Imam al-Ghazâlî, sein Leben, sein Wirken, sein Weg

Imam al-Ghazâlî

von Muhammad HANEL vorgestellt für den FREITAGSCLUB am 4.10.2013
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Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî zählt wohl zu jenen Persönlichkeiten, die sowohl in der islamischen als auch in der westlichen Welt außergewöhnlich bekannt sind und wohl auch bewundert – doch eben auch mit bemerkenswerter Skepsis betrachtet werden.
Vielleicht deshalb, weil seine Persönlichkeit in keine der beliebten „boxes“, Schablonen und Kategorien passen mag?
Ich spreche von jenen Kategorien – ohne welche allerdings manch beengter Geist nicht auszukommen vermeint und vermag – von jenen Kategorien, die vom größten Geschenk, welches vom Schöpfer allen Seins dem Menschen verliehen wurde – in jedem Falle willkürlicher Beschränkung gesprengt werden müssen!

Sie möchten wissen, von welchem Geschenk ich spreche? Es ist die Weite und Freiheit menschlichen Geistes!

Und so wird bis heute zwar hochgelehrt gestritten, ob der Imam wohl eher ein Theologe, ein Jurist, ein Philosoph, ein Politiktheoretiker oder ein Mystiker, ein Sufi oder gar ein vom rechten Weg abgekommener  war, der schließlich und letztlich als quasi verlorener Sohn wieder Heim zu den Salaf zurückkehrte.[1]

Und da dieser Vortrag vom Freitagsklub veranstaltet wird, soll hier ganz bewusst und stets die Frage nach dem Bezug zur heutigen Zeit gestellt und manche Antwort darauf gegeben werden, isA.
So darf an dieser Stelle, gleich zu Beginn darauf verwiesen werden, dass es zeitlose Wahrheit ist, dass eine gute Antwort oft an eine gut gestellte Frage gebunden ist und daher darf gleich gefragt werden:

Ist es denn so unmöglich, so schwer zu denken, dass Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî sowohl ein glaubenstreuer Muslim war, der Islam, Imaan und Ihsan in lebenslanger Bemühung in Einklang miteinander brachte und darüber hinaus auch als wahrer Philosoph, ernsthafter Theoretiker und ergebener Mystiker zu bezeichnen wäre? Warum erfreut das trennende entweder oder sich so viel größerer Beliebtheit, als das versöhnend einende sowohl als auch? Eine Frage, die in jeder Epoche menschlicher Entwicklung zwar immer und immer wieder gestellt wird, doch noch viel öfter in totalitärem, eindimensionalem Richtungsdiktat und  Gehabe unterdrückt und eine ordentliche Antwort verweigert wurde.

Ghazali1

 

Sagt Allah denn nicht in 2:115:

Und Gottes ist der Osten UND der Westen; und wohin immer ihr euch wendet, ist Gottes Antlitz. Seht, Gott ist Unbegrenzt, Allwissend.

Und an anderer Stelle in 2:44:

Wollt ihr andere Leute zur Frömmigkeit einladen, während ihr euch selbst dabei vergesst – und noch dazu lest ihr die Heilige Schrift? Wollt ihr also, nicht euren Verstand gebrauchen?

Sind nicht alleine diese beiden Verse genügender  Hinweis darauf, dass erstens der Verstand[2], die Vernunft ein hochzuschätzendes Geschenk, ein höchst kostbares Werkzeug und keineswegs des Teufels ist, um die Zeichen Gottes, im Inneren und an den Horizonten zu entdecken und zweitens das Antlitz Gottes ganz grundsätzlich in allen Richtungen, auf allen Wegen zu suchen und – so der Erbarmer dies will – auch zu erfahren ist? – und es nicht wirklich wichtig ist, von welcher Richtung man kommt, in welche Richtung man sich dem Gesuchten nähert, solange dies in Frömmigkeit (Taqwa)[3] geschieht?

Deshalb sei mit Nachdruck hier zu Beginn verlautet und behauptet:

GLAUBE und VERNUNFT sind keine Gegner, sondern den DIENERN Gottes getreuliche, einander unterstützende und einer dem anderen unverzichtbare Gehilfen – ihren persönlichen, individuellen und gemeinschaftlich zu verrichtenden GOTTES DIENST in wahrer Glaubenstreue zu erfüllen.“

– denn dies ist des Pudels Kern, der alte Streit, der nicht erst seit der Zeit Imam Ghazâlîs bis in unserer heutige Zeit unerbittlich gefochten wird, der Streit um die Vorherrschaft von Vernunft oder Glaube, selbstständiges Denken oder blinde Übernahme im halbseidenen Gewande religiösen Glaubens.

Nun ist dem wie dem ist und jedenfalls, so wird es überliefert, wurde Imam al- Ghazâlî, der muhyi ad-dîn – der „Wiederbeleber des Glaubens“ – wie er von Muslimen genannt wird, 450 H./1058 n.Chr.  in Tûs im Iran geboren und verstarb mit nur 53 Jahren auch in seinem Geburtsort und mit der Betrachtung seines Werdegangs will sich dieser Vortrag in aller Kürze befassen.

