Archiv der Kategorie: Islam & Politik

GSIW Newsletter 93 – September 2014

NEWSLETTER 93 – September 2014 (htm)
NEWSLETTER 93 – September 2014 (PDF)

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Inhalt:

POLITIK & RELIGION

– SVP Politiker löst shitstorm aus

VERANSTALTUNGEN

– Sternmarsch in Beinwil
– Symposium
– Gebet der Religionen Baden
– Ummah Day
– FIDS Aufruf zum Totengebet
– Sternmarsch in Beinwil
– Forum der Religionen
– HALAL FOOD
– Asymetrie im interr. Dialog
– Basel zeigt Haltung
– Swiss Muslim Events
– Islam.ch

ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN

– Islamistische Gräuel
– Mord in der Moschee
– Meine Jugend auf dem See
– Moslems wollen mehr Grabfelder
– Oberuzwil Islamisches Zentrum
– Kein Friede in der Friedensgasse
– 2o Minuten bringt 3 Religionen an Tisch
– Muslime können bei Jelmoli beten
– Wirbel um Basler Kinderkrippe
– Antisemitismus war schon immer da
– Antisemitismus auf FB
– Hymne auf Hamas
– WIKI GAZA

IN eigener SACHE

– Kein Zwang zum Glauben

Muslime und GSIW Mitglieder schreiben

– Neue Beiträge unter www.islamheute.ch

Der «Islamische Staat» und die Muslime in der Schweiz

B. OSMAN & M.HANEL bei SRF zum Thema GRÄUELTATEN im Nahen Osten

http://www.srf.ch/sendungen/tagesgespraech/der-islamische-staat-und-die-muslime-in-der-schweiz

Die grosse Mehrheit der Schweizer Muslime hat keinen Bezug zu radikalen Organisationen wie dem «Islamischen Staat». Einige wenige aber sind in den Jihad gezogen. Klaus Ammann spricht mit Belkis Osman und Mohammad Hanel von der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich über ihre Situation.

KOMMENTAR:
Schade finde ich nur, dass im Gespräch selbst nicht wirklich explizit darauf hingewiesen wurde, dass mit dem Präsidenten der VIOZ, Mahmoud EL GUINDI, die Vizepräsidentin Belkis OSMAN und die Vorstandsmitglieder Imam HALILOVIC und Muhammad HANEL sich zum Thema nun ausreichend geäussert haben.

Gemeinsame Erklärung der Juden und Muslime in der Schweiz

Im Nachgang zu den kriegerischen Auseinandersetzungen in Israel und Gaza im letzten Sommer haben sich die jüdischen und muslimischen Dachverbände der Schweiz zu einem gemeinsamen Aufruf gegen Gewalt und für Frieden entschlossen.

 

Es gibt keinen Zweifel, dass Muslime und Juden unterschiedliche Ansichten über den israelisch-palästinensischen Konflikt haben. Wir, Juden und Muslime in der Schweiz, anerkennen, dass unsere Gemeinschaften über die Ursprünge, die aktuellen Gründe und die möglichen Lösungen unterschiedlicher Auffassung sind.

Dennoch herrscht zwischen uns in vielen Punkten auch Übereinstimmung. Der Tod von Zivilisten macht uns alle traurig. Der Missbrauch von Zivilisten und ziviler Einrichtungen ist inakzeptabel und widerspricht unseren religiösen  Auffassungen. Wir sprechen uns zudem gemeinsam für ein baldiges Ende des Konflikts und für einen dauerhaften Frieden aus, der für alle gilt.

Trotz der schwierigen Lage im Nahen Osten wollen wir uns weiterhin für gute Beziehungen zwischen unseren Gemeinschaften in der Schweiz einsetzen. Wir dürfen Konflikte im Ausland nicht zu uns hinein lassen, sondern wollen stattdessen Friedensbotschaften in die Welt hinaustragen.

Während jeder das Recht hat, seine politische Meinung zu äussern, sei es bei einer Kundgebung oder in den sozialen Medien, so müssen wir doch immer achtsam sein, wie unsere Protestbekundungen vermittelt werden. Es kann keine Entschuldigung für Rassismus, Antisemitismus, Gewalt oder andere Formen der Einschüchterung geben, wenn solche Ansichten in den Medien, auf der Strasse oder im Internet verbreitet werden.

