Archiv der Kategorie: Islam & Gewalt

Zusammenfassung: Religionen und Gewalt. Die Verantwortung der Schweizer Medien.

Zusammenfassung: Religionen und Gewalt. Die Verantwortung der Schweizer Medien.
Mitschrift: Charlotte CORRODI

November 2014, Universität Basel

Vortrag: Umbruch der Weltpolitik und Umbruch der Medienwelt: Aufklärung, Verantwortung, Gefährdung

  • Roger de Weck (Generaldirektor SRG) Gesprächsleitung
  • Weltpolitik:
    Heute haben wir eigentlich in der Weltpolitik einen „Krisen-/Chaosbogen“, der von der Ukraine über Afghanistan, Libyen nach Schwarz-Afrika führt. Innerhalb dieser Regionen werden Grenzen neu gezeichnet, was bisher jedes Mal zu Blutvergießen und zu einem Verschwinden der Grenzen der Inhumanität führte.
     

    Während es in der Weltwirtschaft aktuell eine klare Tendenz zur Globalisierung gibt, ist in der aktuellen Weltpolitik eigentlich keine klare Entwicklung ersichtlich. Nach den beiden Weltkriegen (in welchen „der Feind/ das Böse“ klar definiert war), wurde nun erst in den Al Qaida Terroristen und dann im IS (beides Organisationen, die eine Art des Terrorismus, welcher sich auf den Islam bezieht, vertreten) ein neuer (sich selbst dazu erklärender) Feind gefunden. Betrachtet man jedoch diesen Konflikt, ist es einerseits wichtig zu beachten, dass die „Islamische Welt“ anders als der Okzident keine Aufklärung kannte, die den Vorrang der kritischen Vernunft über der Religion betont hat (Mohammed Arkoun, Universität de Sorbonne). Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass es sich in erster Linie um einen Kampf innerhalb der „Islamischen Welt“ handelt, der erst in der Entstehung ist.

Medienpolitik:
Mit der Weltpolitik geht (wie mit allen sozialen Umbrüchen) eine Medienrevolution einher. Der Arabische Frühling, der Aufstand der Jugend in der Türkei und die Aufstände in Brasilien anlässlich der Fussball WM gehen einher mit neuen Medien im Internet. Nach dem Monolog (Fernsehen, Radio, Zeitung) wird nun ein Dialog, Interaktivität, möglich. Dadurch entstehen grössere Auswirkmöglichkeiten für jeden einzelnen Bürger während gleichzeitig die reellen Einwirkungsmöglichkeiten kleiner werden. Dies führt zu Spannungen, welche sich momentan v.a. in ärmeren Ländern zeigen, jedoch auch in den reicheren Ländern noch Auswirkungen haben sollten. Es steht also die Interaktivität, Ubiquität, Visualität (Bild+Ton+Text) der Doktrin, Unilateralität gegenüber. Die neugewonnene Visualität kann sich als Entfaltungsmöglichkeit aber auch als Herausforderung für die verschiedenen Religionen herausstellen (z.B. eine Herausforderung für den Protestantismus, der sich stark aufs geschriebene Wort bezieht).

 

  • Weltpolitik und Medienpolitik 
    Wenn man die Europäische Entwicklung vereinfacht anschaut, dann gab es eigentlich immer einen langen Krieg. Danach war die Hälfte der Bevölkerung tot und die andere Hälfte erschöpft. Die Jahre danach blieben friedlich, bis dann 20-30Jahre später der letzte Krieg vergessen war und ein neuer entstand. Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch existierte die totale Katastrophe. Daher lag der Schock einiges tiefer. Zudem leben heutzutage die Menschen länger und erinnern so länger an die negativen Folgen des Krieges. Jetzt aber kommen jedoch erneut Hitzköpfe auf. Zudem gibt es teilweise eine gewisse Sehnsucht nach Doktrinen und man findet überall Fundamentalismus. Den mächtigsten Fundamentalismus stellt heutzutage vermutlich der Amerikanismus dar. Der Islamismus ist in der Hinsicht ein Spezialfall der grossen Fundamentalismen heutzutage, da er sich am direktesten auf eine Religion bezieht. Jedoch kommen solche Fundamentalismen in allen Religionen vor. Daher ist ein guter Dialog wichtig, da es mögliche „Pathologien“ in den Religionen (wie auch der Vernunft) geben kann (Beispiel für einen guten Dialog: Gespräch von Habermas und Ratzinger – gehen nicht auf die schlechtesten, sondern auf die besten Argumente des Kontrahenten ein).
    Ein zweites grosses Problem für den Journalismus ist die Inflation der Medienwelt: es gibt mehr Medien als Botschaften vorhanden sind. Daher wurden Content Provider eingeführt. Denn wer spektakuläre Informationen / Bilder bietet kommt heute an. Es gibt also einen Kampf um Aufmerksamkeit, der zur Kommerzialisierung und Boulevardisierung des Journalismus führte. Aus einer Nachricht (nach der man sich richtet), wurden News (Neuigkeiten) und daraus wurde schlussendlich Content (Inhalt). Der Anteil an wirklich kritischem Journalismus kann heute leider die Balance nicht wieder herstellen.     Auch ist heute vermehrt ein Populismus in den Medien ersichtlich. Nachdem der Kommunismus keine Gefahr mehr darstellte, verhärtete sich der Kapitalismus und liess dem Populismus mehr Platz.
    Der Populismus charakterisiert sich durch: Personalisierung, Vereinfachung, Unterhaltung, Vorliebe für den Konflikt, Bewirtschaftung der Emotionen, Gut vs. Böse, „wir“ vs. „ihr“ (und entspricht somit dem Boulevard). Wer also eine Show will ist gut bedient. Die Medienwelt ist somit ein Spiegel der Gesellschaft, die sie spiegelt
    .

  • Zudem lässt sich heute weltweit eine etwas paradoxe Tendenz beobachten: die Reprovinzialisierung der Medienwelt. Trotz Globalisierung nimmt der Auslandteil in vielen Medien nur einen geringen Platz ein resp. steht nur in brisanten Ausnahmefällen im Mittelpunkt.
  • Es stellt sich daher in diesem Zeitalter eine grosse Herausforderung für den Journalismus. Guter Journalismus besteht im Suchen, Prüfen, in den Zusammenhang stellen, Gewichten, Erklären, Kommentieren und etwaigen Korrigieren von Informationen. In diesem Umbruch, in welchem Religion Politik und Politik Religion beeinflussen kann, ist der Journalismus oft überfordert, da er keine klaren Kriterien zur Einordnung von Informationen findet. So kehrt er zum einfachsten Kriterium um die Welt einzuordnen zurück: Gut vs. Böse / Schwarz vs. Weiss.
  • Mit der Revolution der Weltwirtschaft wurden viele kleine Intermediäre durch einige wenige grosse Globalplayers (z.B. Google) „weggeputzt“. Dies führte zu einer Verunsicherung in der Gesellschaft und auch dazu, dass die Medien heute international tätig sind (z.B. Facebook). Man kann sagen, dass der Ultraindividualismus („ich“) heute gescheitert ist und einem Gruppenegoismus („wir“) Platz machte. 

     

     

     


    Jörg Stolz, Universität Lausanne
    Grundfrage:
    Wie werden Religionen und Religiosität in der Schweiz wahrgenommen 

  • Ich Gesellschaft:
    In den 60er Jahren geschahen einige strukturelle und kulturelle Veränderungen: die religiösen und moralischen Normen brachen zusammen, wodurch eine hohe Wahlfreiheit in allen möglichen Bereichen entstand. Säkulare Optionen machten religiösen Optionen Konkurrenz. Gleichzeitig gab es ein hohes Wirtschaftswachstum. Dadurch entstand ein säkulares Abdriften vieler Personen.
  • Typologie von Religiosität / Spiritualität:

Wahrnehmung von Religion an sich:

Einerseits ist ein Religionsrelativimus bemerkbar: Die Bewohner in der Schweiz haben ein zunehmend distanziertes Verhältnis zur Religion („Grundwahrheiten gibt es in vielen Religionen“). Andererseits zeigt sich eine vermehrt kritische Haltung: Religionen können auch gefährlich sein (z.B. Intoleranz, Konflikte). Daher finden die meisten Personen, dass „man seine Religion nicht zu stark ausleben darf“.