Nicht nur zu Ghazâlîs Zeit – sondern wie zu allen Zeiten – gab es unter den Menschen, natürlich auch unter den Muslimen der damaligen Epoche ernste Spannungen und Gegensätze zwischen den Anhängern der verschiedenen Gruppen und ihrer jeweiligen Denkungsart und ihren unterschiedlichen Lehrmeinungen.
Gegenüber standen sich sunnitische Seldschuken und schî’itische Ismâ’îlîyten; die philosophische Bewegung des Neoplatonismus der Anhänger al-Fârâbis und Ibn Sînâs, die auf der Vorherschaft der Vernunft gegenüber unhinterfragtem Glauben an die Offenbarung bestanden , und es gab die Auseinandersetzungen der verschiedenen theologischen Schulen innerhalb des sunnitischen Islams selbst, die sich oftmals tatsächlich so feindlich gegenüber­standen, als wären sie nicht Angehörige der gleichen Religion. Schließlich gab es noch die Gruppe der Sûfîs, die sich angesichts dieser äußeren Schwierigkeiten der Kultivierung des inneren Lebens widmeten, die menschliche Seele in ihrer Triebhaftigkeit zu beherrschen,  von niederem Makel zu befreien und die persönliche Erfahrung oder vielleicht sogar besser – das persönliche Erfahren Gottes suchten.[4]

Nun frage ich Sie, sehr geehrtes Publikum … hat sich an diesen Umständen seit hunderten von Jahren tatsächlich etwas zum Besseren geändert? Und wenn NEIN – woran liegt es wohl – und kann uns die Beschäftigung mit Imam al- Ghazâlî, mit seinem Wirken und seinen Werken nicht nur helfen eine Antwort auf diese Frage, sondern auch einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden?

Jedenfalls macht es Sinn, das umfangreiche Lebenswerk Ghazâlîs Revue passieren zu lassen, ihn durch die verschiedenen Stationen seiner geistigen, seelischen Entwicklung zu  begleiten, welche in und durch seine, an die 100 Bücher und Schriften und besonders in seiner geistigen Autobiographie al-Munqidh min ad-dalâl (Der Erretter aus dem Irrtum)  gut dokumentiert sind.

AUSBILDUNG                  

Des jungen Ghazâlîs Ausbildung in Tûs und Churasân, entsprach dem üblichen Lehrplan und umfasste das Studium von Koran, Hadith und Fiqh (Jurisprudenz). Es ging hauptsächlich um gottesdienstliche Handlungen (rituelle Reinheit, Gebet, Fasten, Zakat, die Pilgerfahrt) und um rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Heirat und Scheidung, Erbrecht, Strafrecht, u.a.m. [5]
Im Alter von 19 Jahren ging Ghazâlî nach Nîšâpûr an die Nizâmîya, wo er ein Schüler des berühmten Gelehrten al-Dschuwainî wurde. Die Nizâmîya gehörte zu den neun Schulen, die der Wezir Nizâm al-Mulk im Laufe seiner Amtszeit (1063-1092) gründete. Diese Schulen spielten eine wichtige Rolle in der Politik Nizâm al-Mulks, die sunnitische Theologie gegenüber sektiererischen Gruppen, insbesondere gegenüber der Ismâ’îlîya, zu stärken.
Die schî’itischen Fâtimiden, zu denen die Ismâ’îlîya gehörten, waren die politischen Gegner der sunnitischen Seldschuken: Sie erkannten das Kalifat in Baghdâd nicht an und hatten ein eigenes Kalifat in Kairo errichtet. Die Auseinandersetzung spielte sich natürlich auch auf religiöser Ebene ab, wobei  Nizâm al-Mulk die sunnitische Orthodoxie verteidigte. Dabei unterstützte er die Schule der Aš’arîya, der auch Ghazâlî angehörte, indem er aš’arîtische Gelehrte an die Nizâmîyas berief.

Die Ashariten, von welchen heute gesagt wird, dass es ihr Verdienst wäre, den Widerwillen der älteren islamischen Gelehrten gegen die Dialektik in Glaubenssachen überwunden zu haben, indem sie diese anwandten, um die Muʿtaziliten[6] und andere im Geruche der Ketzerei stehende Sekten­häupter mit Erfolg zu bekämpfen“[7], werden heute von den Salafs nicht zu den rechtgeleiteten Muslimen, der Ahl us-Sunnah wal-Djama’ah gezählt.[8]

Für mich persönlich stellt sich dieser Konflikt zwischen den sunnitischen, traditionellen Rechtsgelehrten und den Muʿtaziliten als beinahe ebenso tragisch und unverständlich dar, wie das ursprüngliche Schisma der muslimischen Gemeinschaft – der Spaltung der Ummah in Sunniten und Schiiten.
Bis heute will ich nicht verstehen und will es nicht gutheißen  – ich deutete es schon zu Beginn an – warum sich Muslime töteten und töten, weil sie z.B. in Bezug auf die Erschaffung des Qur’ans uneinig sind.