Wir verurteilen entschieden jede Ausdrucksweise von Juden- und Muslimfeindlichkeit und jede Form von Rassismus. Wir fordern muslimische und jüdische Gemeinschaften in der Schweiz dazu auf, ihre Bemühungen zu intensivieren, um die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen zu ermöglichen.

Wir brauchen einen konstruktiven Dialog, um unsere Meinungsverschiedenheiten einzudämmen und um ein möglichst breites Spektrum von Bereichen der Zusammenarbeit definieren zu können. Es gibt mehr Themen, die uns verbinden als solche, die uns trennen. In diesem Sinne sprechen wir uns auch für Hoffnung und Frieden in der Welt aus.

 

Für weitere Anfragen:

Dr. Herbert Winter, Präsident SIG (+41 79 206 67 03)
Nicole Poëll, Präsidentin PLJS (+41 79 404 22 10)
Dr. Hisham Maizar, Präsident FIDS (+41 79 406 69 55)
Dr. Farhad Afshar, Präsident KIOS (+41 78 830 82 80)

Dies ist eine gemeinsame Erklärung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) sowie der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz (FIDS) und der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (KIOS).

 

Anmerkungen von Muhammad HANEL …:
Der Tod von Zivilisten empört mich zuallererst und dann macht mich traurig.
Es kann nicht nur keine Entschuldigung für Rassismus, Antisemitismus – sondern auch keine für „Muslimophobie“ geben!
Ich und mit mir manch Andere fordern nicht nur jüdische und muslimische Gemeinschaften in der Schweiz dazu auf, ihre Bemühungen zu intensivieren, um die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen zu ermöglichen – sondern auch die säkulare Gesellschaft und die classe politique!

Ansonsten ein gelungenes Papier – Dank an die Initianten!

ISLAM unter FASCHISMUSVERDACHT

Für den Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad trägt der Islam faschistische Züge. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide bestreitet dies vehement. Ein Streitgespräch. Moderator Norbert Bischofberger SRF.

Hier der LINK zum Radiogespräch: http://www.srf.ch/sendungen/sternstunde-religion/islam-unter-faschismusverdacht

KOMMENTAR:
Lehrstück: „ISLAM = ISLAMISMUS = FASCHISMUS“

Bischofberger: Souveräner Gesprächsleiter.
Abdel-Samad: Kein Theologe, verdreht historische Tatsachen, versaut logische Regeln, sondern absolutistischer, fundamentalistischer, extremistischer Atheist, traumatisiert und über seine Selbstverliebtheit instrumentalisiert.
Khorchide: Argumentativer und wissenschaftlicher Sieger auf (fast) allen Ebenen, zwar auch selbstverliebt (doch seien wir ehrlich, WER dürfte in dieser Lage und Hinsicht wohl den ersten Stein werfen?)

Weitere Info zu Mouhanad Khorchide:
http://muslime.forumprofi.de/t83f37-Dokumentation-quot-Islam-der-Barmherzigkeit-quot.html

Weitere INTERVIEWANFRAGEN … distanziert Euch!

STIMMEN von gemässigten Muslimen kommen nicht GENUG zu WORT

Guten Tag Herr Hanel

Da die Stimmen der gemässigten Muslime offenbar nicht genug zu Wort kommen (oder gehört werden), möchte ich diese Thematik – gerade auch im Bezug auf Syrien/Irak – gerne noch mit Stimmen von VIOZ ergänzen.

(Wann) können Sie sich ein solches Gespräch (zur Aufzeichnung) vorstellen?

Mein letztes persönliches Treffen in Zusammenhang mit VIOZ fand an einem Tag der offenen Moschee statt und ich habe damals noch mit Fatih Dursun gesprochen.

Freundliche Grüsse
Radio Life Channel

Georg Hoffmann
Redaktor, Chef vom Dienst
ERF Medien – www.erf.ch | www.lifechannel.ch | tv.erf.ch
Witzbergstrasse 23 | CH-8330 Pfäffikon
Tel.: +41 44 953 35 60 | Fax: +41 44 953 35 02 | E-Mail:
georg.hoffmann@lifechannel.ch

Gesendet: Mittwoch, 03. September 2014 um 18:45 Uhr
Von: „M.M.Hanel“ <m.hanel@gmail.com>
An: „Georg Hoffmann“ <georg.hoffmann@lifechannel.ch>
Cc: „VIOZ Googlegroups“ <vioz@googlegroups.com>
Betreff: [vioz-group:1474] Re: Anfrage Life Channel

Guten Tag Herr Hoffmann

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:

Bedanke mich für Ihre Anfrage und erlaube mir einige einführenden Worte zur muslimischen Sicht der “Thematik” wie Sie dies nennen.Es ist NICHT unbedingt so, dass “gemässigte Muslime” nicht genug zu Wort kommen oder gehört werden.
Es ist vielmehr – oder zumindest – ebenso, dass Schweizer Muslime zu OFT (auf unpassende Art) gehört werden WOLLEN!