  • „Wir“ vs. „Andere“:
    Die meisten Religionsgemeinschaften grenzen sich von anderen Gruppen ab, um sich selbst zu beschreiben. („Ich als Teil der X mache das so… aber natürlich nicht so wie Y. Die sind komisch.“)

„gute“ vs. „schlechte“ Religionen      Am negativsten werden die Muslime bewertet, welche als gewalttätig, intolerant, fordernd und angsteinflössend wahrgenommen werden. An zweiter Stelle folgen mit einigem Abstand dann die Juden. Die am negativsten bewertete eigene Religion war der Katholizismus, der als veraltet, autoritär und machomässig wahrgenommen wurde.

Die Christen werden am positivsten bewertet, an zweiter Stelle kommen die Buddhisten welche als friedliebend, tolerant und offen gesehen werden. Die Gruppe, welche die Juden am positivsten sieht, sind „institutionelle“ Christen.


Varia:
-Buch mit noch mehr Informationen: Religion und Spiritualität in der Ich – Gesellschaft

Die Stichprobe der Untersuchung bestand nur aus Christen und Konfessionslosen.

Podiumsdiskussion mit den beiden Vortragenden, Janine Dahinden (Transnationale Studien, Migrationsforschung, Universität Neuchâtel),
Samuel M. Behloul (Islam- und Religionswissenschaft, Nationaldirektor von Migratio, Fribourg),
Axel Paul (Soziologe, Universität Basel) und unter der
Moderation von Antonio Loprieno (Rektor der Universität Basel)
:

  • Dahinden: Die Kategorie „Religion“ ist heute wieder viel stärker präsent (wir vs. sie) und gleichzeitig gibt es eine höhere Differenziertheit in Bezug auf die Religion
  • Behloul: 40% der Migranten heutzutage sind Katholiken -> das Problem scheint komplexer zu sein. Einheimische Katholiken finden, dass die eingewanderten Katholiken auf eine altmodische Art und Weise ihren Glauben ausleben. Gleichzeitig finden die eingewanderten Katholiken, dass die einheimischen Katholiken sich eher wie Protestanten bezüglich ihres Glaubens verhalten…
  • De Weck: Unsere Beurteilung der Religionen ist auch abhängig von der neuen Realität der Mediatisierung, der Verbildlichung (welche von Islamistischen Gruppen stark ausgenutzt wird). Diese Verbildlichung steht heutzutage im Kontrast zum bilderlosen Krieg durch Drohnen (Westen, USA), der sehr clean und weit weg wahrgenommen wird und sich durch eine völlig andere Sprache als die der Islamisten kennzeichnet.
  • Stolz: Heutzutage sind erstaunlich viele Menschen bereit ihr Leben für ihre Religion aufs Spiel zu setzen.
  • De Weck: Frage von
    Lopriano: Religion kann mindestens auf drei Arten verstanden werden: als historisches Phänomen, als politisches Phänomen oder als individuelles Phänomen. Der Journalismus fokussiert sich jedoch v.a. auf die Religion als politisches Phänomen. Wieso…? Antwort
    De Weck: Kein Wunder ist das so, denn ein grosser Teil der islamischen Welt befindet sich momentan im Umbruch. Die Religion als individuelles Phänomen ist in den Medien meist mit grossen Persönlichkeiten verbunden (Mutter Theresa, der Papst). Und im geschichtlichen geht es v.a. um Höhen und Tiefen einer Religion (wobei einzig die katholische Kirche als religiöse Grossorganisation bereits auf eine sehr beachtliche Lebensdauer zurückschauen kann).
  • De Weck: (auf die Frage, wie der Islam mehr positive Resonanz erlangen könnte?) Einerseits braucht es heutzutage mehr muslimische Journalistinnen und Journalisten. Andererseits sollte auch in der Fiktion das Einwanderungsland Schweiz besser repräsentiert werden (z.B. in Fernsehserien, Comics, etc.). Das gibt zwar wenig Aufsehen, führt aber zu einer gewissen Normalität. Übrigens kann der Kapitalismus auch als ein Religionsersatz gesehen werden: Der Ökonomismus, bei dem das wirtschaftliche Denken eine Dominanz über alles andere erlangt. Er ist heutzutage ein viel stärkerer Faktor als der Islam.
  • Behloul: Heute haben wir ca. 4.5% Muslime in der Schweiz. Eigentlich sollte der Islam eigentlich keine Gefahr darstellen, sondern eher die Rekatholisierung der Schweiz. Sowohl die Anschläge des 9/11 wie auch die Enthauptungsvideos der IS wurden sehr gut medial aufbereitet. Uns wurde gesagt: „So etwas haben wir noch nie gesehen.“ Das mag sehr wohl stimmen. Gleichzeitig heisst dies jedoch nicht, dass es „so etwas“ wirklich noch nie gab. Zum Beispiel während / nach der französischen Revolution oder im ehemaligen Jugoslawien oder in der ehemaligen Sowjetunion oder an anderen Orten / zu anderen Zeiten kamen ähnliche Ereignisse bereits vor. Es besteht daher eine grosse Verantwortung der Medien (z.B. auch geschichtliche Vergleiche mit anderen ähnlichen Ereignissen wären nötig oder eine Kontextualisierung). Heutzutage wurde teils die Propagandaabteilung der IS zum Content Manager der westlichen Medien. Das sollte eigentlich aber nicht der Fall sein. Wir erhalten so das Gefühl, wir lebten in einer heilen Welt, welche von Aliens/vom „Bösen“ attackiert wird. Die IS hat aber eigentlich nur Export-Ideologien.
  • Dahinden: Heutzutage gibt es über verschiedene Mechanismen eine Islamisierung der Migranten (durch das Verhalten der Normalbevölkerung). Z.B. werden sie ständig darauf hingewiesen Muslime zu sein, was teils dazu führt, dass sie sich mehr mit ihrer eigenen Religion auseinandersetzen.
  • Paul: Bei einer Analyse der Konflikte sollte versucht werden, die Religion so weit als möglich aus dem Spiel zu lassen. Man sollte sich dabei nicht von der Propaganda der IS verführen lassen, da es sich im Konflikt eigentlich um Machtkämpfe handelt. Gleichzeitig sollte das innere Verhältnis von Religion und Gewalt, welches seit jeher in allen Religionen in gewisser Weise besteht, untersucht werden (z.B. Askese, Ektase, Opferkulte, der Kampf gegen das Böse, etc.). Auch könnten die Ausgangsbedingungen die Entstehungsbedingungen/-umstände der Religionen und deren Einfluss auf spezielle politische Theologien einer Religion untersucht werden (z.B. das Christentum ist eine Religion, die sich als Religion im Imperium zu etablieren begann).
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Der Umgang der Religionen mit ihren Fundamentalisten

HERAUSFORDERUNG & VERANTWORTUNG

Der Umgang der Religionen mit ihren Fundamentalisten
Susanne Heine am 2.11.2014 vor dem Interreligiösen Runden Tisch – Zürich

Einleitung

Wer sind sie – unsere und eure Fundamentalisten? Traditionsbewusste, die einen frommen Lebenswandel pflegen, sind nicht schon Fundamentalisten. Und aufgeklärte Geister sind nicht notwendig frei von einem fundamentalistischen Kampfgeist. Wer auf die Fundamente der heiligen Schriften zurückgreift, ist nicht schon ein Fundamentalist; das hat auch die Refor-mation getan. Pietistische, evangelikale, erneuerungsorientierte Gruppen lassen sich nicht mit Fundamentalismus gleichsetzen, grenzen sich selbst oft von einer solchen Zuschreibung ab, können aber in ein fundamentalistisches Fahrwasser geraten.

Hier den gesamten FESTVORTRAG lesen: Susanne_Heine_2-11-2014

 

Ingrid THURNER’s KOMMENTAR in der FURCHE – 6.11.2014

Warum werden hierzulande alle mit muslimischen Wurzeln ohne Unterschied unentwegt aufgefordert, sich öffentlich gegen kriminelle Aktivitäten von Muslimen zu stellen?