Natürlich ist der Qur’an das unerschaffene, seit Ewigkeit bestehende Wort Gottes (mit Hinweis auf die „wohlbehütete Tafel“ (lawh mahfuz) [9]  – und mögen weiters diese Tatsachen als Beleg denn nicht genügen, dass für Gott den Ewigen, der Herr über alle Zeit ist, Er – der „über“ allen/m Raum und/oder alle Zeit steht – also weder über Zeitraum, Zeitpunkt, noch Raumzeit definiert werden kann, für den alle Ewigkeit und jeder Moment in EINS zusammenfließt, gilt, ständig aus dem Ewigen, sozusagen „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ zu wirken (?)) – und andererseits ist es denn nicht auch wahr,  dass gleichzeitig die letzte Offenbarung, das „jüngste Testament“, der Qur’an  – ein in die Zeit geborenes Wort Gottes ist?
Dauerte es vor etwa 1400 Jahren denn nicht ca. 23 Jahre, bis al-Qur’an, al-Furqan – die Unterscheidung  in seiner Gesamtheit herabgesandt worden war und stimmt es nicht, dass al-Mushaf unzählige Bezüge auf damals aktuelle Ereignisse in sich trägt – und stimmt es denn nicht, dass ein anderes „Kalam min Allah – Wort von Allah“, ein anderes Kitab und Zeichen, Issa ben Mariyam (a.s.) ein in die Zeit geborenes, offenbartes Wort war?  Mögen diese Hinweise darauf denn nicht genügen?

Also trägt doch erneut das exklusive, das ausschließliche, starrköpfige Beharren auf „ENTWEDER ODER„, anstatt die wohlwollende, inklusive Berücksichtigung des einenden, allerdings schon und durchaus differenziert anzuwendenden  „SOWOHL als AUCH“ die Verantwortung für das einander gegenseitige Töten der Gläubigen!?

Welche Tragik – welche Scham – die bis heute der Umkehr und Sühne harrt!

Doch zurück zu Meister  Ghazâlî. Er blieb er bis zu seinem 27. Lebensjahr Schüler von Abû l-Ma’âli al-Dschûwainî, auch bekannt unter dem Namen Imâm al-Harâmain und wurde vor allem in den Fächern Kalam (eventuell passend mit philosophischer oder systematischer Theologie übersetzt) Logik, Dialektik und Philosophie unterrichtet.  Nachdem sein Lehrer starb, ging Ghazâlî im Alter von 27 Jahren an den Hof des Wezirs Nizâm al-Mulk, von welchem aus er mit 33 Jahren an die Nizâmîya in Baghdâd berufen wurde, so dass er im Alter von 33 Jahren eines der höchsten religiösen Ämter erreichte, die im Staat zu vergeben waren.

Viele Biographen lassen hier den zweiten Abschnitt in Imam Ghazalis Leben beginnen.

Die Zeit des Skeptizismus

Womöglich nicht viel anders als junge Leute heute, auf der Suche nach Orientierung, Erkenntnis, Wissen, Gewissheit, Verständnis, Weisheit – wollte der junge Muhammad aufgrund der gesellschaftlichen Umstände damals, den politischen, wissenschaftlichen und religiösen Auseinandersetzungen wegen, bei keiner der vorherrschenden Gruppierungen endgültig fündig werden und gelangte so letztlich zu seiner ersten Erkenntnis, die seinen weiteren Werdegang möglicherweise maßgeblich bestimmte und er sich vielleicht sagte:

„Jeder Mensch und jedenfalls ich selbst muss alle miteinander widerstreitenden Behauptungen, die geradezu selbstherrlich darauf bestehen, die alleinige Wahrheit zu bezeugen und zu verbreiten befugt zu sein, sorgsam studieren, untersuchen und mit den, mir von Gott gegebenen Möglichkeiten auf Gültigkeit und Wert überprüfen, um sie dann in erster Linie für mich selbst zu bestätigen oder klar begründet, deutlich abzulehnen.“

Und so brach er wohl auf, um im unberechenbaren Meer menschlicher Willkür, wandelnder Gelehrsamkeit und selbstgerechtem Treiben nach absoluter (oder besser sollte man sagen – absolutistischer) Macht, das Schwimmen zu erlernen … um … ja warum … das Elixier, die Insel der Glückseligkeit zu erreichen? [10]

Seine erste Handlung bestand darin, das sichere Schiff, in dessen Herstellung und Gebrauch er doch hervorragend geschult worden war – nämlich die Vernunft – nicht nur in Frage zu stellen, sondern zu verlassen und sich den Wellen im Meer des Zweifels zu überlassen.

Erst durch einen göttlichen Eingriff wird er vor diesem Übel errettet – er selbst sagt darüber:

“Dies geschah nicht durch einen geordneten Beweis und eine systematische Redeweise, sondern durch ein Licht, das der erhabene Gott in meine Brust warf, jenes Licht, welches als Schlüssel der meisten Erkenntnisse gilt. Wer also glaubt, dass die Enthüllung der Wahrheit nur von den niedergeschriebenen Argumenten abhängig ist, der hat die große Barmherzigkeit Gottes eingeengt.” (Der Erretter, S.10)[11]

Und so wandte er sich der Liebe zu … der Liebe zur Weisheit … der Philosophie.