1. STANDPUNKTE sind KLAR, KOMMUNIZIERT und UNVERÄNDERT
Die Muslime und ALLE ihre Verbände haben sich in den letzten JAHREN stets mit gleicher Deutlichkeit UND Aufrichtigkeit zum Thema Gewalt, Politik, Religion, Recht und Staatstreue in der Schweiz geäussert.
Ihre Standpunkte und Ansichten haben sich NICHT geändert. Daran hat nicht einmal die unwürdige Antiminarettinitiative etwas zu ändern vermocht.
Vorkommnisse im Ausland hatten EBENSO keinerlei Einfluss darauf, an ihren klaren Prinzipien festzuhalten, welche die Rechtsstaatlichkeit aufrecht zu erhalten haben.

2. Muslimische Interessen sind auf INLÄNDISCHE Geschehnisse fokussiert
Die Muslime in der Schweiz und deren Dachverbände haben keinerlei Prioritäten (die Situation in Gaza ist seit Jahrzehnten die Ausnahme) oder Interesse, Geschehnisse im Ausland zu kommentieren.
Die Gründe liegen auf der Hand. Heterogenität der Gemeinschaften in der Schweiz, völlig unterschiedliche politische Einstellungen, überdurchschnittlich stark mit der Alltagsbewältigung, mit der ordentlichen Etablierung und Integration in der hiesigen Gesellschaft befasst (das ALLEINE überschreitet die Kapazitäten der meisten), KEINERLEI Einfluss auf die Geschehnisse im Ausland, daher auch kein Interesse sich überall dort einzumischen oder zu Wort zu melden, wo die westliche Presse ihre “islamistisch” gefärbten SPOTS hin leuchten lassen.

3. Muslime SIND wie alle anderen auch, „NORMAL“ empfindende Menschen
Muslime empfinden es mehr als befremdend, ständig darüber Auskunft geben zu sollen oder gar zu “MÜSSEN”, dass sie GENAUSO wie andere, normal empfindende Menschen auch, angewidert von Berichten über Massenexekutionen von und Morden an Zivilisten und anderen Gräueltaten sind.

4. Muslime verlangen KEINE Distanzierung von christlichen MITBÜRGERN
Mindestens genauso befremdend aber empfinden es die Muslime in der Schweiz (und natürlich nicht nur hier), dass nicht erkannt, verstanden und respektiert wird, dass sie selbst NIE von “Christen” in unserem Land (wer immer dies sein mag – gibt es doch auch in der christlichen Gemeinschaft höchst unterschiedliche Gemeinschaften) lautstark eine Distanzierung verlangt haben oder verlangen, wenn Massaker an Muslimen verübt wurden oder werden.
Erst wenige Monate ist es her, dass in Zentralafrika “Christen” ihre muslimischen Nachbarn, Zivilisten mit schockierender Barbarei, Brutalität und Unmenschlichkeit auf offener Strasse und in ihren Häusern erschlagen, erstochen und sonst wie bestialisch ermordet haben.

Auch übersehen die Muslime nicht nur in der Schweiz nicht, dass die Christen in “God’s own Country” oder salopp gesagt das “christliche Amerika” in völkerrechtswidrigen brutalen Angriffen und Politik unsagbares Leid und flächendeckenden Tod in die muslimischen Länder, u.a. den Irak getragen haben und damit die umfänglich katastrophale Lage in der Region eingeleitet und massgeblich verursacht haben! Auch das “christliche” Massaker in Bosnien bleibt nicht vergessen – und erst recht nicht, dass all diese Geschehen OHNE Distanzierung der “christlich-jüdischen” Kultur- und Wertegemeinschaft (um dieses unsägliche Vokabel zu gebrauchen), ja mit deren Zustimmung über die Bühne gingen und gehen!