Hervorhebungen von M. HANEL (siehe auch: HANEL für VIOZ zu „islamistischen“ GRÄUEL)

Wenn in den letzten Jahren unter dem Integrationstaatssekretariat Kurz und der Innenministerein Mikl-Leitner Diffamierungen des Islam und Pauschalverdächtigungen von Gläubigen abgenommen haben, so erleben sie in den letzten Wochen eine neue Blüte und neue Dimensionen.
Befeuert werden sie von Prominenten der Islamkritik und nicht zuletzt von Leuten mit islamischem Hintergrund wie Necla Kelek und Hamed Abdel-Samad, wobei die Wortspenden von solchen Personen besonders einflussreich sind.
Vielleicht verfolgt der eine oder die andere ja bloß das Ziel, Bücher und Auftritte zu verkaufen, und streitet daher für eine Meinung, die ohne viel Aufwand breite Zustimmung in verunsicherten gesellschaftlichen Gruppen findet. Jedenfalls wird ihren Äußerungen Gewicht beigemessen, weil sie durch das biografische Detail der Abstammung von muslimischen Eltern scheinbar über Expertise verfügen.
Aber warum eigentlich? Warum ist ein Muslim unweigerlich Islamexperte? Gläubige sind noch keine Theologen, eine Jüdin ist keine Judaistin, Hindu und Buddhisten sind keine Religionswissenschaftler. Agnostiker und Atheistinnen sind auch keine Spezialisten, doch um Ex-Angehörige des Islam und sonstige Islam-Hasser herrscht viel Medienrummel, auch wenn sie über keinen wissenschaftlichen Hintergrund oder entsprechende berufliche Praxis verfügen.
Bis vor Kurzem ist von der sogenannten Islam-Kritik und den einschlägig bekannten Boulevard-Blättern die gesamte Religion mit ihren verschiedenen Strömungen als Ganzheit verunglimpft worden. Inzwischen haben alle dazu gelernt. Jetzt wird differenziert. Selbst die unbedarftesten Neulinge wissen, dass IS nicht Mainstream-Islam ist, dass die meisten Angehörigen des Islam im Keller keine Bomben basteln und nicht nach Syrien reisen, um dort als Kanonenfutter der Anti-IS-Allianz den Märtyrertod zu erleiden und sogleich ins Himmelreich aufzufahren.
Die neue Facette der Islamkritik besteht darin, dass Muslime und Musliminnen kollektiv in die Pflicht genommen werden, die terroristischen Gräueltaten zu verurteilen. Terroristen begehen Verbrechen und alle Personen gleichen Glaubens teilen eine Kollektivschuld. Du bist Muslim? Distanziere dich! Das ist Sippenhaftung.Niemand verlangt von allen Staatsangehörigen Österreichs, dass sie sich distanzieren, wenn irgendwo auf der Welt Österreicher Verbrechen begehen. Niemand verlangt von allen Geistlichen, dass sie sich distanzieren, weil es Fälle von Kindesmissbrauch unter Geistlichen gibt. Niemand verlangt von allen Personen eines Namens, dass sie sich distanzieren, weil jemand gleichen Namens krimineller Handlungen verdächtig ist. Niemand verlangt von den Familienangehörigen eines mutmaßlichen Mörders oder Bankräubers, dass sie sich persönlich rechtfertigen.

Aber alle mit muslimischen Wurzeln, praktizierend oder nicht, gläubig oder nicht, werden ohne Unterschied von Bildung, Geschlecht, Beruf und Herkunft unentwegt aufgefordert, sich öffentlich gegen die medial gerade aktuellen kriminellen Aktivitäten von Personen gleichen Glaubens zu stellen.
Dabei gibt es soziologische, politologische, sozialanthropologische und islamwissenschaftliche Forschungsarbeiten, die gesellschaftliche Ursachen dafür geltend machen, dass die gerade hippe Jugendkultur darin besteht, im Nahen Osten den Köpfeabschneidern die Kalaschnikow zu putzen oder andere niedere Hilfsdienste zu leisten, die im Terroristenalltag anfallen. Dass Schulkinder aus Zwängen ausbrechen und dabei in anderen Zwängen landen, ist nichts Neues, auch nicht, dass sie Opfer von Gewaltkulturen werden. Das ist in allen Kriegen zu beklagen.
Es gibt eine gesellschaftliche Verantwortung diesen Minderjährigen gegenüber. Sie liegt darin, ihnen Perspektiven zu bieten. Sie fühlen sich aber an die Ränder gedrängt. Im Alltag erleben sie Anfeindungen, Diskriminierungen und werden grundlos beleidigt. Es fehlt eine Gemeinschaft, die Halt bietet. Da haben die Anwerber leichtes Spiel. Wer ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift “Ich bleib Ghetto” klagt an, nicht zu Unrecht, denn die gesamtgesellschaftliche Verantwortung besteht darin, für deprivierte Jugendliche Strukturen zu schaffen, dass kriminelle Heilsangebote für sie nicht attraktiv sind. Erst dann, wenn solche Strukturen bestehen und angenommen werden, wenn Minderjährige sich ernst genommen fühlen und eine Zukunft mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten vor sich sehen, kann man die Eigenverantwortung der Person einmahnen, zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden.
Die IS-Führung jedenfalls kann mit ihren bisherigen Erfolgen in Europa zufrieden sein. Das Misstrauen, das dem Islam entgegengebracht wird, der Generalverdacht unter den seine Angehörigen gestellt werden, ist genau die Stimmung, die sie braucht, um hierzulande eine fünfte Kolonne zu installieren. Und bekanntlich sind nicht nur Muslime und Musliminnen ihre Zielgruppe für Rekrutierungen und ideologische Unterwanderung.
Ingrid Thurner
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ISLAM – ISLAMISMUS – FUNDAMENTALISMUS – TERROR

Eine Assoziationskette – fatal & ununterbrochen

Da die Beschäftigung mit dem Islam und dessen Werten vielerorts zunehmend auf undifferenzierte Weise geschieht, sehe ich mich als „Neu-Schweizer“ und Muslim veranlasst, folgende Erklärungen meinen nichtmuslimischen Mitbürgern zur Kenntnis zu bringen und eindringlich ans Herz zu legen. Ich bringe damit nicht nur meine Loyalität und Verantwortung für eine lebenswerte und sichere Schweiz zum Ausdruck, sondern auch meine Besorgnis gegenüber solchen Entwicklungen und Bewegungen, welche den Muslimen unbewusst, aber auch sehr bewusst, grundsätzlich jegliche gesellschafts­politisch positive Beteiligung am Aufbau einer friedlichen, stabilen und prosperierenden Schweizer Eidgenossenschaft absprechen – und damit solcher Entwicklung tatsächlich den Weg verbauen.

Zuerst sei einmal festgehalten, dass ohne ein gemeinsames, gleiches Verständnis der im Dialog verwendeten Begriffe, weder eine verlässliche Kommunikation, noch eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Gesellschaften oder zwischen gesellschaftlich relevanten Gruppen möglich ist.

Daher ist nun mein Anliegen, einige solche, von Muslimen und Nicht-Muslimen widersprüchlich aufgefasste, den gesellschaftlichen Konsens schwer belastende Begriffe aus Sicht eines Muslims darzustellen.

ISLAMISMUS 

Das erste wesentliche Problem mit diesem Begriff welches der Aufdeckung bedarf, ist, dass er, ohne auf einer allgemein gültigen, eindeutigen lexikalischen Definition zu fußen, im Grunde mit dem ISLAM an sich gleichgesetzt ist.
Was, um Gottes willen, soll gemäß normaler Auffassung ein ISLAMIST sein, denn ein Mensch, dessen Religion der ISLAM IST! Und ISLAMISMUS ist jenes Denken, Sprechen und Tun, welches sich aus der Befolgung der islamischen Lehre ergibt.
So wie ein Kapitalist einer ist, welcher das Kapital in das Zentrum seiner Ideologie, seiner Wertschätzung stellt und sein dadurch bestimmtes Denken, Reden und Tun als Kapitalismus bezeichnet wird.

FUNDAMENTALISMUS

Das zweite, ohne Zweifel noch größere Problem liegt darin, dass der Begriff Islamismus in seiner Bedeutung ohne „wenn und aber“ mit Fundamentalismus1 und dieses Wort in seiner Bedeutung mit „Terrorist und Staatsfeind“ gleichgesetzt wird.