Nicht nur zur Zeit Ghazâlîs, nein, bis heute beschäftigt sich die muslimische Gelehrtenschaft kaum mit Philosophie, die im Geruch des Ketzerischen, des Häretischen stand und immer noch steht.
Doch wie kann das sein, wo doch das Wesen der Liebe in der selbstlosen Hingabe allen eigenen Interesses an den Geliebten, die, das Geliebte bedeutet und wo doch als einer der schönen Namen Gottes – al-Hakim – der Weise gilt und ein anderer al-Wadud, der mit Seiner Liebe alles Umfassende?
Wie sollte also ein Muslim ein Muslim sein und nicht lieben, ja, die Weisheit nicht lieben?

Doch aufgepasst und Achtung!

Philosophie, wie der Mensch sie mit seinem Intellekt zu betreiben versteht, ist ein gutes Fahrzeug, um auf der sorgsam und genau konstruierten Straße der Logik, in die Bereiche der Immanenz, des Hier- und Daseins, der materiellen Wissenschaften, der Physik, Mathematik und Logik einzudringen und voranzukommen  – doch für den Bereich, der sich dem, mit Sicherheit Gewussten entzieht, der Metaphysik, der Transzendenz, der Religion kann sie nur als Instrument benutzt werden, um zu belegen, um zu erkennen, dass für die Reise in jene Bereiche der Transzendenz, des Jenseitigen, ein anderes Fahrzeug zu besteigen ist.

So wie die begrenzte, relative menschliche Vernunft nicht die ultima ratio, das einzige Instrument sein kann, um sich dem absoluten, ewigen Schöpfer ALLER Dinge zu nähern und somit der Zweifel an ihr alle Berechtigung zugesprochen bekommt, ist es die Hingabe, die Liebe, welche keinerlei vernünftiger, logischer Begründung bedarf, welche nun zum ausschlaggebenden Impuls auf der ewigen Reise zum Urgrund allen Seins zu werden hat.

Nachdem sich die erste Stufe des Antriebs für diese unendliche Reise zum Absoluten, zum Ewigen in der Erkenntnis erschöpft hat, „zu wissen, dass man – absolut – nichts weiss“ … sorgt nun das helle Licht der Liebe für den weiteren Fortgang, ein Vorgang, welcher so schön durch Djalal ud-din Rumi zum Ausdruck gebracht wurde, dem gesagt zu haben zugeschrieben wird:

„O Wanderer, wenn Du kommst an den Hof deines Herren, so wirst du erkennen: je näher du kommst, umso weiter hast du noch zu gehen!“

Welch schönes Wort – geeignet die Beziehung des Immanenten zum Transzendenten ins Bild zu setzen.

Kurzum:

Ghazâlîs Position zur Philosophie ist, so scheint es sein ganzes Leben hindurch zu sein – der wahre Weg der Mitte, der Weg des differenzierten „SOWOHL als AUCH“ und „WEDER NOCH“.

Die philosophische rationale Methodik, basierend auf der aristotelischen Logik IST ein geeignetes Instrument, auch um in der Theologie verwendet zu werden und zu bestimmter  Gewissheit zu gelangen.
Die Inhalte allerdings, welche die Philosophen zu allen Zeiten in Bezug auf das Absolute, Transzendente an- und  vorgeben, sind definitiv als relativ und daher grundsätzlich als unzutreffend zurückzuweisen, als Metapher und der wirklichen Wirklichkeit, der absoluten Wirklichkeit  nicht genügende Beschreibungen zu bezeichnen.

Während al-Ghazâlîs Zeit in Bagdad (er unterrichtete dort von seinem 33. bis zum 38. Lebensjahr) beschäftigte er sich nicht nur intensiv mit den damals bekannten philosophischen, eigentlich religionsphilosophischen Strömungen, sondern auch mit den Lehrinhalten, Doktrinen und Ideologien der damals agierenden verschiedenen Gruppierungen.

Vor allem mit den Lehren der ‚Bâtinîya‘, einer Bewegung der schiitischen Ismâ’îlîya setzte er sich intensiv auseinander.

Die Ismâ’îliten gehen davon aus, dass der Koran sowohl eine äußere, als auch eine innere, esoterische Bedeutung hat, die erst gefunden werden muss. Diese esoterische Bedeutung (bâtin, d.h. das Innere) muss keine Ähnlichkeit mit der äußeren Bedeutung haben und ist nur durch die Interpretation des unfehlbaren Imâms zu erfahren.[12]
Ohne auf die Politik, Theologie und Philosophie der Bâtinîya, der Ismailiten hier näher einzugehen, (an dieser Stelle sei auf die damals  führende Persönlichkeit der Bewegung Hasan Ibn as-Sabbâh hingewiesen, der auch bekannt unter dem Namen „der Alte vom Berg“, von der von ihm eroberten Festung Alamut, dem Adlerhorst aus, eine ernsthafte Gefahr für den herrschenden Sultan Malik Shah darstellte) war es aus der Sicht der Seldschuken Gebot der Stunde, dieser ernst zu nehmenden politischen und theologisch-ideologischen Gefahr mit allen Mitteln entgegenzutreten.
Kalif al-Mustazhir gab al-Ghazâlîs den Auftrag, eine Widerlegung der Bâtinîya zu schreiben. Diese erfolgte in der Schrift Fadâ’ih al-Bâtinîya (Die Bloßstellung der Bâtinîya). Das Buch muss zwischen 483/1092, dem Jahr als al-Mustazhir Kalif wurde, und 488/1095, als Ghazâlî Baghdâd verließ, geschrieben worden sein. Auch in dieser Auseinandersetzung folgte Ghazâlî seiner Vorgehensweise, zunächst einmal die Argumente seiner Gegner zu sammeln und darzustellen. Dies brachte ihm den Vorwurf ein, der Bâtinîya in die Hände zu arbeiten, weil sie selbst es nicht geschafft hätten, ihre Lehre so deutlich darzulegen. 11