Warum verlangen die Muslime keine Distanzierung und Verurteilung dieser Verbrechen von den christlichen VEREINEN in der Schweiz?
Vielleicht weil sie wissen, dass die Schweizer Christen keinen wirklichen Anteil an diesen Geschehnissen haben und weil sie in ihrer „gemeinsamen Ohnmacht” viel mehr auf gemeinsame Bemühungen IN und FÜR die Schweiz zu setzen und sich zu engagieren bereit sind?

Sehr geehrter Herr Hoffmann

Bei diesen EINLEITENDEN Worten will ich es vorerst belassen und sie noch auf drei Interviews hinweisen, die ich zu dieser Thematik bereits gegeben habe. Quelle www.gsiw.ch :

Was tun gegen IS? – HANEL für annabelle

Stellungnahme zu „islamistischen“ GräuelHANEL für KIPA

Stellungnahme zu „islamistischen“ Gräuel – KIOS & FIDS

Ein „schräges“ NZZ Interview – HANEL
«Man darf muslimischen Eltern ihre Erziehungsrechte nicht verweigern»
Sollten Sie Interesse haben, ein Gespräch in DIESE Richtungen mit mir zu führen und von den bislang bewusst und/oder unbewusst gehegten Klischees Abstand nehmen zu wollen, sehe ich Ihren dementsprechenden schriftlichen Fragen gerne entgegen und will einen Termin für eine Audioaufzeichnung mit Ihnen suchen.

Mit der Erwartung, dass offene Worte das journalistische Interesse und nicht politische Ablehnung provozieren, verbleibe ich mit
freundlichem Gruß
M. Hanel
Medienverantwortlicher VIOZ

Wie erwartet, kam KEINE weitere Anfrage von der Redaktion

 

WAS tun gegen IS?

INTERVIEW mit ANNABELLE

Lieber Herr Hanel
Ich arbeite für die Zeitschrift annabelle an einem Beitrag über den Widerstand von Muslimen gegen den IS und andere extremistische Terrorgruppen, wie etwa Boko Haram und Al Kaida. Tatsache ist, dass die Gräueltaten dieser extremistischen Gruppen im Namen des Islam begangen werden, etwas, das Musliminnen und Muslime in aller Welt schockiert und abstösst. Man weiss aber auch, dass gerade der islamische Extremismus auf viele Jugendliche anziehend wirkt, auch auf Jugendliche in der Schweiz.
Mir liegt es nun daran zu erkunden, wie muslimische Würdenträger und Vorsteher von Organisationen und Vereinen gegen den islamischen Extremismus ankämpfen. Inwiefern wird die unglaubliche Gewalt, die von Extremisten verübt wird, in Moscheen und /oder während des Religionsunterrichts diskutiert und verurteilt? Wie werden junge Menschen, die radikale Tendenzen aufweisen, aufgefangen? Inwiefern wird analysiert, warum der Islam heute zu derartiger Gewalt verleitet?
Ich bereise als Journalistin seit Jahren den arabischen Raum und setze mich mit Fragen zu Wirtschaft, Politik und Religion, besonders aber auch mit dem Alltagsleben der Menschen auseinander.
Sehr gerne können wir diese Fragen persönlich oder telefonisch besprechen, oder, falls nicht anders möglich, via Email
Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Lieber Gruss
Helene Aecherli, 19.8.2014

 

–          Wie wird die unglaubliche Gewalt, die von Extremisten wie den IS verübt wird, in Moscheen und /oder während des Religionsunterrichts diskutiert?

HANEL: Mit Erschrecken und Verunsicherung – vor allem deshalb, weil man durch die Tatsache, dass völlig eskalierte, grauenhafte  Dinge unter der Flagge des Islam geschehen in der Öffentlichkeit als potentiell „Mitschuldige“ oder „Mitträger“ gilt und in (der Öffentlichkeit und) den Medien derart dargestellt wird.  Mit Verärgerung und in grossem innerem Aufruhr  – weil man durch ständig wiederholte Aufforderungen sich von dieser Gruppe und deren Verbrechen zu distanzieren, nebst der unterschwelligen Unterstellung der Komplizenschaft  vor allem auch – seitens der vorgeblichen Muslime – in Bezug auf die Entstellung des Islam, in dem wir unsere Hoffnung und moralische und ethische Erfüllung finden, durch eine Gruppe großenteils unreflektierter, undifferenzierter, ungebildeter und irregeleiteter Haudegen, Hasardeure, Mörder und Totschläger betroffen ist.