Nicht nur westliche Islamwissenschaftler (z.B. Bernard Lewis) bezeichnen den Begriff des Fundamentalismus bezogen auf den Islam als unglücklich und irreführend, da er ursprünglich auf das Christentum bezogen angewendet wurde, wo damit zumeist protestantische Strömungen bezeichnet wurden, die den göttlichen Ursprung der Bibel und ihre Unfehlbarkeit verfechten. (Quelle: Wikipedia)

Nun muss aber klar verstanden werden, dass es im Islam, in der islamischen Gemeinschaft grundsätzlich niemanden gibt, der am göttlichen Ursprung des Qur’ans und seiner Unfehlbarkeit zweifelt und von daher jeder Muslim, also jeder Anhänger des Islam dem Wortsinne nach ein Fundamentalist ist; es – wenn so verbreitet und verstanden – also zur ursprünglichen IDENTITÄT des Muslims gehört, sich wortwörtlich als FUNDAMENTALIST zu sehen oder ein solcher werden zu wollen.

Denn der Begriff „Fundamentalist“ (usuli) wird ja auch schon seit Jahrhunderten in der islamischen Welt verwendet. Das Wort bezeichnet traditionell und im eigenen Verständnis allerdings die Gelehrten der ilm al usul Wissenschaft, die sich mit dem Studium der ursprünglichen Quellen, den Fundamenten islamischen Rechts befassen.

Ist also grundsätzlich jeder Muslim aus seinem eigenen Selbstverständnis gern ein Fundamentalist, so kann er doch mit dem hiesigen Verständnis dieses Begriffes herzlich wenig anfangen und nicht nur das. Sein Denken, sein Streben, welches ihm als selbstverständlich und lobenswert erscheint, lässt ihn sich ganz offen und aber auch sehr subtil als Mörder, Gewaltverbrecher, Staatsfeind, Anarchist und Bombenleger in den Augen der Gesellschaft widerspiegeln und sich in diesen als solchen selbst erkennen.

Muss man wirklich Psychologe, Soziologe, Politologe sein, um zu begreifen, dass eine, in solcher Form gesellschaftlich und individuell umfassend wahrgenommene Un-Gestalt sich weder selbst integrieren noch konfliktfrei integriert werden kann?

Untersucht man die unzähligen privaten oder staatlich propagierten Analysen die Muslime, deren Absichten, Ziele und Motivationen betreffend, ist deutlich festzustellen, dass es für die Muslime ein aussichtsloses Unternehmen darstellt, ständig jeweilige Gegendarstellungen zu platzieren, abgesehen davon, dass diese Richtigstellungen gar nicht angenommen und veröffentlicht würden.

Wie soll und will also ein konfliktminimiertes Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen in unserem Staat ermöglich werden?

Etwa anders, als des Selbstverständnis des anderen zu respektieren, es verstehen lernen zu wollen, einander als Gleiche im Gleichen anzuerkennen und im Guten zu bestärken?
Oder etwa den anderen in Unkenntnis seiner jeweilig eigenen wahrhaften Werte und seines Selbstverständnis zu missachten und ihn für die höllischen Ängste – vor eigener Unvollkommenheit – verantwortlich zu machen?

Eines darf als Abschluss noch gesagt werden. Wenn die westlich orientierte Gemeinschaft wirklich glaubt, dass der real existierende Islam und dessen real existierenden, unter uns lebenden Anhänger nicht mit zivilen, resp. zivilisierten  Mitteln in der hiesigen Gesellschaft zu integrieren sind, so bleibt tatsächlich als einzige Alternative unvermeidlicher Krieg, der keine Gewinner kennt*.

Möge der Allmächtige Schöpfer die Menschen unserer Gesellschaften das für uns Förderliche Seines Wortes erkennen lassen:

Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und ein bestimmtes Vorgehen bestimmt. Und wenn der Allmächtige Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Allah werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins ward.
[Qur’an 5:48]

 

WEITERLESEN unter: http://www.islamheute.ch/Islamismus.htm
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UNSER STANDPUNKT – seit eh und je

ISLAMIC SOCIETY OF NORTH AMERICA
P.O. Box 38, Plainfield, Indiana 46168
Tel 317-839-8157 ext. 228
www.Isna.net  or www.Balancedislam.org

Übersetzung und Bearbeitung: M.M.HANEL
http://www.islamheute.ch/Isna.htm

FIQH COUNCIL – RECHTSGUTACHTEN

Gegen Terrorismus und Religiösen Extremismus
M
uslimischer Standpunkt und muslimische Verantwortungen September 2005

http://www.balancedislam.org/FiqhCouncilFatwa.htm

  1. Unsere Position zu Terrorismus

Die Menschheit lebt heute in einer von einander abhängigen und miteinander verbundenen Welt, in welcher ein friedliches und faires gegenseitiges Umgehen, eingeschlossen dem Dialog zwischen und innerhalb der verschiedenen Glaubens­richtungen, ein Muss darstellt. Eine große Bedrohung für uns alle stellt die Geißel des religiösen und politischen Extremismus dar, welcher sich in den verschiedensten Arten der Gewalt, einschließlich Terrorismus manifestiert. Auf Grund des Fehlens einer all­ge­mein verbindlichen Definition des Wortes Terrorismus, kann dieser als jede Form der wahllosen Gewalt gegen unbeteiligte Menschen verstanden werden, ungeachtet ob diese von Einzelpersonen, Gruppen oder Staaten ausgeübt wird.

Als Muslime haben wir die Verantwortung wahrzunehmen, eine eindeutige, auf dem Glauben basierende, rechtschaffene und redliche Position zu dieser Problematik zu beziehen, besonders dann, wenn terroristische Aktionen im Namen des Islam verübt werden. Die Absicht dieses Schreibens ist es, einiges Wesentliche zu diesem Thema zu veröffentlichen, nicht aufgrund äußerlichen Drucks oder der „political correctness“ wegen, sondern aus aufrichtiger Überzeugung heraus, wofür Islam steht. Bislang hat das Fiqh Council of North America (FCNA), eine Islamisch rechtliche Körperschaft, eine Fatwa (religiöser Entscheid) am 28. Juli 2005 herausgegeben, welche die seit langem eingenommene Position zu dieser Angelegenheit bekräftigt und die unmissverständliche Verurteilung von Terrorismus durch die Feststellung zum Ausdruck brachte: „Der Islam verurteilt strikt religiösen Extremismus und Gewaltausübung gegenüber unschuldigem Leben. Der Islam liefert keinerlei Rechtfertigung für Extremismus und Terrorismus“. Festgehalten wurde des Weiteren: „Der Rechtleitung unserer Offenbarung, dem Qur’an und den Lehren unseres Propheten Muhammads – Friede sei mit ihm – folgend, bestätigen die religiösen Vorschriften folgende hervorstechenden Prinzipien:

  1. Alle terroristischen Handlungen, einschließlich solcher, welche gegen das Leben und Eigentum von Zivilisten gerichtet sind, ob sie durch Selbstmordanschläge oder andere Angriffsformen ausgeführt werden, sind haram (verboten) im Islam.
  2. Es ist für einen Muslim haram, mit irgendeiner Person oder Gruppe zu kooperieren, welche mit irgendeiner Form des Terrorismus oder verbotener Gewalt zu tun hat.
  3. Es ist die staatsbürgerliche und religiöse Pflicht alle Möglichkeiten auszuschöpfen, das Leben aller Zivilisten zu schützen und die Sicherheit und das Wohlergehen der Mitbürger zu gewährleisten. Vor nicht allzu langer Zeit wurden ähnliche Verlautbarungen von religiösen Gelehrten und Führern in England, Kanada und Australien veröffentlicht.

Ohne Berücksichtigung der Zulässigkeit der Missstände in Bezug auf Aggression oder Unterdrückung, ist Terrorismus der Inbegriff von Ungerechtigkeit, da er auf unbeteiligte Personen abzielt. Das Ziel rechtfertigt nicht die Mittel und unbeteiligte Bürger sollen niemals den Preis für die Untaten anderer bezahlen oder quasi als Bauernopfer missbraucht werden, militärische oder politische Konflikte auszutragen. Muslime sind durch die qur’anischen Verbote gebunden, welche das Töten unschuldigen Lebens [Qur’an: 5:32; 17:33], als eine der schwersten Sünden im Islam erachten. Darüber hinaus verlangt der Qur’an eindeutig von den Muslimen, gerecht, auch gegenüber Feinden zu verfahren [4:135, 5:8].