Wenn man über das Werk Imam al-Ghazâlîs spricht, ist es unumgänglich über seine Beschäftigung mit dem „KALAM“ zu sprechen. Das Wort kalâm heißt zunächst ‚Rede, Wort‘. Als islamischer Fachterminus bezeichnet es die rationale bzw. philosophisch geprägte Theologie, die sich im Islam etwa ab Mitte des 2./8. Jahrhunderts unter dem Einfluss der griechischen Philosophie entwickelte. Eine Gruppe islamischer Theologen begann sich Argumentationsweisen zu bedienen, die sie in anderen Kulturen kennengelernt hatten, insbesondere der – von der griechischen Philosophie entlehnten – logischen Syllogismen[13]. Während zuvor die theologische Argumentation allein auf der Grundlage von Koran und Sunna stattgefunden hatte, wurde nun die Methode der rationalen, bzw. philosophischen Argumentation eingeführt.

Besonders durch die Schule der Mu’tazila, die in der ersten Hälfte des 3./9. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erlebte,  haben verschiedene Aspekte der griechischen Philosophie Eingang in die islamische Theologie gefunden. Die Mu’taziliten postulierten „eine Vernunfttheologie, welche die qur’anische Offenbarung zunehmend überlagerte und menschliche Logik zum obersten Richter über das Geoffenbarte werden ließ.“[14]

Unter Ma’mûn (196-218/812-833) wurde die mu’tazilitische Lehre zur Staatsdoktrin erklärt, die auch seine nächsten beiden Nachfolger aufrechterhielten. Als jedoch al-Mutawakkil (232- 247/847-861) den Thron bestieg, wurde ihr Einfluss wieder zurückgedrängt. Ibn Hanbal, der die Lehre von der Erschaffenheit des Koran trotz Verfolgung und Gefängnis konsequent abgelehnt hatte, wurde aus dem Gefängnis entlassen und entschädigt, die theologische Diskussion wurde von nun an – bis heute – von den Traditionalisten  bestimmt.

Eine wichtige Rolle beim Niedergang der Mu’tazila spielte al-Aš’arî, der allerdings 300/912 zum sunnitischen Dogma, zur Lehrmeinung „konvertierte“, wie es Ibn Hanbal vertrat.

Durch die Vermittlung al-Aš’arîs wurde der Kalâm als orthodox anerkannt. Die sunnitische Rechtsschule von al-Šâfi’î übernahm die theologische Argumentation der Aš’arîya im 5./frühen 11. Jahrhundert, und auch die Mâlikiten tendierten zur aš’arîtischen Theologie. Von den Hanafiten gehörten viele einer anderen Schule an, der Mâturidîya, die ähnlich wie die Aš’arîya rationale Argumentation verwandte, um die sunnitische Orthodoxie zu verteidigen. Einzig die Hanbaliten blieben bei ihrer Weigerung, rationale Methoden in der Theologie zuzulassen – so die Meinung Mancher auch heute.

Unter den Muslimen gilt jedoch die orthodoxe Lehrmeinung, dass sowohl Imam Hanifa, Imam Shafii, Imam Malik und Imam Hanbal sich strikte gegen den Kalam wandten – auch wenn mancher Gelehrte die These aufstellt, dass sich die Ablehnung dieser Rechtschulbegründer sich spezifisch nur gegen den Kalam der Mu’taziliten wandte.

Fest steht – so geht es aus Ghazâlîs Werk Faisal at-tafriqah bain al-islam wa-l-zandaqah hervor,  verurteilt er die Angewohnheit der verschiedenen theologischen Schulen, alle diejenigen, die mit ihnen nicht übereinstimmten – auch in vergleichsweise unwichtigen Punkten – als kafirûn zu bezeichnen – also den „taqfir“ zu betreiben.
Ein Vor- und Vergehen übrigens, welches m.E. einer grundsätzlich materialistischen, dualistischen Weltsicht entspringt, die – mit Vernunft, Verstand und Herz betrachtet, dem Islam in seiner Umfänglichkeit und Ganzheit nicht gerecht werden kann!

Denn eines ist doch klar, sollte nun endlich klar sein … das Wort Gottes hat zweifelsfrei als ABSOLUT zu gelten  – die menschlichen Interpretationen der Offenbarung(en), das menschliche Verständnis, das menschliche Denken darüber – muss allerdings stets relativ bleiben!

Daher ist die Forderung der Menschen ihr jeweils eigenes subjektives Verständnis als absolut zu setzen und dessen unbedingtes Befolgen zu fordern – nicht anderes, als ABSOLUTISTISCH und TOTALITÄR zu bezeichnen und zurückzuweisen!

