansatz = Koran ist ein literarisches Werk und dementsprechende Auslegung.

Klassische Methoden der Koranexegese

  1. Vers für Vers interpretieren
  2. Verschiedene Kommentatoren von früheren Zeiten zitieren
  3. Sprachliche Auslegung und eigene Interpretation

Durch das Studieren der Originalsprache des Koran wird klar, dass der Text viel Spielraum zur Auslegung gibt, was im Westen seit Descartes (etwas ist richtig à alles andere ist falsch) nicht immer verständlich ist. Reformtheologen bedienen sich der Unterscheidung zwischen universellen Prinzipien und gesellschaftlichen Situationen (spezifisch z.B. Erbrecht) und die Methode des Idschtihads (keine blinde Nachahmung des Bestehenden).Besprechung der Verse: (4:34-35), (24:31-32), (33:53), (33:59), (40:40)

Ziele des Islamischen Feminismus (wobei zwischen islamischer und muslimischer Feminismus unterschieden wird) sind die Schaffung einer gendergerechten Gesellschaft, Unterscheidung der Religion von patriarchalischen Traditionen und das länderspezifische Arbeiten an frauenbezogenen Themen wie z.B weibliche Richterinnen in Ägypten, oder Gleichstellung von Mann und Frau im Iran. Dabei arbeiten die FeministInnen mit der Grundhaltung: Der Koran selbst steht ausser Zweifel und das Streichen von Passagen wird nicht durchgeführt. Die Strategie beruht sich auf die Neuinterpretation der Schriften; die Aufdeckung der Machtstrukturen; Rechtsgutachten erhalten; auf Protagonistinnen hinweisen und nicht-muslimische Verbündete suchen.

Bei der modernen Koranexegese werden für die Analyse 6 Punkte herbeigezogen, wie zum Beispiel die Verwendung des aufgeklärten Rationalismus; wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Koran hervorheben; literaturwissenschaftliche Auslegung; historisch-kritische Auslegung, thematische Interpretation.

GSIW – NEWSLETTER 95 – November 2014

GSIW100

Sehr geehrte Leser des GSIW – Newsletters                     

Link zur  PDF  Ausgabe August 2014:    http://www.gsiw.ch/newsletter95-11-14.pdf 

Link zur HTML Ausgabe August 2014:   http://www.gsiw.ch/newsletter95-11-14.htm

                                                                                   

GSIW – NEWSLETTER ARCHIV
GSIW –  FORUM
GSIW – HP   KONTAKT: m.hanel@gmail.com  

Inhalt

NEWSLETTER 95 – November 2014     

 POLITIK & RELIGION
– Staatliche Finanzierung für
Religionen
– Islam soll staatlich anerkannt
werden
– Streit um Islam-Zentrum
eskaliert – SVP
– Interreligiöser Tisch in Zürich
– Polit. Plattform für Religionen
– Moslem, der Hammerattacker“
– IS in der ARENA
– Philippinischer Bischof im
Friedensgespräch
– Radikale Stigmatisierung d.
Muslime
– Notrechtliche Verordnung
gegen IS
– Frank A. Meyers Thesen
– ISLAM und unsere (SVP)
Freiheitsrechte

 

VERANSTALTUNGEN
Jugendtreff in Schlieren
– 3-tes innerislamisches Treffen
– Sollen islam. Org. anerkannt
werden?
– Basel, Zentrum kurdischen
Protests
– Frauentreffen Volketswil
– Tag der Offenen Moschee
– Woche d. Religionen
Gesamtprogramm
– Musikreihe zu den
Weltreligionen
– Buchvernisage: „Islam in
Basel“
– Seminar: Aufwachsen in
verschiedenen Religionen
– Religion und Gewalt:
Verantwortung der Medien

 

ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN
– Trost im islamischen Glauben
Hamed Abdel-Samad:
Islamischer Faschismus
– Der Toleranz-Prediger
– «Nicht in meinem Namen»
– Konservative Muslime
verwüsten Moschee
– Reiseführer durch den Basler
Islam überzeugt nur teilweise
– Islamwitze: Alles nu(h)r
Spass, Dieter?
– Kein Sonderschutz für religiös
Beleidigte!
– Darf man den Islam
kritisieren?
– Cat Stevens singt auf seinem
neuen Album wieder als Yusuf
Islam
– Mekka: Viele Schweizer
Muslime müssen draussen
bleiben
– Religiöse Tradition – und
lukratives Geschäft

ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN

– 10. World Islamic Economic
Forum
– Geschäfte mit Allahs Segen
– Muslime steinigen den Teufel
– Juden hoffen auf Vergebung
– 5000 Baklavas gehen in
Dietikon über die Theke
– Wird mein Kind ein
Dschihadist?
– Dounia Bouzar über Jihad-
Kandidaten
– Massimo M. aus St. Gallen ist
entsetzt: «Mein Bruder will für
Allah sterben»
– Islamisten locken junge
Schweizer mit Geld und Sex
– Perspektivlosigkeit fördert
radikalen Islamismus in
Bosnien
– Durch Aufklärung im Internet
Radikalisierung verhindern
– Gespräch mit Mathias Énard
Den Schrecken beklagen,
indem man ihn erzählt
– «Muslime sind die ersten Opfer
der Islamisten»
– «Gefühl, mit Terroristen in
einen Topf geworfen zu
werden, begleitet uns»
– «Wir sind der Schweiz
verpflichtet»
– Radikale Islamisten planen
Auftritt in Freiburg

 

 

 

ISLAM & MUSLIME in den
MEDIEN

– «Es ist ein direkter Aufruf, in
den Jihad zu gehen»
– Schawinski – mit Nicolas
Blancho, Präsident des
Islamischen Zentralrates der
Schweiz
– IS-Vormarsch: IZRS-Präsident
Blancho kritisiert Terrormiliz
Islamischer Staat
– «IS»-Terroristen hetzen auf
Deutsch
– IZRS distanziert sich von
Terror gegen Schweizer
– Islamischer Zentralrat wartet
auf Bewilligung für
Jahreskonferenz
– Jauchs «Quassel-Imam»
kommt in die Schweiz
– IZRS will IS-Supporter in die
Schweiz holen
– Nora Illi und der «Staatsfeind»
– Jetzt spricht der Schweizer
«IS-Jäger»
– «Die al-Qaida ist viel
gefährlicher als die IS»
– «Sie wollten mich exekutieren
wie alle Spione»
– Schweizer Dschihadist
erzählt:´«Im Erdgeschoss
wohnten die Selbstmord-
Attentäter»

IN eigener SACHE

VIOZ Interviews

 

 


I
SLAM & MUSLIME in den MEDIEN

– Frauen im Dschihad:  Nicht nur
romantische Motive
– „Dich werde ich nicht
umbringen, weil du so lieb
bist“
– Wofür es sich zu kämpfen
lohnt
– «Sie beschmutzen das Bild des
Jihad»
– Wie gut ist die Schweiz auf die
Dschihad-Rückkehrer
vorbereitet?
– Islam-Experte: Schweizer IS –
Rückkehrer sind gut
kontrollierbar
– Die Krux mit der islamischen
Friedenstheologie
– Wo Koran und Bibel
aufeinandertreffen
– Zerrissenheit
– Jihadisten als moderne
Verführer
– Die Angst vor der Moschee
Muslime fühlen sich
diskriminiert
– «Immer schwieriger, Ort für
Moscheen zu finden»
– Artikel rund ums KOPFTUCH

Muslime und GSIW Mitglieder schreiben

– Brief von BRUNO STUBER an
den Redakteur der
Sonntagszeitung
– Neue Beiträge unter
http://www.islamheute.ch

Möchten Sie selbst einen Artikel, Kommentare, Anregungen, etc. verfasssen und einer immer größer werdenden Leserschaft zukommen lassen? Senden Sie uns doch Ihre Arbeit zur Veröffentlichung. Möchten Sie den Newsletter nicht mehr weiter erhalten, so antworten Sie auf diese mail mit der Nachricht im Betreff: „newsletter stop“.   Mit besten Grüssen