  1. Darstellung von damit verbundenen Sachverhalten
  2. Jihad ist nicht mit Terrorismus gleichzusetzen.

Im Gegensatz zu gebräuchlicher fehlerhafter Auffassung und Übersetzungen, bedeutet das Wort Jihad nicht “Heiliger Krieg” oder einen Krieg, welcher durch die Unterschiede in der Glaubensauffassung gerechtfertigt wäre. Das arabische Äquivalent von „Heiliger Krieg“ findet sich nirgendwo im Qur’an. Krieg ist in keiner Weise „heilig“ und wird im Qur’an als eine verhasste Tat beschrieben [2:216]. Der qur’anische arabische Begriff Jihad und seine Ableitungen bedeuten, sich in besonderem Maße anzustrengen und sich zu bemühen. Diese Begriffe werden im Qur’an und den Prophetenaussprüchen, den Ahadith, in drei verschiedenen Zusammenhängen verwendet:

  •   Erstens wird der innere Jihad angesprochen, der Kampf gegen die eigenen Unzuläng­lich­­keiten des Selbst [22:77-78; 29:4-7];
  •   zweitens in Bezug auf einen gesellschaftlichen Jihad oder der gemeinschaftlichen Bemüh­ung um Wahrheit, Gerechtigkeit und Wohlstand [25:52; 49:15]; und
  •   drittens in Bezug auf das Schlachtfeld, oftmals den Begriff Qital (kriegerisches Kämpfen) verwendenden. Dieser kriegerische Jihad ist im Qur’an der legitimierten Selbstverteidigung im Falle unprovozierter Aggression oder als Widerstand gegen schwere Unterdrückung, aus religiöser oder anderer Motivation, gestattet [2:190-194; 22:39-41]. Kein Vers des Qur’an, im korrekten geschichtlichen und textlichen Zusammenhang belassen, erlaubt das Bekämpfen anderer auf Grund deren Glaubens, Rasse oder Nationalität.

Mehrere zwingende Bedingungen müssen erfüllt sein, bevor der kriegerische Jihad begonnen werden darf.

Um mit der „verhassten Tat“ zu beginnen, darf Krieg nur als letztes Mittel, nach dem Scheitern aller anderen Bemühungen begonnen werden.

Weiters kann der Jihad nicht beliebig von Einzelpersonen oder einer Gruppe ausgerufen werden, sondern vielmehr nach eingehender Beratung durch eine legitimierte Autorität.

Und letztlich hat die Absicht der Muslime, welche sich am militärischen Jihad beteiligen, rein und unberührt von persönlichen oder nationalistischen Beweggründen zu bleiben. Außerdem haben für den Kriegsfall die Lehren des Propheten Muhammad – Friede sei mit ihm – und des ersten Kalifen Abu Bakr (r) eindeutige Richtlinien für das Verhalten der Kämpfer am Schlachtfeld festgelegt. Diese Richtlinien verbieten den Angriff auf Unbeteiligte, besonders alte und unbewaffnete Zivilisten, Kinder, Frauen und Geistliche sowie die Zerstörung von Infrastruktureinrichtungen. [Sunan Abi Dawood (Bab Al-Jihad); sowie Tareekh Al-Tabari].

Da Krieg nur als letztes Mittel gegen noch größeres Übel zum Einsatz gelangen soll, ist die allgemeine Regel und das Ideal für muslimisches Verhalten friedvolles Zusammen­leben mit anderen Menschen in Güte und Gerechtigkeit [60:8-9]. Tatsächlich anerkennt der Qur’an die Pluralität, einschließlich religiöser Vielfalt innerhalb von menschlichen Gesellschaften als Teil des göttlichen Schöpfungsplans [10:19; 11:118-119]. Aus diesem Grund ruft Gott zu friedlicher und respektvoller Auseinandersetzung und Rede mit anderen Menschen auf, nicht zu erzwungener Bekehrung, sei dies nun durch Krieg oder andere gewaltvolle Zwangsmaßnahmen [2:256; 3:64; 16:125; 29:46].

Unglücklicherweise propagieren sowohl Extremisten als auch die Gegner des Islams, welche die Bedeutung des Wortes Jihad entstellen, eine falsche Vorstellung über Jihad, indem sie Begriffe wie „Jihadisten“ oder „islamischen Terror“ verwenden oder indem Terroristen sich auf den Jihad berufen. Solche Stereotypen und der Gebrauch von Ausdrücken wie „Islamischer Terrorist“ sind gerade so ungerechtfertigt wie die Bezeich­nung von Timothy McVeigh als „Christlichen Terroristen“ oder zu behaupten, dass Angriffe auf Abtreibungskliniken als „christliche, terroristische Aktionen“ zu bezeichnen wären.

Im Verlauf muslimischer Geschichte passierte es, wie es mit ähnlichen Normen in anderen Gesellschaften und Zivilisationen ebenfalls geschah, dass die oben erwähnten Regeln für den Jihad zu verschiedensten Zeiten und in unterschiedlichstem Maße verletzt wurden. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass die Islamische Lehre weder auf Handlungen einzelner Muslime in der Vergangenheit oder Gegenwart, noch auf vergangene oder gegenwärtige Missinterpretationen zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf die moralischen Prinzipien, welche den ursprünglichen, authentischen islamischen Quellen eingeschrieben sind.

  1. Der Islam erachtet Menschen anderen Glaubens nicht als “Ungläubige” und befürwortet nicht Gewalt gegen sie.

Erstens bezeichnet der Begriff “Ungläubige” in etwa „jemanden, der keinem religiösen Glauben anhängt, einen Atheisten“. Diese Bezeichnung ist mit der qur’anischen Fest­stellung völlig unvereinbar, dass die „Völker der Schrift“, (Juden und Christen) an den gleichen universellen Gott wie die Muslime glauben [29:46]. Darüber hinaus ist „Ungläubiger“ eine falsche Übersetzung des arabischen Wortes „Kafir“, welches wörtlich jemanden bezeichnet, der „etwas verdeckt“ oder „zurückweist“ (einen Glauben, der mit dem eigenen unvereinbar erscheint). Dieser Begriff wird im Qur’an in unterschiedlichem Kontext gebraucht: in neutralem Sinne, wobei Bauern als Kuffar bezeichnet werden, welche die Samen mit Erde bedecken [57:20], in positivem Sinne, wobei das Fehlen jeglichen Glaubens an Gott und die Zurückweisung des Götzendienstes bezeichnet wird [2:256; 60:4]; an anderer Stelle ist damit die Weigerung einen Propheten anzuer­kennen, ohne die Existenz Gott zu leugnen gemeint.

Zweitens wird nirgendwo im Qur’an zur Gewalt gegen jemanden, alleine aufgrund seiner Zurückweisung des Islams, aufgerufen [2:256; 88:21-22; 6:107-108; 42:48]. Sämtliche Verse, welche in diesem Zusammenhang durch eine „cut & paste“ Methodik aus dem Zusammenhang gerissen, zitiert werden (wie 9:5; 29; 123), beziehen sich auf eine bestimmte historische Wirklichkeit, in welcher sich Gruppen oder Völker mit unterschiedlichem religiösem Hintergrund feindselig und aggressiv gegen die im Entstehen begriffene Gemeinschaft der Muslime in der Zeit des Propheten (Friede sei auf ihm) gewandt haben. Das Verständnis dieses geschichtlichen Zusammenhangs und die Anwendung sorgfältiger Textanalyse belassen keinen Zweifel, dass die Erlaubnis zurückzuschlagen nichts mit den religiösen Überzeugungen dieser Gruppen oder Völker zu tun hat, sondern auf deren Aggression und brutale Unterdrückung zurückzuführen ist; sie stellte eine Notwendigkeit für die staatliche Sicherheit dar.

Auch wenn einige Muslime diese eindeutigen qur’anischen Grenzen missachten, liefert der Islam weder eine Rechtfertigung für solche Taten, noch kann er dafür verantwort­lich gemacht werden.

Drittens ist es als hinterlistige und irreführende Taktik zu bezeichnen, ausschließlich auf solche Verse hinzuweisen, welche sich mit den Möglichkeiten legitimer Selbstverteidi­gung befassen und jene Verse des Qur’ans zu ignorieren, die wiederholt und wider­spruchs­frei die Unan­tast­barkeit menschlichen Lebens [5:32], den Respekt menschlicher Würde [17:70], Achtung der Pluralität, einschließlich der Pluralität religiöser Überzeu­gungen [5:48; 11:118], die friedliche Koexistenz mit allen Menschen [60:8-9], allgemeine und vorurteils­lose Gerechtigkeit, selbst dem Feind gegenüber [4:135; 5:8], die Bruderschaft unter den Menschen [49:13] und die Barmherzigkeit gegenüber aller Schöpfung [21:107] betonen. Der Qur’an ist ein zusammenhängendes, in sich schlüssiges Buch und sollte nicht auf zerstückelnde Art interpretiert werden.

iii. Muslime haben sich als verantwortungsvolle Bürger zu verhalten.