Allerdings haben solche Ereignisse auch das Potential, uns zu alarmieren und somit unseren Willen zur theologischen und intellektuellen Richtigstellung in Wort und Tat sowie zur persönlichen Selbstreflektion zu aktivieren.

 

–          Wie werden junge Menschen, die extremistische Tendenzen aufweisen, aufgefangen?

HANEL: Es gibt kaum andere Möglichkeiten, als solcherart gefährdete Menschen mit aller Deutlichkeit auf die wahren religiösen Werte im Islam hinzuweisen und ihnen eindringlich ans Herz zu legen  diese zu verinnerlichen und auszuleben, anstatt sich durch brandgefährliche politische Parolen auf verwerflichen Weg verführen zu lassen. Das Problem dabei ist, dass die politische Großwetterlage und ihr destabilisierender Einfluss auf die gesunde islamische Befindlichkeit weltweit dazu angetan ist, auf undifferenzierte „schwarz-weiss, Freund-Feind Zeichnung“ höchst ungesund „anzuspringen“.

Dazu reicht es einige historische und politische Fakten aus dem Gesamtkontext heraus, mit ausgesuchtem islamisch theologischem Vokabular verbrämt, in den eigenen ideologischen Kontext zu stellen. Ein weiteres tut unter Anderem das weltweit inzwischen auf gefährlichen Tiefststand gesunkene Bildungsniveau. Auch die tatsächliche oder vor allem von muslimischen Jugendlichen empfundene Benachteiligung bei der Arbeitssuche, am Arbeitsmarkt oder das ganz allgemein stark zunehmende „islamophobe“ weltweit zu beobachtende Gebaren trägt zur allgemeinen Rückzugstendenz, Entfremdung und dem Abgleiten in extremistische Gefilde bei.

Ein starker, liebevoller Familienzusammenhalt bildet nach wie vor beste Grundvoraussetzung für eine Persönlichkeitsstruktur, die dieser Herausforderung standzuhalten vermag. Desweiteren behalten, Gott sei Dank,  in der Mehrzahl der Moscheen diejenigen Stimmen die Oberhand, welche zur Geduld und zum freundschaftlichen Dialog mit der nichtmuslimischen Umwelt  mahnen.

 

–          Wird analysiert, warum der Islam zu derartiger Gewalt verleitet?

 HANEL: Zuerst weise ich die Frage in dieser Form der Unterstellung klar zurück.

Nicht der Islam verleitet zu derartiger Gewalt, sondern eine fragmenthafte, einseitige und verkommene Sicht auf die Welt, das Leben und Religion ganz allgemein!

Nicht der BLEISTIFT verleitet jemanden dazu, eine „Hassrede“ oder eine „Ode an die Liebe“ und das Leben zu verfassen – es ist die innere Einstellung, welche das Werkzeug für diesen oder jenen Zweck einsetzt. Die Religion ist im Eigentlichen ein Werkzeug, um inneren Frieden und Ausgeglichenheit in einer komplexen und für den Menschen nicht ungefährlichen Welt zu finden!

          Zurück zur von mir nun neu formulierten Frage: Wird analysiert, warum man die weitverbreitete Meinung vertritt, dass der Islam zu derartiger Gewalt verleitet?

Natürlich! Doch wie schon angedeutet, ist eine differenzierte Sicht zu erarbeiten, aus- und zu verbreiten ein höchst schwieriges Unterfangen.

 

–          Gerade von muslimischer Seite und besonders von jungen Menschen höre ich immer wieder, dass es an der Zeit ist, sich kritisch mit dem Koran und den unterschiedlichen Interpretationen auseinanderzusetzen. Was sagen Sie dazu?

HANEL: Es ist das Recht der Jugend Althergebrachtes in Frage zu stellen und zu verlangen, zu wünschen und zu hoffen, von dessen bereitgestellten Antworten überzeugt zu werden und auch Eigenes, Neues beizusteuern.