M.M.HANEL Vizepräsident GSIW
www.gsiw.ch www.islamheute.ch

ISLAM – ISLAMISMUS – FUNDAMENTALISMUS – TERROR

Eine Assoziationskette – fatal & ununterbrochen

Da die Beschäftigung mit dem Islam und dessen Werten vielerorts zunehmend auf undifferenzierte Weise geschieht, sehe ich mich als „Neu-Schweizer“ und Muslim veranlasst, folgende Erklärungen meinen nichtmuslimischen Mitbürgern zur Kenntnis zu bringen und eindringlich ans Herz zu legen. Ich bringe damit nicht nur meine Loyalität und Verantwortung für eine lebenswerte und sichere Schweiz zum Ausdruck, sondern auch meine Besorgnis gegenüber solchen Entwicklungen und Bewegungen, welche den Muslimen unbewusst, aber auch sehr bewusst, grundsätzlich jegliche gesellschafts­politisch positive Beteiligung am Aufbau einer friedlichen, stabilen und prosperierenden Schweizer Eidgenossenschaft absprechen – und damit solcher Entwicklung tatsächlich den Weg verbauen.

Zuerst sei einmal festgehalten, dass ohne ein gemeinsames, gleiches Verständnis der im Dialog verwendeten Begriffe, weder eine verlässliche Kommunikation, noch eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Gesellschaften oder zwischen gesellschaftlich relevanten Gruppen möglich ist.

Daher ist nun mein Anliegen, einige solche, von Muslimen und Nicht-Muslimen widersprüchlich aufgefasste, den gesellschaftlichen Konsens schwer belastende Begriffe aus Sicht eines Muslims darzustellen.

ISLAMISMUS 

Das erste wesentliche Problem mit diesem Begriff welches der Aufdeckung bedarf, ist, dass er, ohne auf einer allgemein gültigen, eindeutigen lexikalischen Definition zu fußen, im Grunde mit dem ISLAM an sich gleichgesetzt ist.
Was, um Gottes willen, soll gemäß normaler Auffassung ein ISLAMIST sein, denn ein Mensch, dessen Religion der ISLAM IST! Und ISLAMISMUS ist jenes Denken, Sprechen und Tun, welches sich aus der Befolgung der islamischen Lehre ergibt.
So wie ein Kapitalist einer ist, welcher das Kapital in das Zentrum seiner Ideologie, seiner Wertschätzung stellt und sein dadurch bestimmtes Denken, Reden und Tun als Kapitalismus bezeichnet wird.

FUNDAMENTALISMUS

Das zweite, ohne Zweifel noch größere Problem liegt darin, dass der Begriff Islamismus in seiner Bedeutung ohne „wenn und aber“ mit Fundamentalismus1 und dieses Wort in seiner Bedeutung mit „Terrorist und Staatsfeind“ gleichgesetzt wird.

Nicht nur westliche Islamwissenschaftler (z.B. Bernard Lewis) bezeichnen den Begriff des Fundamentalismus bezogen auf den Islam als unglücklich und irreführend, da er ursprünglich auf das Christentum bezogen angewendet wurde, wo damit zumeist protestantische Strömungen bezeichnet wurden, die den göttlichen Ursprung der Bibel und ihre Unfehlbarkeit verfechten. (Quelle: Wikipedia)

Nun muss aber klar verstanden werden, dass es im Islam, in der islamischen Gemeinschaft grundsätzlich niemanden gibt, der am göttlichen Ursprung des Qur’ans und seiner Unfehlbarkeit zweifelt und von daher jeder Muslim, also jeder Anhänger des Islam dem Wortsinne nach ein Fundamentalist ist; es – wenn so verbreitet und verstanden – also zur ursprünglichen IDENTITÄT des Muslims gehört, sich wortwörtlich als FUNDAMENTALIST zu sehen oder ein solcher werden zu wollen.

Denn der Begriff „Fundamentalist“ (usuli) wird ja auch schon seit Jahrhunderten in der islamischen Welt verwendet. Das Wort bezeichnet traditionell und im eigenen Verständnis allerdings die Gelehrten der ilm al usul Wissenschaft, die sich mit dem Studium der ursprünglichen Quellen, den Fundamenten islamischen Rechts befassen.