Es ist ein wohl begründetes islamisches Prinzip, dass die Bürger einer Nation, unabhängig ihrer religiösen Überzeugung, nicht nur verpflichtet sind, die staatlichen Gesetze einzuhalten, sondern ebenfalls die Sicherheit und Wohlfahrt des Landes zu schützen und zu gewährleisten. Dieser Grundsatz wurde jüngst in verschiedensten Verlautbarungen des Europäischen Ifta` und Forschungsrates wiederholt. Dieser Rat hat die in westlichen Ländern lebenden Muslime und deren muslimische Staatsbürger aufgerufen, dem (Sozial)Vertrag treu verbunden zu bleiben, dem sie als Staatsbürger verpflichtet wurden oder den sie als Bewohner anerkannt haben, da die Erfüllung von Verträgen gemäß Qur’an, Hadith und Konsens der Gelehrten eine religiöse Pflicht darstellt [siehe 5:1, 3:76, 17:34, und der abschließenden Stellungnahme des Rates bei der 11 Versammlung in Stockholm; 22. – 26. Jänner 2003 und der 14. Versammlung in Dublin; 23. – 27. Februar].

Durch Staatsbürger begangene terroristische Aktionen sind zu verurteilen, weil sie sowohl unbeteiligten Menschen Gewalt zufügen, als auch heimtückischen Verrat am Wesen der Staatsbürgerschaft begehen.

  1. iv. Islam verbietet religiösen Extremismus.

Extremismus läuft der qur’anischen Anweisung an die Muslime zuwider, eine gerechte und ausgeglichene Gemeinschaft der Gläubigen (ummatan wasata) zu formen, so dass sie durch das Beispiel ihres Lebens Zeugnis von der Wahrheit vor aller Menschheit abzulegen vermögen [2:143]. Dieser Vers bekräftigt über allen Zweifel erhaben, dass der der muslimischen Gemeinschaft vorgeschriebene Kurs, der ausgewogene Mittelweg ist. Alle extremen Neigungen sind zu vermeiden. Diese Vorschreibungen zur Mäßigung und Ausgeglichenheit werden ständig wiederholt und in weiteren Versen und den Gepflogenheiten und Aussprüchen des Propheten – Friede sei mit ihm – in Hinblick auf die Bereiche des Gottesdienstes, Pflichten gegenüber der Familie, Heirat und andere Angelegenheiten hervorgehoben. Tatsächlich warnte er ganz besonders vor Extremis­mus und Übertreibung in religiösen Dingen (ghulow) und sagte: „Folgt immer dem mittleren Weg, auf welchem ihr euer Ziel erreichen werdet“ (Sahih Al-Bukhari). In diesem Lichte der kennzeichnenden Mäßigung und Toleranz, der Aufnahme der Beiträge anderer Glaubensgemeinschaften und ziviler Gesellschaften ist die Entwicklung zum Erblühen von Kreativität, Wissen und Erfindungen während einiger Jahrhunderte zu sehen, welche einen enormen Einfluss auf die Renaissance ausübte.

  1. Muslime sind ein Teil der universalen Familie der Menschen und sind dem Zusammenleben in Frieden und Gerechtigkeit verpflichtet.

Über die Zurückweisung von Intoleranz und Extremismus hinausgehend, sucht der Islam die Völker verschiedenster Rassen, Nationen und Religionen zusammen zu bringen und überlässt das Urteil religiöser „correctness“ über einen Menschen oder eine Gruppe alleine Gott am Tage des Gerichts (Wiederauferstehung). Wenn der Qur’an über die Bruderschaft im Glauben spricht [49:10], so spricht er im gleichen Kapitel über eine noch weiter gefasste Familie der Menschheit:

O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig.[49:13, siehe auch 30:22]

Beachtenswert ist, dass dieser Vers nicht alleine die Muslime anspricht, sondern vielmehr über den allgemein gehaltenen Begriff “O ihr Menschen”, alle Völker mit einschließt. Er erinnert die Menschheit, dass sie einer einzigen Familie, vom gleichen Elternpaar entstammen, und wenn dies auch eine facettenreiche Familie ist, so ist deren Verschiedenartigkeit vielmehr ein Grund gefeiert zu werden und kein Grund zur Trennung.

Es sollte ebenfalls nicht vergessen werden, dass Verschiedenheit in der Einheit und Einheit in der Verschiedenheit möglich ist. Diese bewegende Feststellung im Qur’an über die große menschliche Familie ist eine profunde Basis für Frieden für und unter allen Völkern.

Über die Bedeutung der gemeinsamen familiären Abstammung der Menschen hinaus­gehend, bestimmt eine grundlegende Regelung das Verhältnis der Muslime mit Menschen anderen Glaubens. Es ist die Bestimmung zu friedlicher Koexistenz, Gerechtigkeit und Mitgefühl [60:8-9]. Dieser Vers verdeutlicht die Pflicht der Muslime ihre Mitbewohner auf der Grundlage von Frieden in Billigkeit (qist) und birr zu behandeln. Der Ausdruck birr und seine Ableitungen bezeichnen im Qur’an und Hadith jenes Verhalten, welchen den Eltern entgegengebracht wird. Solch ein Verhältnis geht über bloße Freundlichkeit hinaus, da sie sowohl Liebe als auch Respekt mit einschließt. Diesen Geist von birr aufzubauen und zu erhalten ist ein Eckpfeiler im Kampf gegen Terrorismus und religiösen Extremismus.

III. Terrorismus und Religiösem Extremismus entgegenzutreten: eine Verpflichtung der Muslime

Es ist für alle Muslime verpflichtend, die korrekte Position gegenüber Terrorismus und religiösem Extremismus darzustellen und aufrecht zu erhalten. Wie die Fatwa von FCNA erklärt, haben wir alle legalen Maßnahmen zu ergreifen, diese Plagen zu bekämpfen. Dies schließt folgendes mit ein.

  • Erziehung und Ausbildung der Muslime, besonders der Führer und Imame in Bezug auf die relevanten islamischen Lehren, gesellschaftliche Belange und zur Aufnahme entsprechender Initiativen gegen Terrorismus und religiösen Extremismus.
  • Verbreitung der „Anti-Terrorismus und Anti-Religiöser Extremismus Fatwa“ von FCNA innerhalb der Gemeinschaft, sie verständlich zu machen und jede Moschee und andere islamische Bildungseinrichtung im Land zur Befürwortung ermutigen.
  • Führer für unislamische Lehren zur Verantwortung ziehen und sie dabei zu ermutigen, Unterweisung von Einrichtungen wie ILDC [ISNA Leadership Development Center] zu beziehen oder Ratschläge von FCNA anzunehmen.
  • Umsetzung von Jugend Programmen, welche die islamische Position zu Terrorismus und religiösem klarstellen.
  • Aufbau und Verstärkung der Beziehungen zu, und Zusammenarbeit mit staatlichen juristischen Exekutivinstitutionen inklusive Bewusstmachungs- und Unterschieds­training.
  • Kontaktaufbau zu nachbarschaftlichen und interreligiösen Einrichtungen, um ein besseres Verständnis füreinander und bessere Kooperation miteinander zu erarbeiten.
  • Allianzen mit nationalen und internationalen islamischen Einrichtungen begründen, um eine globale, geeinte muslimische Plattform und Bewegung gegen Terrorismus und religiösen Extremismus einzurichten.
  1. Aufruf an die Menschen aller Glaubensrichtungen

Im Interesse der Gerechtigkeit und einer Änderung hin zum Besseren, ersuchen wir auch unsere Nachbarn und Freunde anderer Glaubensrichtungen, uns in diesen Bemühungen zu unterstützen, indem sie sich gegen die jüngsten Repressalien gegen Muslime und die weit verbreitete Dämonisierung des Islams aussprechen. Islamophobe Erklärungen und Aktionen strafen und treffen die gesamte, weltweite Gemeinschaft der Muslime für die Handlungen weniger und behindern unsere Bemühungen, eine gemäßigte Sprache, gegenseitiges Verständnis und Frieden zu entwickeln.