Auf dem Weg – des Sufis

Es scheint nur verständlich, dass der Imam, an diesem Punkt seines Lebens, etwa 32-jährig aufgrund all der Erfahrung mit seiner Welt und sich selbst – an einen weiteren Kreuzweg angelangt war … wohin sich wenden, welcher Lehrmeinung folgen? Und so nimmt es nicht wirklich wunder, dass er das Angebot der herrschenden Schicht, in ihrem Auftrag weiterhin als Professor zu fungieren, ausschlug – vom Weg des theoretischen Studiums Abschied nahm und sich nun der Mystik, dem Weg des inneren Erfahrens zuwandte.

Lautet doch ein Wahlspruch der Sufis: „Wer nicht SCHMECKT, der WEISS nicht.“

Dass Gott ihn zu dieser Zeit auch noch für 2 Monate die Sprache verlieren ließ, wertete er als klares Zeichen, sich von den vergänglichen Werten des Diesseits ab- und sich den ewigen Prinzipien des Jenseits zuzuwenden.

So nahm er Abschied von Bagdad verbrachte zuerst 2 Jahre in Syrien, in Damaskus, wohl viel stille Zeit auf dem großen Minarett verbringend,  wandte sich danach nach Jerusalem, um im Felsendom Einkehr zu halten, unternimmt die Pilgerfahrt und predigt während den 8 Jahren seiner Wanderschaft den Menschen die Abkehr vom flüchtigen Diesseits und die Hinwendung zum bleibenden Jenseitigen.

Was er in diesen Jahren des Rückzugs von der Welt, auf seiner Wanderung durch die Welt wirklich erlebte– darüber sagte er nur so viel:

Es war, was war, was ich nie sagen werde – und du, denke gut darüber und frage nicht!

Und vielleicht ist es nicht falsch zu denken, dass al-Ghazâlî auf dieser Reise entdeckte, dass es der Befreiung aller diesseitiger Anhaftung bedarf, um jenem Organ zu seiner vollkommenen Funktion zu verhelfen, welches den Menschen zu seiner wahren Bestimmung führt, wie alle Propheten es gelehrt und vorgelebt haben – ein getreuer Diener und Sachwalter des Schöpfers und Erhalters aller Dinge zu sein – das Herz – zu reinigen und mit geläuterte Seele sich hin und zurück zum Urgrund allen Seins zu begeben, um endlich in ehrfürchtigem Staunen und ewiger Glückseligkeit das Antlitz Gottes zu erschauen.

Und vielleicht ist es nicht falsch anzunehmen, dass er nun, nachdem er  endlich das Gleichgewicht zwischen dem nur EINEN und dem ausschließlich ANDEREN, dem  ENTWEDER ODER – zwischen einschließendem  SOWOHL als AUCH und ausschließendem WEDER NOCH gefunden hat – sich nicht mehr weiter dem Ruf des Herrschers Fachr al-Mulks verschloss, seine Lehrtätigkeit in Nisabur wieder aufzunehmen, um seine hart erkämpften geistigen Errungenschaften mit seinen Studenten zu teilen.

Doch wie dem auch sei, blieb er nicht mehr lange in Nisabur, sondern zog sich nach Tus, seiner Heimatstadt zurück und widmete sich dort bis zu seinem Tod einerseits seinen Studenten in einer Madrasa und andererseits den Bewohnern eines Sufikonvents, den er selbst in der Nähe seines Hauses eingerichtet hatte.[15]

Von seinem Sterben wird berichtet, dass er, gerade bei  der Lektüre  des Buches „Über die Standhaftigkeit beim Sterben“ von Ibn Dschausija, von der Ahnung seines nahen Endes berührt wurde – er darauf die rituelle Waschung vollzog, sich die Leichentücher geben ließ und sprach: „ich höre und gehorche, zum Eintritt beim König“ und verschied.

Gott gebe ihm einen hohen Platz ihm Jenseits und habe Wohlgefallen an ihm.

Bei Ihnen bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und bei Allah ist die Rechtleitung, die ich für uns erbitte – AMIN

Hanel, August 2013

Ghazali

CHRONOLOGIE des Lebens von Abû-Hâmid Muhammad ibn-Muhammad al- Ghazâlî
Quelle: http://www.al-sakina.de/inhalt/studien/ghazali/chrono/chrono.html
Jahr Ereignis

Alter

450 H./1058 n.Chr. Geburt Ghazâlîs in Tûs
ca. 461/1069 Studienbeginn in TûsGrundlagen der Religion

11

ca. 465/1073 Studienreise nach Dschurdschân

15

466-469/1074-1077 Weiterführung der Studien in Tûs

16 -19

ca. 469/1077 Beginn der Studien an der Nizâmîya in NîšâpûrLehre der Aš’arîya

19

478/1085 Tod von al-Dschuwainî, Ghazâlî verläßt Nîšâpûr

27

ab 484/1091 Lehrtätigkeit an der Nizâmîya in Baghdâd

33

484-487/Ende 1091-1094 Selbststudium der Philosophie’Bâtinîya‘, einer Bewegung der schiitischen Ismâ’îlîyaFadâ’ih al-Bâtinîya (Die Bloßstellung der Bâtinîya)