Ist also grundsätzlich jeder Muslim aus seinem eigenen Selbstverständnis gern ein Fundamentalist, so kann er doch mit dem hiesigen Verständnis dieses Begriffes herzlich wenig anfangen und nicht nur das. Sein Denken, sein Streben, welches ihm als selbstverständlich und lobenswert erscheint, lässt ihn sich ganz offen und aber auch sehr subtil als Mörder, Gewaltverbrecher, Staatsfeind, Anarchist und Bombenleger in den Augen der Gesellschaft widerspiegeln und sich in diesen als solchen selbst erkennen.

Muss man wirklich Psychologe, Soziologe, Politologe sein, um zu begreifen, dass eine, in solcher Form gesellschaftlich und individuell umfassend wahrgenommene Un-Gestalt sich weder selbst integrieren noch konfliktfrei integriert werden kann?

Untersucht man die unzähligen privaten oder staatlich propagierten Analysen die Muslime, deren Absichten, Ziele und Motivationen betreffend, ist deutlich festzustellen, dass es für die Muslime ein aussichtsloses Unternehmen darstellt, ständig jeweilige Gegendarstellungen zu platzieren, abgesehen davon, dass diese Richtigstellungen gar nicht angenommen und veröffentlicht würden.

Wie soll und will also ein konfliktminimiertes Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen in unserem Staat ermöglich werden?

Etwa anders, als des Selbstverständnis des anderen zu respektieren, es verstehen lernen zu wollen, einander als Gleiche im Gleichen anzuerkennen und im Guten zu bestärken?
Oder etwa den anderen in Unkenntnis seiner jeweilig eigenen wahrhaften Werte und seines Selbstverständnis zu missachten und ihn für die höllischen Ängste – vor eigener Unvollkommenheit – verantwortlich zu machen?

Eines darf als Abschluss noch gesagt werden. Wenn die westlich orientierte Gemeinschaft wirklich glaubt, dass der real existierende Islam und dessen real existierenden, unter uns lebenden Anhänger nicht mit zivilen, resp. zivilisierten  Mitteln in der hiesigen Gesellschaft zu integrieren sind, so bleibt tatsächlich als einzige Alternative unvermeidlicher Krieg, der keine Gewinner kennt*.

Möge der Allmächtige Schöpfer die Menschen unserer Gesellschaften das für uns Förderliche Seines Wortes erkennen lassen:

Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und ein bestimmtes Vorgehen bestimmt. Und wenn der Allmächtige Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Allah werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins ward.
[Qur’an 5:48]

 

WEITERLESEN unter: http://www.islamheute.ch/Islamismus.htm
Weiterlesen

GSIW Newsletter 93 – September 2014

NEWSLETTER 93 – September 2014 (htm)
NEWSLETTER 93 – September 2014 (PDF)

GSIW – NEWSLETTER ARCHIV
GSIW – FORUM
GSIW – HP   KONTAKT: m.hanel@gmail.com

Inhalt:

POLITIK & RELIGION

– SVP Politiker löst shitstorm aus

VERANSTALTUNGEN

– Sternmarsch in Beinwil
– Symposium
– Gebet der Religionen Baden
– Ummah Day
– FIDS Aufruf zum Totengebet
– Sternmarsch in Beinwil
– Forum der Religionen
– HALAL FOOD
– Asymetrie im interr. Dialog
– Basel zeigt Haltung
– Swiss Muslim Events
– Islam.ch

ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN

– Islamistische Gräuel
– Mord in der Moschee
– Meine Jugend auf dem See
– Moslems wollen mehr Grabfelder
– Oberuzwil Islamisches Zentrum
– Kein Friede in der Friedensgasse
– 2o Minuten bringt 3 Religionen an Tisch
– Muslime können bei Jelmoli beten
– Wirbel um Basler Kinderkrippe
– Antisemitismus war schon immer da
– Antisemitismus auf FB
– Hymne auf Hamas
– WIKI GAZA

IN eigener SACHE

– Kein Zwang zum Glauben

Muslime und GSIW Mitglieder schreiben

– Neue Beiträge unter www.islamheute.ch

ISLAM unter FASCHISMUSVERDACHT

Für den Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad trägt der Islam faschistische Züge. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide bestreitet dies vehement. Ein Streitgespräch. Moderator Norbert Bischofberger SRF.