Lassen Sie uns aber auch nicht eine kritische und ehrliche Auseinandersetzung in Bezug auf relevante Themen wie Ungerechtigkeit, Unterdrückung und gegenseitige Erniedrigung scheuen, die allesamt fruchtbaren Nährboden für Extremismus, Hass und völlig unsinniger und unüberlegter Gewalt abgeben. Lassen Sie uns erkennen, dass verstehen nicht gleich rechtfertigen bedeutet, denn es gibt absolut keine religiöse, politische oder andere Rechtfertigung für auch nur den geringsten terroristischen Akt. Der Teufelskreis der Gewalt muss in unserer miteinander verknüpften Welt unter­brochen werden und daher müssen wir kooperieren, gegenseitiges Verständnis und konstruktiven Dialog entwickeln, damit wir diese Ziele erreichen. Dies ist die einzige Hoffnung, um wahrhaftigen und echten gegenseitigen Respekt, Gerechtigkeit und Frieden in die Welt zu bringen, so Gott will.

Das Fiqa Council von Nord America (FCNA) und die Islamische Gesellschaft von Nord America (ISNA) ermutigen jede Moschee und jede islamische Institution diese Fatwa als Teil ihrer Positionierung hinsichtlich der wichtigen, die amerikanischen Muslime betreffenden Angelegenheiten zu unterstützen.

Bestätigt und herausgegeben durch die Vereinigte Muslimische Interreligiöse Allianz in Amerika (United Muslims of America Interfaith Alliance, UMAIA)

Relevante Verse aus dem Qur’an

Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach begingen viele von ihnen Ausschreitungen im Land. [5:32]

Und tötet nicht das Leben, das Allah unverletzlich gemacht hat, es sei denn zu Recht. Und wer da ungerechterweise getötet wird – dessen Erben haben Wir gewiss Ermächtigung (zur Vergeltung) gegeben; doch soll er im Töten nicht maßlos sein; denn er findet (Unsere) Hilfe. [17:33]

O ihr, die ihr glaubt, seid auf der Hut bei der Wahrnehmung der Gerechtigkeit und seid Zeugen für Allah, auch dann, wenn es gegen euch selbst oder gegen Eltern und Verwandte geht. Ob der eine reich oder arm ist, so ist Allah beiden näher; darum folgt nicht der persönlichen Neigung, auf dass ihr gerecht handeln könnt. Und wenn ihr aber (die Wahrheit) verdreht oder euch von (der Wahrheit) abwendet, so ist Allah eures Tuns kundig. [4:135]

O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist eures Tuns kundig. [5:8]

Zu kämpfen ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, dass euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Allah weiß es, doch ihr wisset es nicht. [2:216]

O ihr, die ihr glaubt, verneigt euch und werft euch in Anbetung nieder und verehrt euren Herrn und tut das Gute, auf dass ihr Erfolg haben möget. Und eifert in Allahs Sache, wie dafür geeifert werden soll. Er hat euch erwählt und hat euch nichts auferlegt, was euch in der Religion bedrücken könnte, der Religion eures Vaters Abraham. Er (Allah) ist es, Der euch vordem schon Muslime nannte und (nun) in diesem (Buch), damit der Gesandte Zeuge über euch sei und damit ihr Zeugen über die Menschen sein möget. Also verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakah und haltet an Allah fest. Er ist euer Beschützer, ein vortrefflicher Beschützer und ein vortrefflicher Helfer! [22:77-78]

Oder glauben diejenigen, die böse Taten begehen, dass sie Uns entrinnen könnten? Übel ist es, wie sie urteilen. Wer mit Allahs Begegnung rechnet, (der soll wissen, dass) Allahs angesetzte Frist sicher abläuft. Und Er ist der Allhörende, der Allwissende. Und wer da eifert, eifert nur für seine eigene Seele; denn Allah ist auf niemanden von allen Welten angewiesen. Und jene, die glauben und gute Werke tun – wahrlich, Wir werden ihre Übel von ihnen nehmen und ihnen den besten Lohn für ihre Taten geben. [29:4-7]

So gehorche nicht den Kuffar, sondern eifere mit ihm (dem Qur’an) in großem Eifer gegen sie. [25:52]

Die Gläubigen sind nur jene, die an Allah und Seinen Gesandten glauben und dann nicht (am Glauben) zweifeln und sich mit ihrem Besitz und ihrem eigenen Leben für Allahs Sache einsetzen. Das sind die Wahrhaftigen. [49:15]

Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die übertreten. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Töten. Und kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie aber gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Kuffar. Wenn sie aber aufhören, so ist Allah Allverzeihend, Barmherzig. Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung (mehr) gibt und die Religion Allah gehört. Wenn sie aber aufhören, so soll es keine Gewalttätigkeit geben außer gegen diejenigen, die Unrecht tun. Der heilige Monat ist für den heiligen Monat, und für die geschützten Dinge ist Wiedervergeltung (bestimmt). Wer nun gegen euch gewalttätig handelt, gegen den handelt in gleichem Maße gewalttätig, wie er gegen euch gewalttätig war, und fürchtet Allah und wisset, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist. [2:190-194]

Die Erlaubnis, (sich zu verteidigen,) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah – und Allah hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen -, jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: „Unser Herr ist Allah.“ Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs des öfteren genannt wird, niedergerissen worden. Und Allah wird gewiss dem zum Sieg verhelfen, der für Seinen Sieg eintritt. Allah ist wahrlich Allmächtig, Erhaben. Jenen, die, wenn Wir ihnen auf Erden die Oberhand gegeben haben, das Gebet verrichten und die Zakah entrichten und Gutes gebieten und Böses verbieten, (steht Allah bei). Und Allah bestimmt den Ausgang aller Dinge. [22:39-41]

Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Allah liebt die Gerechten. Doch Allah verbietet euch, mit denen, die euch des Glaubens wegen bekämpft haben und euch aus euren Häusern vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben, Freundschaft zu schließen. Und wer mit ihnen Freundschaft schließt – das sind die Missetäter. [60:8-9]

Die Menschen waren einst nur eine einzige Gemeinde, dann aber wurden sie uneins; und wäre nicht ein Wort von deinem Herrn vorausgegangen, wäre zwischen ihnen bereits über das, worüber sie uneins waren, entschieden worden. [10:19]

Und hätte dein Herr es gewollt, so hätte Er die Menschen alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht; doch sie wollten nicht davon ablassen, uneins zu sein. Ausgenommen davon sind jene, derer dein Herr Sich erbarmt hat, und dazu hat Er sie erschaffen. Und das Wort deines Herrn ist in Erfüllung gegangen: „Wahrlich, Ich werde Dschahannam mit den Dschinn und den Menschen insgesamt füllen.“[11:118-119]

Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen. Wer nun an die Götzen nicht glaubt, an Allah aber glaubt, der hat gewiss den sichersten Halt ergriffen, bei dem es kein Zerreißen gibt. Und Allah ist Allhörend, Allwissend. [2:256]

Sprich: „O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Allah.“ Und wenn sie sich abwenden, so sprecht: „Bezeugt, dass wir (Ihm) ergeben sind.“ [3:64]

Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung auf, und streite mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt jene am besten, die rechtgeleitet sind. [16:125]

Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift; es sei denn auf die beste Art und Weise. Ausgenommen davon sind jene, die ungerecht sind. Und sprecht: „Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und Ihm sind wir ergeben.“ [29:46]

Wisset, dass wahrlich das diesseitige Leben nur ein Spiel und ein Zeitvertreib ist und ein Prunk und Geprahle unter euch und ein Wettrennen um Vermehrung von Gut und Kindern. Es gleicht dem reichlichen Regen, dessen Pflanzenwuchs den Säern gefällt. Dann verdorrt er, und du siehst ihn vergilben; hierauf wird er brüchig. – Und im Jenseits gibt es eine strenge Strafe, aber auch Vergebung von Allah und Wohlgefallen. Und das diesseitige Leben ist nichts anderes als eine Nutznießung, durch die man sich betören lässt. [57:20]