33 – 36

487/1094 Beendigung des Maqâsid

36

488/ Anfang 1095 Beendigung des Tahâfut

37

488/1095 Tutuš wird ermordet, Barkiyâruq wird Sultan

37

Radschab 488/Juli 1095 Verlust der Sprechfähigkeit

37

Dhû l-Qa’da 488/Nov. 1095 Abschied von Baghdâd

38

Dhû l-Hidscha 489/Nov./Dez. 1097 Teilnahme an der Pilgerfahrt

39

Ca. 491/1099 Rückkehr nach Tûs

41

496/Ende 1104 Barkiyâruq stirbt

46

Dhû l-Qa’da 499/Juli 1106 Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit in NîšâpûrIhya‘ ‚ulum al-din,[16]

48

Ca. 501/1108 Al-Munqidh min ad-dalâl

50

Ca. 503/1110 Rückkehr nach Tûs

52

504/1111 Ildschâm

53

14. Dschumâdâ II 505/18. Dez. 1111 Tod Ghazâlîs

53

Zu seinen Werken gehören:

  • Ihya ulum al-din (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften)
  • Kimiya-yi saadat (Die Chemie bzw. das Elixier der Glückseligkeit)
  • Al-Munqidh min al-dalal (Der Retter aus dem Irrtum)
  • Al-Iqtisad fi’I-i`tiqad (Die Mittlere Pfad in der Theologie)
  • Al-Risala al-Qudsiyya (Der Brief aus Jerusalem)
  • Kitab al-arba’in fi usul al-din (Vierzig Kapitel über die Prinzipien der Religion)
  • Mizan al-amal (Das Gleichgewicht im Tun)
  • Mishkat al-anwar (Die Nische der Lichter)
  • Maqasid al falasifa (Die Absichten der Philosophen)
  • Tahafut al falasifa (Die Inkohärenz der Philosophen), ein Buch, dem später von Averroes [Ibn Ruschd] entgegnet wurde in seinem „Tahafut al-tahafut“ (Die Inkohärenz der Inkohärenz) veranlasste

Sein Hauptwerk und gleichzeitig umfassendste Werk „Ihya ulum al-din“
(Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften) wurde genau so ins Deutsche übertragen wir sein bekanntes Werk:
„Kimiya-yi saadat“ (Die Chemie bzw. das Elixier der Glückseligkeit).

Quelle: www.islamheute.ch

FUSSNOTEN

[1] http://d1.islamhouse.com/data/de/ih_fatawa/single/de_Wer_war_Al_Ghazali.pdf
Man wird feststellen, dass obwohl Abu Hamid Al-Ghazali solch ein tiefes Wissen über Fiqh, Sufismus, ‚Ilm ul-Kalam, Usul al – Fiqh etc. hatte, und obwohl er solch ein Asket und hingebungsvoller Anbeter (Allahs) war, und solch gute Absichten und gewaltiges Wissen über islamische Wissenschaften hatte, er dennoch einen Hang zur Philosophie hatte. Aber diese Philosophie kam zum Vorschein in der Form von Sufismus und durch islamische Vorstellungen zum Ausdruck. Deshalb widerlegten die muslimischen Gelehrten, einschließlich seines engsten Gefährten Abu Bakr ibn Al-Arabi, seine Vorstellungen. Abu Bakr ibn Al-Arabi sagte: „Unser Scheikh Abu Hamid ging tief in die Philosophie ein, dann wollte er dort wieder herauskommen, aber war nicht in der Lage dazu.“ Von ihm werden Meinungen überliefert, die sich´anhören wie Batini Aussagen und dies kann nachgeprüft werden, indem man in Al–Ghazalis Bücher schaut. (Siehe Majmu’u al – Fatawa, Teil 4, S. 66. von Ibn Taimiyya)
Selbst obwohl Al-Ghazali sehr fortgeschritten im Wissen war, hatte er dennoch wenig Wissen über Hadith und der Hadith-Wissenschaft, und er konnte nicht zwischen makellosen (sahih) und schwachen (d’aif) Ahadith unterscheiden. Er wäre beinahe gänzlich von der Religion abgekommen.
Als er Al-Ihya‘ [d.h. Ihya‘ ‚Ulum id-Din] schrieb, begann er von den Eingebungen und symbolischen Worten der Sufis zu sprechen, obwohl er nicht befähigt war dies zu tun und kein tiefes Wissen über solche Dinge hatte. Deswegen versagte er und füllte sein Buch mit erfundenen Überlieferungen.“

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/1672475/
Die Vertreibung der Philosophie aus dem Islam
Der persische religiöse Denker Abu Hamid al-Ghazali gehört zu den am meisten gelesenen islamischen Autoren. Im Westen wird er traditionell dafür verantwortlich gemacht, im 11. Jahrhundert die Philosophie aus dem Islam abgeschafft zu haben.

[2] 2: 171 Und so ist das Gleichnis jener, die versessen darauf sind die Wahrheit zu leugnen, sie sind wie das Raubtier, welches des Hirten Schreien hört, und nichts anderes vernimmt als den Laut einer Stimme und einen Ruf.[2] Taub sind sie, und stumm, und blind: denn sie gebrauchen ihren Verstand nicht.