Islamische Gelehrsamkeit, zeitgenössische und althergebrachte sind grundsätzlich bestens gerüstet, diesem Recht mit größtem Wohlwollen zu begegnen. Nicht nur deshalb, weil diesem Hinterfragen  mit der Gewissheit begegnet werden kann, dass die islamische Lehre aufgrund ihrer Quelle – aus der Weisheit des höchst erhabenen Schöpfers aller Welten und Universen – über jede, auch zeitliche Anfechtung erhaben ist.  Weiter bin ich auch der Überzeugung, dass in jedem Zeitalter kostbare, einzigartige Beiträge zur Vervollkommnung des menschlichen Verständnisses über das Göttliche und dessen Verbindung zu aller Schöpfung bereitgestellt sind und darauf harren entdeckt und berücksichtigt zu werden.

 

–          Gerade von  MuslimInnen (vom Jemen bis zur Schweiz) höre ich immer öfter, dass sie sich wünschen, offen und kritisch über Themen wie Familienrecht, Menschenrechte, Sexualität, Demokratie und das Reizthema Kopftuch zu diskutieren, aber dass sie damit in ihren jeweiligen Communities auf Ablehnung und Unverständnis stossen.  Was sagen Sie dazu? Wie werden diese Diskussionen in der Community hier geführt?

HANEL: Diese Frage lässt mich ein wenig schmunzeln. War die Jugend aller Kulturen, Regionen und Zeiten nicht immer mit ablehnendem Widerstand der älteren und mitunter sehr müde gewordenen Generation konfrontiert, wenn es darum ging IHRE Fragen beantwortet zu bekommen, die oft für die Eltern selbst nie oder nur ungenügend beantwortet wurden?

So bedauerlich diese, ganz natürlich zu erklärende Ablehnung für mich ist – so selbstverständlich ist sie für alle „Communities“ – tatsächlich und leider auch für die muslimische Gemeinschaften ein wahrhaftiges Hemmnis für deren Entwicklung. Die große und umfassende Herausforderung, die sich uns Muslimen in der heutigen Zeit stellt, können wir als Gemeinschaft nur meistern, indem wir uns  den forschenden, furchtlosen, unverbrauchten Fragestellungen der nachfolgenden Generation stellen – um in Zusammenarbeit mit ihr neue Ufer zu erreichen.

In diesem Sinne wünschte ich mir unbedingt eine tiefe Wurzeln berührende Begegnung der „reifen“ Generation mit den heranreifenden Generationen in ALLEN Communities, allen Ländern und allen (Lebens-) Gemeinschaften.

 

 

 

 

GSIW Newsletter 92 – August 2014

GSIW100 NEWSLETTER 92 – August 2014

Hier der Link zur  PDF  Ausgabe August 2014:
http://www.gsiw.ch/newsletter92-08-14.pdf 

Hier der Link zur HTML Ausgabe August 2014:
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 Inhalt:

POLITIK & RELIGION
– Salafistenszene in Embrach
– Rassismusbericht2013
– BURKA VERBOT
– Muslim „Zuwanderungsinserat“ – legal
– Anerkennung des ISLAM

VERANSTALTUNGEN
– Film OMAR (Kritik)
– Neuer Skandalfilm als „Sira“ getarnt
– „Aufruf zur Gewalt gegen Juden auf FB“
– Stellungnahme von NCBI & GSIW
– Stellungnahme Stadtpräsidentin MAUCH
– UNI LUZERN
– Fastenbrechen f. Frauen in Winterthur
– Swiss Muslim Events
– islam.ch

ISLAM & MUSLIME in den MEDIEN
– Radio UAHID
– Islamischer Chinski
– Niqab und Burka
– Falsche Versprechungen
– Judenhass im Namen Allahs
– Eine Karikatur des ISLAM

IN eigener SACHE
– Ein Grabfeld für Muslime
– MONDSICHTUNG 2014/1435
– Judenhass schadet auch Palästinensern

HELFEN WIR CHRISTEN IM IRAK

Muslime und GSIW Mitglieder schreiben
– Die schönsten Namen Allahs
– Neue Beiträge unter www.islamheute.ch

 

Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden

 

Statement

Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden:

Muslime und Juden setzen sich gemeinsam für Frieden im Nahen Osten und für Respekt in der Schweiz ein.

 

In der Schweiz treffen sich im Rahmen des Programms „Respect“ seit drei Jahren Hunderte von muslimischen und jüdischen Menschen, um gegenseitig Vorurteile ab- und Brücken aufzubauen. Wenn jedoch Spannungen hochkommen und die Gewalt in Israel/Palästina die Schlagzeilen beherrscht, braucht es nur wenige extreme Stimmen, um auch das Zusammenleben hier zu vergiften. Das ist leider Mitte Juli 2014 in Zusammenhang mit einer Demonstration in Zürich im Internet passiert – darüber wurde in den Medien breit berichtet.