Hier der LINK zum Radiogespräch: http://www.srf.ch/sendungen/sternstunde-religion/islam-unter-faschismusverdacht

KOMMENTAR:
Lehrstück: „ISLAM = ISLAMISMUS = FASCHISMUS“

Bischofberger: Souveräner Gesprächsleiter.
Abdel-Samad: Kein Theologe, verdreht historische Tatsachen, versaut logische Regeln, sondern absolutistischer, fundamentalistischer, extremistischer Atheist, traumatisiert und über seine Selbstverliebtheit instrumentalisiert.
Khorchide: Argumentativer und wissenschaftlicher Sieger auf (fast) allen Ebenen, zwar auch selbstverliebt (doch seien wir ehrlich, WER dürfte in dieser Lage und Hinsicht wohl den ersten Stein werfen?)

Weitere Info zu Mouhanad Khorchide:
http://muslime.forumprofi.de/thema-anzeigen-dokumentation-und-quot-islam-der-barmherzigkeit-und-quot-t83.html#489

RAMADAN – Ansprache von Farhad AFSHAR (KIOS)

Salam – Ramadan Mubarak,
Friede und gesegneter Ramadan

SEDAGHAT im Ramadan

Ansprache von Farhad AFSHAR KIOS bei einem IFTAR der BMK am 6.7.2014

Ramadan ist der Monat der Sedaghat – der Aufrichtigkeit. Die Gebote des Ramadan unterscheiden sich von allen anderen Geboten dadurch, dass sie auf Freiwilligkeit und moralischer Einsicht beruhen. Niemand ist gezwungen zu Fasten, keine Aufsicht steht hinter den Gläubigen und kontrolliert ob sie nicht im Geheimen rauchen, trinken oder essen. Jeder und jede versucht, so gut es geht, den eigenen Ansprüchen zu genügen. Der Ramadan ist eine Zeit der Besinnlichkeit und der Selbstdisziplin, eine Zeit der Auseinandersetzung mit den eigenen Begehrlichkeiten.

Die Selbstbeschränkung ist aber nur ein Bereich des Friedensmonats, die andere Dimension des Ramadans ist die Anteilnahme am Leben der Familie, der Freunde, der Nachbaren und der Gemeinde.

Das bedeutet der Ramadan ist der Monat der Spiritualität, er ist die Zeit der Empathie: Die Muslime fasten freiwilligum sich in die Situation von Menschen zu versetzten, die gezwungen sind zu hungern. Es ist die Zeit deraktiven Anteilnahme, der Zuwendung, der Bemühung die Bürde unglücklicher Mitmenschen zu lindern.

Ramadan ist auch die Zeit des Friedens. Die Ethik des Ramadans beruht auf Sedaghat – der Aufrichtigkeit. Um der Sedagat, dieser Aufrichtigkeit zu entsprechen, darf ich nun meine folgenden Worte selbstkritisch an uns selbst, an die Muslime, richten.

Es genügt moralisch nicht, wenn wir im Ramadan nur die Fastenregeln einhalten, unsere Gebete verrichten und karitativ tätig sind und dabei das Hauptgebot des Islams übersehen – die Verpflichtung zum Frieden. Wenn wir uns bemühen, angesichts des Ramadans, dem Anspruch der Aufrichtigkeit zu genügen, der erstrebten Sedaghat zu entsprechen, dann müssen wir uns eingestehen, dass unsere schweizerischen Freunde, wie auch unsere Kritiker, Recht haben, wenn sie uns fragen:

Was ist mit den schrecklichen Ausschreitungen, den Exzessen und dem Terror in islamischen Ländern?

Vielleicht genügt es als Antwort an die Medien, und es ist auch politisch korrekt zu sagen, wir Muslime leben in der Schweiz und nicht im Ausland. Diese Aussage genügt aber nicht unserem eigenem Anspruch an Sedaghat, es entspricht nicht der Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber.