[3] 2: 177 Wahre Frömmigkeit besteht nicht darin, eure Gesichter gegen Osten oder Westen zu wenden – – vielmehr ist der wahrlich fromm, der an Gott glaubt, und an den Jüngsten Tag; und an die Engel, und die Offenbarung, und an die Propheten; und der aus seinem Vermögen spendet – soviel ihm beliebt – zugunsten seiner nahen Verwandt­schaft, und der Waisen, und der Bedürftigen, und der Reisenden, und der Bittenden, und der Befreiung der Menschen aus Knechtschaft; und der standhaft im Gebet ist, und die reinigende Abgabe bezahlt; und [wahrlich fromm sind] die, welche ihr Versprechen halten, wenn sie etwas versprechen, und geduldig im Unglück sind, und harten Zeiten, und in der Gefahr: sie sind es, die sich als wahrhaftig erwiesen haben, und sie sind es, die sich Gottes bewusst sind.

[6] Die behaupteten, der Qur’an wäre das erschaffene Wort Gottes.

[7] A. J. Wensinck, J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden 1941, S. 58

[9] Koran Muhammad ASAD: 85:21-22 Wörtl., „auf einer wohlbehüteten Tafel (lawh mahfuz)“ – eine Beschreibung des Qur’an, welche nur an dieser Stelle vorkommt. Auch wenn einige Kommentatoren dies wörtlich nehmen und darunter eine wirkliche „himmlische Tafel“ verstehen, auf welchem der Qur’an seit aller Ewigkeit eingraviert ist, hatte für andere diese Phrase immer eine metaphorische Bedeutung: als Anspielung auf die unvergängliche Eigenschaft dieser göttlichen Schrift. Diese Interpretation wird ausführlich von z.B. Tabari, Baghawi, Razi oder Ibn Kathir, dargelegt und rechtfertigt, die alle darin übereinstimmen, dass diese Phrase „auf einer wohlbehüteten Tafel“ sich auf Gottes Versprechen bezieht, dass der Qur’an niemals verfälscht und freibleiben wird von allen widersprüchlichen Hinzufügung­en, Weglassungen oder Textveränderungen. Siehe dazu auch 15:9 und Anmerkung 10.

(… ist eine erhabene Abhandlung über/auf eine wohlbehütete Tafel“; – die wohlbehütete Tafel ist die Urschrift, Blaupause für alle Botschaften; somit wären die einzelnen Botschaf­ten, welche den verschiedenen Gesandten zur Übermittlung offenbart wurden (ein­schließ­lich der Qur’an), keine 1:1 Abschriften, sondern, je nach Zeit und den Erforder­nissen entsprechende – erhabene Abhandlungen der Urschrift; MH),

[10] Exkurs über die Bedeutung von „absolut“ – „relativ“ und „absolutistisch„. EXKURS:
ABSOLUT = unabhängig von ALLEM (aller Vorstellung, aller Bedingungen und Kausalität)

RELATIV   = abhängig (im primären Sinn vom Absoluten, sekundär von allem anderen)

ABSOLUT   = NUR der Schöpfer, der Erhalter aller Welten ar-Rabb, al-Chaaliq, al-Bari, al-Badi

RELATIV   = die, alle Schöpfung … materielle Ebene (Gravitation), spiritueller Ebene (Prinzip von Ursache und Wirkung)

Tauhid = zentrale Säule mit „absoluter“ Verbindung zum ABSOLUTEN (das „schwarze- das Wurmloch“ in eine andere Dimension). Alle anderen Säulen sind „relativ“. Ohne die erste Säule werden das Gebet zur Turnübung, das Fasten zur Qual, die Zakat zum Raub und die Pilgerfahrt zur Urlaubsreise, um der Anbetung des eigenen Egos zu frönen.

[13] Ableitung, Deduktion, logischer Schluss http://de.wikipedia.org/wiki/Syllogismus

[15] Das Elixier der Glückseligkeit, Vorwort von Annemarie Schimmel

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4 Gedanken zu „Imam al-Ghazâlî, sein Leben, sein Wirken, sein Weg

  1. Sumaya M.

    Eine überaus wertvolle, zum Nachdenken anregende Darstellung des umfassenden Weges Muhiyy ad Din Al Ghazalis durch die verschlungenen Pfade seiner Zeit! Danke!
    Wann werden wir den Schritt zum „Sowohl als Auch“ – nicht auf undifferenzierte Weise sondern auf hohem (Gelehrten -) Niveau endlich schaffen? Ist es vielleicht das „weibliche Prinzip“ welches hier zu kurz kommt – und wollen wir nicht alles dransetzen, es zu integrieren?

    Antwort
    1. M.M.HANEL Autor

      Danke, für den verständigen Kommentar! Doch, doch! WIR wollen alles daran setzen, diesem „weiblichen Prinip“ Gehör zu verschaffen und es auf hohem (Gelehrten) Niveau zu untegrieren. Doch – WER ist/sind WIR?

      Antwort
      1. Sumaya M.

        Oh, ich weiss, dass es MANCHEN durchaus klar ist, wie wichtig das wäre – und danke ihnen allen für ihr (eigenes aufmerksames) „Gehör“ und den „effort“ in die Richtung! Ja, wer sind WIR – wohl eben alle jene, die (annähernd) begreifen, worum`s da geht?!!

  2. Pingback: INHALTSANGABE der BEITRÄGE | ISLAM HEUTE

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