Warum geben wohlerzogene Muslime – Menschen anderen Geschlechts nicht die Hand

minnesang

Immer wieder bringen westliche Menschen ihre Befremdung, nein, vielmehr Verachtung gegenüber der Gepflogenheit von Muslimen zum Ausdruck, wenn diese Frauen (resp. Personen des anderen Geschlechts) nicht die Hand zu geben wünschen.

Da die Menschen, egal ob Muslime, Christen, Säkularisten oder andere, eher Traditionen, Vorlieben, Abneigungen, Einschätzung Anderer unreflektiert oder in blinder Nachahmung übernehmen und darin versagen, diese mit dem Geiste einsichtiger Begründung zu erfüllen, will ich ihnen ALLEN hier ein wenig vergessene, aber nichts desto weniger lebendige Argumente in Erinnerung rufen.

1.) Wörtliche Begründung – aus dem östlichen Kreis
Einige islamische Rechtsschulen (z.B. die nach Imam Shafi’i) bestimmen, dass die rituelle Reinheit (jener Zustand, in welchem man das islamische Pflichtgebet zu verrichten hat) nach der BERÜHRUNG einer Person des anderen Geschlechts bricht.

Wer dieser Rechtsschule folgt, sich im Zustand ritueller Reinheit befindet, wird als Mann alleine schon aus Bequemlichkeitsgründe​n die Berührung einer oder durch eine Frau zu vermeiden suchen (und umgekehrt, wird eine Frau die ungewollte Berührung durch einen Mann scheuen – vielleicht aus ökonomischen Gründen ;-)).

Bedeutet dies nun, wie – ich wage es – einseitig (um nicht das Wort „einfältig“ zu gebrauchen) denkende Menschen (Muslime natürlich nicht ausgenommen) nun annehmen, dass Frauen unrein wären, da ja – so die abfällige Begründung – deren Berührung den Zustand der (nicht vergessen!; „rituellen„) Reinheit bricht?

In früherer Zeit, in der man weniger freizügig in Wort und Tat in der Öffentlichkeit miteinander umging, stand das Wort „eine Frau berühren„, für … „mit einer Frau Geschlechtsverkehr pflegen“ und wenn ich mich nicht täusche, galt dies auch für den Ausdruck „und Adam erkannte seine Frau„. Etwa gleiches bedeutet der Ausdruck: „eine Frau (in Lust) ansehen„.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Ausspruch Jesu (a.s.) in Matthäus 5:28. Schlagt mal selber nach, Ihr Wissbegierigen.

Wer sich also an diese wörtliche, althergebrachte Wortbedeutung hält (und dagegen gibt es eigentlich in einem freien Land nichts einzuwenden) – vermeidet die Berührung, vor allem fremder – Menschen des anderen Geschlechts in aller Glaubenstreue.

Glaub​enstreue ist eine Sache, keine schlechte – doch ein Glaube ohne Imaan (Verinnerlichung der Glaubensinhalte) bleibt eben ein leeres Ritual, welches man ohne Verstand befolgt und welches daher auch ohne Verständnis betrachtet und kritisiert wird – und somit wird aus etwas Gutem, eben etwas doch nicht so Gutes … daher wollen wir uns mit dieser Erklärung nicht begnügen und fortfahren.

2.) Physiologische Begründung – aus allgemein menschlicher Sicht

Da ich wohl für Andere sprechen kann, doch lieber dies für mich selbst will, möchte ich Euch davon erzählen, welch ungemein aufregendes Erlebnis es für mich war, als ich im Alter von etwa 12 – der Zeit im Leben eines Jungen, in der er sich so richtig bewusst und willentlich auf den Weg ins Leben eines Erwachsenen macht – das erste Mal, nach langen und häufigen Momenten des Zögerns, durchlebter Schüchternheit und endlichem Folgen instinktiven Drängens, die Hand eines Mädchens berührte. Welch wonniges Gefühl, nein Schauer verschiedenster Gefühle durchzogen mein Gemüt. Und unter uns gesagt – ich brauche Euch wohl nicht noch explizit zu erklären, wohin, zu welchem Ziel dies instinktive Drängen mich wohl letztlich führte und ich mich auch gerne dahin führen (um nicht zu sagen verführen) ließ! (Lest nach in der Bibel Genesis 1:28 wenn Ihr es nicht wisst.)