Am wichtigsten ist: Wir plädieren für einen gerechten und sicheren Frieden für die palästinensischen und israelischen Gemeinschaften. Es stehen weder jüdische Extremisten exemplarisch für das Judentum noch muslimische Extremisten für den Islam. Der Krieg und die Gewalt müssen gestoppt werden und faire Lösungen sollen mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft verbindlich umgesetzt werden. Wir begrüssen friedliche Bemühungen dafür in der Schweiz und anderswo.

Und hier in der Schweiz: Die vernünftigen Köpfe der muslimischen sowie der jüdischen Gemeinschaften müssen sich zu Wort melden und sich klar von Gewalt und Hetze distanzieren. Wer sein Entsetzen zum Ausdruck bringen will, sollte vermeiden, diskriminierende oder gewaltstiftende Wörter zu verwenden. Sowohl Muslim- als auch Judenfeindlichkeit sind leider verbreitet – auch hier in der Schweiz – und diese beiden Formen von Hass müssen überwunden werden. Sie gefährden das Zusammenleben und erschweren die Friedensbemühungen. Man darf und sollte sachliche Kritik gegenüber den Entscheidungstragenden beider Seiten anbringen, jedoch dürfen Drohungen oder Angriffe auf unsere Mitmenschen in der Schweiz keinen Platz haben und können überhaupt nicht geduldet werden.

Als Muslime und Juden, als Musliminnen und Jüdinnen in der Schweiz nehmen wir Stellung für Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit sowie gegen Gewalt, Drohungen und Hetze.

 

Namen der Unterstützenden
Imam Sakib Halilovic (Bosnische Moschee Schlieren),
Rabbiner Jehoschua Ahrens (ICZ)
Ron Halbright (NCBI),
M.M. Hanel (GSIW),
Albert Herz,
Mexhit Ademi,
Ramazan Özgü

Um Ihren Namen einzufügen, bitte ein Mail an respect@ncbi.ch schicken.
NCBI Kontakt: Ron Halbright 076 490 10 50

 

WAS ist POLITISCHER ISLAM?

WAS ist POLITISCHER ISLAM?

Eine Frage von Schweizern an die Muslime. Eine Frage, welche offenbar die Gesellschaften interessiert.

Nicht leicht zu beantworten ist sie überdies, gilt es doch als allgemeines Wissensgut:
„Der Islam trennt nicht Religion von Politik“. Also kann es eigentlich nur politischen Islam geben, oder nicht?

An dieser Stelle soll nun dieser Frage aus muslimischer Sicht, aber auch aus der Sicht jener nachgegangen werden, die als Nichtmuslime herrlich definieren, was unter „politischem Islam“ zu verstehen sei.

Beginnen wir mit einer Recherche im Netz: http://hpd.de/node/6849

Ein Buch, ein Titel: Handlungsstrategien des politischen Islamismus.

Der Sammelband, „Politischer Islam im Vorderen Orient. Zwischen Sozialbewegung, Opposition und Widerstand“ enthält allgemeine Analysen und Länderstudien zur Entwicklung des Islamismus.
Ohne lange auf Einzelheiten einzugehen, wird sofort klar und ersichtlich, WIE gedacht, WIE publiziert wird:

„Politischer Islam entwickelt den ISLAMISMUS.“
Man spricht über „politischen Islam“ und meint „Islamismus„. Man spricht über Islamismus und meint Islam (politisch oder nicht – aber eigentlich schon …).

Weiter im Zitat:

Islamisten sind nicht als Akteure sui generis zu begreifen; vielmehr sind sie rationale Akteure, die zwar ihren ideologischen Bezugspunkt in der Religion des Islam finden, unter anderen Aspekten aber durchaus mit ideologisch anders ausgerichteten Gruppen vergleichbar sind.“ „Dies gilt insbesondere für die Deutung des Islamismus als soziale Bewegung, die sich sowohl gegen autoritäre Herrschaft wie gesellschaftliche Probleme richtet.“

Hier bekommen wir das nächste Stichwort, „ideologisch„.

Nicht finden die Islamisten ihren theologischen Bezugspunkt in der Religion, sondern ihren ideologischen. Weiterlesen