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Händedruck spaltet Schweizer Muslime

Lieber Herr Hanel

Wie erwähnt meine Frage per Email.

Gestern in der „Arena“ (Ausschnitt siehe hier: http://www.watson.ch/Schweiz/Medien/817302834-Islam-%C2%ABArena%C2%BB–Alle-auf-den-Blancho-und-dann-l%C3%A4uft-der-Moslem-Pr%C3%A4sident-voll-ins-Messer-) kam es zu einer kleinen Kontroverse zum Thema Händeschütteln. Fids-Präsident Montassar Benmrad antwortete einer Zuschauerin, pensionierte Lehrerin, die von Fällen an Schulen sprach, wo muslimische Buben sich weigerten, Lehrerinnen die Hand zu geben. Benmrad gab dazu keine klare Stellungnahme ab (er sagte „Ja und Nein“.

Wie beurteilen Sie bzw. VIOZ diese Frage? Ist es in Ordnung, wenn Buben der Lehrerin den Händedruck verweigern?

Danke, schönes Wochenende,
Mit besten Grüssen
Patrik Müller

 

ANTWORT von Muhammad HANEL

Lieber Herr Müller

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich mir wie folgt zu beantworten erlaube.

Herrn Benmrads „Ja und Nein“ stimme ich zu.

Doch dazu einige kurze Erläuterungen, da die Zeit in der Arena je nicht ausreicht, um differenzierende Darlegungen auszubreiten.

Warum „JA“ habe ich in meinem, von Ihnen zitierten VIMENTIS BLOG zu einem guten Teil schon beantwortet.
https://www.vimentis.ch/d/dialog/readarticle/warum-gibt-ein-hoeflicher-muslim-einer-frau-nicht-die-hand/

Warum „NEIN“.
Diese Regelung der höflichen Zurückhaltung gilt nicht für Kinder (Knaben oder Mädchen), sondern für, im geschlechtlichen Sinne adoleszente Menschen BEIDERLEI Geschlechts. Also für junge geschlechtsreife junge Frauen und Männer gleichermaßen in Hinblick auf das jeweils andere Geschlecht.

Dies bei der Erziehung im privaten und im öffentlichen Rahmen zu berücksichtigen und damit zu respektieren wäre bestimmt ein kulturverbindender Auftrag für alle Beteiligten.

Darüber hinaus, sollte diese, im Wesen auf einen respektvollen Umgang mit dem anderen Geschlecht ausgerichtete Regelung nicht auf beste Weise, sondern auf eine UNHÖFLICHE, DEMÜTIGENDE, BELEIDIGENDE oder sonst irgendwie RESPEKTLOSE Art umgesetzt werden, ist hier das klare „NEIN“ … „SO NICHT“ — von Seiten der Muslime und natürlich auch von Seiten Andersgläubiger zu Recht angebracht.

Ich hoffe mit diesen Begründungen die beiden Ansichten, die zustimmende und die verneinende, nachvollziehbar gemacht zu haben.

Vor der Veröffentlichung ersuche ich Sie, mir meine Zitate IM KONTEXT zur Freigabe zuzusenden.

Mit besten Grüßen und auch Ihnen ein schönes Wochenende wünschend
Muhammad Hanel, 2.4.2016

 

Hier das Ergebnis im Druck:

 

Händedruck spaltet Schweizer Muslime

Patrik Müller ist Chefredaktor der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Ausgerechnet der Präsident des als liberal geltenden islamischen Dachverbandes distanziert sich nicht von Händedruck-Verweigerern an Schulen.