Daher ist – oder eher – sollte es eigentlich JEDEM halbwegs noch in natürlichen Bahnen denkenden Menschen VÖLLIG klar sein, dass die ERSTE, selbst zarteste Berührung von, füreinander attraktiv wirkendem Männlichen und Weiblichen, Mann und Frau, von Frau und Mann in Richtung gegenseitiger Erfüllung weisen mag – so die entsprechende Bereitschaft natürlicher Veranlagung nachzugeben, vorhanden ist – und Ihr dürft mir getrost glauben: bei halbwegs normalen Menschen IST sie vorhanden!

Das Wissen um diese ursprünglichen, natürlichen Zusammenhänge lässt den bewussten Muslim, welcher sich nicht mit leerer Nachahmung des traditionellen Ritus begnügt, in bewusster Zurückhaltung die Berührung mit dem anderen Geschlecht – HOCHACHTUNGSVOLL (in der wahren, umfänglichen Bedeutung dieses Wortes) und nicht in ABWERTUNG vermeiden!

In Hochachtung vor der Macht und Gewalt des Natürlichen und universeller Schöpfungskraft. In Hochachtung vor der selbstbestimmten Souveränität jedes Individuums.

3.) Historische, gesellschaftliche Begründung – aus westlichem Kreis

Es ist noch nicht allzu lange her, da war man sich, zumindest in den gebildeten Kreisen des Abendlandes, noch dessen bewusst, dass der „sanfte Mann„, der Gentleman, der wohlerzogene Kavalier, niemals es gewagt hätte, seine fordernde Hand der noblen, verehrten Dame hinzustrecken und sie solcherart vereinnahmend, gewissermaßen zu „zwingen„, sich „in seine Hand zu begeben“ – sie sich ihm „ergeben und Untertan zu machen“ oder sich der erniedrigenden Gefahr der ablehnenden Zurückweisung auszusetzen.

Der Edelmann wusste sich und sein hehres Verlangen wohl zu zügeln und wartete selbst ergeben, dass SIE, das geliebte WESEN, ihm ihre Hand aus freien Stücken reichte und sie ihm zum gehauchten Kuss darbot und derart auf ihre wohlwollende Geneigtheit hinwies!

Dies ist wahrhaft höfisches (ein Wort von welchem sich das Wort „Höflichkeit“ ableitet) Betragen. (Habt Ihr vergessen, woher der MINNEDIENST denn stammt?)

Und selbst dann – war es nicht die blanke Hautdas Organ der Sinnlichkeit – welches man an- und ineinander schmiegte, sondern der zusätzliche Schutz des feinen Handschuhs bewahrte gebührenden An- und Abstand.

Mein Verhalten als glaubenstreuer Muslim, im Wissen um diese Zusammenhänge ist also folgendes:

Niemals (obgleich manchmal eingefleischter Reflex dies \“niemals\“ durchaus relativiert) versuche ich durch aktives Handhinstrecken, eine fremden Frau zur – und sei dies in den allermeisten Fällen eine unbewusste – Einwilligung zu erster intimer Berührung zu veranlassen (nur sinnlich abgestumpftes Volk vermag in solcher Berührung keine Intimität zu verorten)!

Doch streckte mir eine Frau ihre Hand zum Gruße hin, gebietet es meine Höflichkeit und Ritterlichkeit, diese nicht zurückzuweisen, sondern sie in Verantwortung und gebotener Zurückhaltung sanft zu ergreifen – um somit vor Gott und der Welt in Denken, Empfinden und Tun zu bekunden, dass sicher sie „in gute Hände“ sich begab, isA!

Dies mag der Erläuterungen nun genug sein. Nehme jeder davon was er/sie/es verträgt und lasse die Uneinsichtigen in Ruhe und in Frieden – wie der Auftrag von (Eurem und) meinem Herren in Wahrheit an uns allesamt lautet.

Und möge Er, der GEWALTIG MÄCHTIGE uns für unser blindes Folgen, wie auch für die Weigerung unseren Verstand zu gebrauchen belohnen – denn Er ist der GERECHTE, der VERGEBENDE.

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Ein Gedanke zu „Warum geben wohlerzogene Muslime – Menschen anderen Geschlechts nicht die Hand

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