Ihr habt bereits ein vortreffliches Beispiel an Abraham und denen mit ihm, als sie zu ihrem Volk sagten: „Wir haben nichts mit euch noch mit dem zu schaffen, was ihr statt Allah anbetet. Wir verwerfen euch. Und zwischen uns und euch ist offenbar für immer Feindschaft und Haß entstanden, (solange,) bis ihr an Allah glaubt und an Ihn allein!“ – abgesehen von Abrahams Wort zu seinem Vater: „Ich will gewiss für dich um Verzeihung bitten, obwohl ich nicht die Macht dazu habe, bei Allah für dich etwas auszurichten.“ (Sie beteten:) „Unser Herr, in Dich setzen wir unser Vertrauen, und zu Dir kehren wir reumütig zurück, und zu Dir ist die letzte Einkehr. [60:4]

So ermahne; denn du bist wahrlich ein Ermahner, du hast aber keine Macht über sie. [8:21-22]

Folge dem, was dir von deinem Herrn offenbart wurde – es ist kein Gott außer Ihm – und wende dich von den Götzendienern ab. Und hätte Allah es gewollt, hätten sie (Ihm) keine Götter zur Seite gesetzt. Wir haben dich weder zu ihrem Hüter gemacht, noch bist du ihr Wächter. Und schmäht die nicht, welche sie statt Allah anrufen, sonst würden sie aus Groll ohne Wissen Allah schmähen. Also lassen Wir jedem Volke sein Tun als wohlgefällig erscheinen. Dann aber werden sie zu ihrem Herrn heimkehren; und Er wird ihnen verkünden, was sie getan haben. [6:106-108]

Kehren sie sich (vom Glauben) ab, so haben Wir dich nicht als deren Wächter entsandt. Deine Pflicht ist nur die Verkündigung. Wenn Wir dem Menschen von Unserer Barmherzigkeit zu kosten geben, so freut er sich über sie. Doch wenn ein Unheil sie um dessentwillen trifft, was ihre Hände vorausgeschickt haben – siehe, dann ist der Mensch undankbar. [42:48]

Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig; [9:5]

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Glauben folgen – von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig den Tribut in voller Unterwerfung entrichten. [9:29]

O ihr, die ihr glaubt, kämpft gegen jene, die euch nahe sind unter den Kuffar, und lasst sie euch hart vorfinden; und wisset, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist. [9:123]

Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet – eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben. [17:70]

Und Wir haben das Buch mit der Wahrheit zu dir herabgesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm da war und darüber Gewissheit gibt; richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat und folge nicht ihren Neigungen, von der Wahrheit abzuweichen, die zu dir gekommen ist. Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Allah werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins waret. [5:48]

Und hätte dein Herr es gewollt, so hätte Er die Menschen alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht; doch sie wollten nicht davon ablassen, uneins zu sein. [11:118]

O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist eures Tuns kundig. [5:8]

O ihr, die ihr glaubt, erfüllt die Verträge. Erlaubt ist euch jede Art des Viehs, mit Ausnahme dessen, was euch (in der Schrift) bekanntgegeben wird; nicht, dass ihr die Jagd als erlaubt ansehen dürft, während ihr pilgert; wahrlich, Allah richtet, wie Er will. [5:1]

O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig. [49:13]

Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten. [21:107]

Wer jedoch seiner Verpflichtung nachkommt und gottesfürchtig ist – siehe, Allah liebt die Gottesfürchtigen. [3:76]

Und tastet nicht das Gut der Waise an, es sei denn zu (ihrem) Besten, bis sie die Reife erreicht hat. Und haltet die Verpflichtung ein; denn über die Verpflichtung muss Rechenschaft abgelegt werden. [17:34]

Dies ist eine Gemeinde der Vergangenheit; ihr wird zuteil, was sie sich erworben hat, und euch wird zuteil, was ihr euch erworben habt. Und ihr werdet nicht für das verantwortlich sein, was jene getan haben. [2:134]

Und unter Seinen Zeichen sind die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden. [30:22]

Hanel, 18.9.05

Der «Islamische Staat» und die Muslime in der Schweiz

B. OSMAN & M.HANEL bei SRF zum Thema GRÄUELTATEN im Nahen Osten

http://www.srf.ch/sendungen/tagesgespraech/der-islamische-staat-und-die-muslime-in-der-schweiz

Die grosse Mehrheit der Schweizer Muslime hat keinen Bezug zu radikalen Organisationen wie dem «Islamischen Staat». Einige wenige aber sind in den Jihad gezogen. Klaus Ammann spricht mit Belkis Osman und Mohammad Hanel von der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich über ihre Situation.

KOMMENTAR:
Schade finde ich nur, dass im Gespräch selbst nicht wirklich explizit darauf hingewiesen wurde, dass mit dem Präsidenten der VIOZ, Mahmoud EL GUINDI, die Vizepräsidentin Belkis OSMAN und die Vorstandsmitglieder Imam HALILOVIC und Muhammad HANEL sich zum Thema nun ausreichend geäussert haben.

Gemeinsame Erklärung der Juden und Muslime in der Schweiz

Im Nachgang zu den kriegerischen Auseinandersetzungen in Israel und Gaza im letzten Sommer haben sich die jüdischen und muslimischen Dachverbände der Schweiz zu einem gemeinsamen Aufruf gegen Gewalt und für Frieden entschlossen.

 

Es gibt keinen Zweifel, dass Muslime und Juden unterschiedliche Ansichten über den israelisch-palästinensischen Konflikt haben. Wir, Juden und Muslime in der Schweiz, anerkennen, dass unsere Gemeinschaften über die Ursprünge, die aktuellen Gründe und die möglichen Lösungen unterschiedlicher Auffassung sind.

Dennoch herrscht zwischen uns in vielen Punkten auch Übereinstimmung. Der Tod von Zivilisten macht uns alle traurig. Der Missbrauch von Zivilisten und ziviler Einrichtungen ist inakzeptabel und widerspricht unseren religiösen  Auffassungen. Wir sprechen uns zudem gemeinsam für ein baldiges Ende des Konflikts und für einen dauerhaften Frieden aus, der für alle gilt.

Trotz der schwierigen Lage im Nahen Osten wollen wir uns weiterhin für gute Beziehungen zwischen unseren Gemeinschaften in der Schweiz einsetzen. Wir dürfen Konflikte im Ausland nicht zu uns hinein lassen, sondern wollen stattdessen Friedensbotschaften in die Welt hinaustragen.

Während jeder das Recht hat, seine politische Meinung zu äussern, sei es bei einer Kundgebung oder in den sozialen Medien, so müssen wir doch immer achtsam sein, wie unsere Protestbekundungen vermittelt werden. Es kann keine Entschuldigung für Rassismus, Antisemitismus, Gewalt oder andere Formen der Einschüchterung geben, wenn solche Ansichten in den Medien, auf der Strasse oder im Internet verbreitet werden.

Wir verurteilen entschieden jede Ausdrucksweise von Juden- und Muslimfeindlichkeit und jede Form von Rassismus. Wir fordern muslimische und jüdische Gemeinschaften in der Schweiz dazu auf, ihre Bemühungen zu intensivieren, um die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen zu ermöglichen.

Wir brauchen einen konstruktiven Dialog, um unsere Meinungsverschiedenheiten einzudämmen und um ein möglichst breites Spektrum von Bereichen der Zusammenarbeit definieren zu können. Es gibt mehr Themen, die uns verbinden als solche, die uns trennen. In diesem Sinne sprechen wir uns auch für Hoffnung und Frieden in der Welt aus.

 

Für weitere Anfragen:

Dr. Herbert Winter, Präsident SIG (+41 79 206 67 03)
Nicole Poëll, Präsidentin PLJS (+41 79 404 22 10)
Dr. Hisham Maizar, Präsident FIDS (+41 79 406 69 55)
Dr. Farhad Afshar, Präsident KIOS (+41 78 830 82 80)

Dies ist eine gemeinsame Erklärung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) sowie der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz (FIDS) und der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (KIOS).

 

Anmerkungen von Muhammad HANEL …:
Der Tod von Zivilisten empört mich zuallererst und dann macht mich traurig.
Es kann nicht nur keine Entschuldigung für Rassismus, Antisemitismus – sondern auch keine für „Muslimophobie“ geben!
Ich und mit mir manch Andere fordern nicht nur jüdische und muslimische Gemeinschaften in der Schweiz dazu auf, ihre Bemühungen zu intensivieren, um die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen zu ermöglichen – sondern auch die säkulare Gesellschaft und die classe politique!

Ansonsten ein gelungenes Papier – Dank an die Initianten!