Die Frage von «Arena»-Moderator Jonas Projer war unmissverständlich: «Muss man es akzeptieren, wenn ein Schüler sagt, er wolle der Lehrerin die Hand nicht geben?» Vom Präsidenten der Föderation islamischer Dachorganisationen (Fids) hätte man eigentlich ein klares «Nein» erwartet. Denn der wichtigste Muslim-Verband der Schweiz gilt als gemässigt und liberal. Doch Montassar Benmrad, erst seit vergangenem Sommer im Amt, wich der Frage vorgestern Freitagabend zuerst aus. Nachdem Projer sie wiederholt hatte, antwortete Benmrad: «Ja und nein.» Dann ergänzte er: «Ich würde sagen, eher nein. Auf der anderen Seite, wenn jemand solche Sachen sagt, würde ich eher mit ihm diskutieren.»

Der oberste Muslim im Land präzisierte gestern gegenüber der «Schweiz am Sonntag», er selber gebe Frauen die Hand und empfehle es den muslimischen Schülern ebenfalls, um Respekt gegenüber den Lehrpersonen zu zeigen. Benmrad wirbt aber um Geduld mit Muslimen, die es anders halten und denken, dass es respektvoll sei, die Hand eben gerade nicht zu geben. «Mit solchen Schülern sollte man den Dialog suchen», sagt Benmrad, «und ihnen erklären, dass es in der Schweiz ein Zeichen von Respektlosigkeit sei, die Hand nicht zu geben».

Eindeutig ist die Meinung von Emine Sariaslan. Sie ist Präsidentin des Forums für die Integration der Migrantinnen und Migranten, will ihre Aussagen aber als Privatperson machen. «Die Regeln an einer Schule und überhaupt in unserer Gesellschaft sollten für alle gelten.» Sie erlebe es an Schulen immer wieder, dass muslimische Kinder in einen Loyalitätskonflikt kämen, wenn sich die Regeln des Elternhauses von jenen der Schule unterscheiden. «Aber den Kindern ist mit Sonderregeln an Schulen nicht geholfen.»

Aus welchen Gründen Oberstufenschüler den Händedruck ablehnen, erklärt M. Muhammad Hanel, Mediensprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ). In einem Blog legt er ausführlich dar, was für das Berührungsverbot spreche: Es gehe um Höflichkeit, um Respekt und auch um «Hochachtung vor der selbstbestimmten Souveränität jedes Individuums». Bezogen auf die Schule ergänzt er: «Diese Regelung der höflichen Zurückhaltung gilt nicht für Kinder (Knaben oder Mädchen), sondern für adoleszente Menschen beiderlei Geschlechts. Also für geschlechtsreife junge Frauen und Männer gleichermassen in Hinblick auf das jeweils andere Geschlecht.»

Weiterlesen: http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/nachrichten/haendedruck_spaltet_schweizer_muslime/
HIER zum nächsten Interview RSI

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Hier meine Antwort auf Herrn ZOLLER im Vimentis BLOG

Sehr geehrter Herr Zoller

Vielen Dank für die Aufrichtigkeit in Ihrer Antwort.
Natürlich ist das Thema ein zwiespältiges und daher sollte die Lösung nicht einfältig sein – da es zwei berechtigte – anscheinend diametral gegenüberstehende „Ansätze und Anschauungen“ – dazu gibt.

Wie Sie allerdings richtig andeuten, wäre das im Auge zu behaltende und zu berücksichtigende Oberprinzip um welches es geht, nicht einer nationalen Gepflogenheit, sondern einer gemeinsam zu tragenden WERTEHALTUNG zu folgen.

Und dies ist DER RESPEKTVOLLE GEGENSEITIGE UMGANG.

Wie Sie dies bereits sagten und dies auch in meinem ursprünglichen Interview (in welchem dieser Teil allerdings bei der Veröffentlichung unterschlagen wurde) auch explizit gesagt wurde.
Hier nachzulesen:
https://hanelislam.com/2016/04/03/haendedruck-spaltet-schweizer-muslime/

Und – SELBSTVERSTÄNDLICH kann der GEGENSEITIGE RESPEKT zwischen MANN und FRAU auch OHNE körperliche Berührung zum Ausdruck gebracht werden!

Wer auf Gegenteiligem BESTEHT, verdient „… “ (nach Belieben ergänzen)

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