Wir wissen, die zentrale Sehnsucht der Muslime im Ramadan ist der Frieden, dafür beten wir jeden Tag. Jedoch ist es ungenügend nur zu fasten, zu beten und zu spenden, ohne uns auch zu vergegenwärtigen und uns einzugestehen- dass Menschen im Namen des Islams grauenhafte Verbrechen begehen – im Namen unserer Religion der Barmherzigkeit – Kriege, Zerstörungen und Vertreibungen organisieren. Wir alle wissen, in unserer Religion Islam, gibt es keine Legitimität um Aggressionskriege durch politische Argumente zu rechtfertigen. Noch strikter gesagt:

Der Islam verbietet Aggressionskriege.

Wie können wir das Brot mit unseren Nachbaren und Freunden teilen, ohne gleichzeitig uns Bewusst zu sein, dass zurzeit viele Menschen durch die grauenhafte Aggression islamischer Söldner ihre Liebsten, ihre Familien und Ihre Heimat verlieren und hunderttausende Flüchtlinge, Muslime, Christen und Minderheiten in Nachbarländern Schutz suchen?

Vielleicht können wir nichts an der politischen Interessenlage ändern, aber als Gläubige können wir klar und unmissverständlicher klären:

1. „Wer den Frieden bekämpft und das Leben der Menschen vernichtet, ist kein Muslim.

2.  Wer Elend und Leid über die Menschen bringt und ihre Würde zerstört, der verliert im Namen des Islamsdas Recht, Mitglied unserer Glaubensgemeinschaft zu sein“.

Wir Muslime verwahren uns dagegen, dass in unserem Namen, im Namen unserer Religion der Barmherzigkeit, Unmenschlichkeit und Gewalt herrschen. Keine Regierung, keine Armee, keine Sicherheitskräfte, keine Miliz, keine Gruppe, kein geistlicher und kein weltlicher Richter und kein gläubiger Muslim hat das Recht im Namen des Islams, die Gewalt der Waffen an die Stelle der Macht des Rechts zu setzen, um Unrecht auszuüben und die Menschen zu entwürdigen.

Wir Muslime erklären entschieden und für jedermann klar und verständlich, wir akzeptieren keine Aggression und Destruktion in unserem Namen, weder mit der Rechtfertigung durch Fortschritt, noch mit der Rechtfertigung durch Demokratie, noch mit der Rechtfertigung durch Menschenrechte und schon gar nicht mit der Rechtfertigung durch Freiheit.

Nichts ist so verwerflich, wie Unterdrückung im Namen der Freiheit und Entwürdigung im Namen der Würde.

Denn der Koran gebietet für uns Muslime in absolut verbindlicher Satzung:

„Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer einenMenschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.“ (Koran 5:32)

Der Koran sagt ausdrücklich nicht, wer einen Muslim tötet, nein, ganz im Gegenteil, klar und verständlich, wer einen Menschen tötet. Das ist ein universelles Gesetz der Menschlichkeit und schützt alle Menschen der Welt. Es ist ein Gebot der existentiellen Solidarität und weltweiten Empathie.

Die nachfolgenden Worte darf ich nun wieder an alle richten, die mit uns Ramadan feiern. Der gesegnete Monat Ramadan gehört nicht nur uns Muslimen. Der Monat der Spiritualität ist ein Geschenk an die Menschheit.

Es ist die Zeit der Besinnung, um in Frieden mit sich selbst, mit der Familie, den Freunden, den Nachbaren, den Muslimen, unseren Schwesterreligionen Judentum und Christentum und den Andersgläubigen, sowie mit allen Menschen, die den Frieden ehren – sich verbunden zu fühlen – und Gott für das herrlichste Geschenk des Lebens- den Frieden – zu danken, denn nur im Zustand des Friedens erfahren wir die innere Sicherheit, das Leben und die Welt als Einheit zu erleben.

Der Friede sei mit Euch und die Gnade Gottes und Sein Segen.

As-salâmu aleikum wa rahmatullâh(i) wa barakâtuh(u).

Farhad Afshar,
KIOS – Koordination Islamischer Organisationen Schweiz

-Interlakenstrasse79, 3705 Faulensee
Tel. 041 33 6542842, 078 830 82 80
KIOS@bluewin.ch
Grussbotschaft zum Ramadan,  anlässlich des gemeinsamen Eftars der BMK –
Basler Muslimkommission, mit dem IRF – Interreligiöses Forum Basel
Klybeckstrasse 1b, 4057 Basel
Basel, den 06.07.2014